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"Wiener Zeitung" als öffentlich-rechtliches Medium retten

Experte warnt vor weiterem Vielfaltsverlust am heimischen Zeitungsmarkt. Drohendes Aus ist Thema in sozialen Medien.

Ungewisse Zukunft für die „Wiener Zeitung“ SN/hillebrand
Ungewisse Zukunft für die „Wiener Zeitung“

Der Medienexperte Fritz Hausjell warnt davor, die "Wiener Zeitung" als gedruckte Tageszeitung zu verlieren. Mit 14 Titeln habe man in Österreich bereits die "Mindestausstattung" der medialen Vielfalt erreicht. Er erachtet es als sinnvoll, die älteste Tageszeitung der Welt als öffentlich-rechtliches Medium zu erhalten.

Das im Regierungsprogramm vorgesehene Vorhaben, die Veröffentlichungspflicht von Unternehmen im "Amtsblatt" der "Wiener Zeitung" abzuschaffen, regt seit Wochen auf. Es dürfte aufgrund der nötigen Umsetzung einer EU-Richtlinie kurz bevorstehen und dadurch die Existenz der Zeitung in Papierform gefährden. Schließlich würde dadurch eine wesentliche Einnahmequelle wegfallen. Hausjell warnt eindringlich davor: "Wir müssen eine gewisse Medienvielfalt erhalten, weil sie für den liberalen demokratischen Staat essenziell ist."

Zudem seien positive Signale "absolut dringlich". Schließlich sei Österreich im internationalen Ranking der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen zuletzt wiederholt abgerutscht. Die Vielfalt nun wegen einer EU-Richtlinie zu gefährden, sieht er als "politische Fantasielosigkeit". "Es gibt selbstverständlich die Möglichkeit, die ,Wiener Zeitung' zu einem öffentlich-rechtlichen Medium zu transferieren", sagt der Kommunikationsforscher. Damit müssten aber besondere Aufgaben einhergehen, um die Finanzierung rechtfertigen zu können, ergänzt Hausjell. So solle die Tageszeitung auch weiterhin am Anzeigenmarkt keine große Konkurrenz für andere Titel darstellen, meinte der Medienexperte. Abgesehen davon könne die "Wiener Zeitung" als potenzielles öffentlich-rechtliches Medium als "Entwicklungslabor" fungieren. Sie solle etwa erproben, wie moderner Journalismus angesichts der Digitalisierung sowohl auf Papier als auch digital sein Publikum findet.

Auch in den sozialen Medien ist die Tageszeitung Thema. Auf den Kanälen der "Wiener Zeitung" sprechen sich Prominente mit dem Hashtag "#unverzichtbarseit1703" versehen für deren Fortbestand aus. Den Start machte Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele. Auch in der Facebook-Gruppe "Die Zukunft der Wiener Zeitung" diskutieren rund 800 Mitglieder über eben diese.

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