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Wieso im Netz so erfolgreich gelogen wird

Österreichs Internetbotschafterin hat einen Ratgeber über Fake News geschrieben.

Wieso im Netz so erfolgreich gelogen wird SN/pict rider - stock.adobe.com
Wieso im Netz so erfolgreich gelogen wird

Welche Meldung interessiert die Menschen mehr? "Weltflüchtlingstag: Mahnungen zu Solidarität und Hilfe" oder "Asyl-Lobby fordert unbegrenzte Flüchtlingsaufnahme". Auf Facebook fällt die Antwort eindeutig aus: Nur die zweite Schlagzeile der einschlägigen Webseite "Junge Freiheit" brachte es unter die Top Ten der meistgelesenen Meldungen an diesem Tag. Das fand 10000.flies.de heraus, ein Online-Ranking der meistgeklickten Geschichten im Internet. Dabei wurde die erste Meldung gleich von mehrere Tageszeitungen - darunter auch die SN - in ihren Onlineausgaben gebracht und auf Facebook gepostet.

Brodnigs Buch „Lüge im Netz“, erschienen im Brandstätter Verlag, ist ab 26. Juni erhältlich. SN/brandstätter verlag/ingo pertramer
Brodnigs Buch „Lüge im Netz“, erschienen im Brandstätter Verlag, ist ab 26. Juni erhältlich.

Ingrid Brodnig, die digitale Botschafterin Österreichs, wundert das nicht. "Fake News zeichnen sich dadurch aus, dass sie viele Menschen in ihren Feindbildern bestärken und bei ihnen Wut auslösen. Das motiviert Tausende, diese Falschmeldungen auf ihren Profilen weiterzuverbreiten", sagt sie im SN-Interview. Brodnig hat ein neues Buch über "Lügen im Netz" geschrieben. Darin gibt sie nicht nur Ratschläge, wie man Fake News als solche erkennt ("kritisch hinterfragen", "nachgoogeln", "das Impressum lesen"); sie führt auch aus, was man dagegen tun kann - etwa aufklären und richtigstellen. "Soziale Netzwerke zeigen vor allem Beiträge mit vielen Likes und Shares an, die eine hohe Interaktionsrate haben. Deshalb rate ich, Meldungen auf dubiosen Webseiten nicht einfach zu teilen, sondern einen Screenshot davon zu machen und den auf dem eigenen Profil zu posten."

Wieso Fake News Hochkonjunktur haben

Brodnig hat eine Erklärung dafür, weshalb Fake News in der Politik, insbesondere unter Anhängern rechtskonservativer Parteien wie jenen der FPÖ, der AfD oder von US-Präsident Donald Trump, Hochkonjunktur haben. "Rechtskonservative Parteien haben früher damit begonnen, sich Communitys in den sozialen Netzwerken aufzubauen", sagt sie. Nicht zufällig sei FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache der Politiker in Österreich mit den meisten Facebook-Fans. Aber die anderen Parteien zögen nach. Brodnig glaubt deshalb, dass es im bevorstehenden Nationalratswahlkampf zu "einer neuen Welle an Falschmeldungen" kommen werde, weshalb sie für eine Offenlegungspflicht aller Wahlkampfgelder, auch der im Internet, eintritt.

Sie bezweifle aber, dass das Dirty Campaigning in Österreich Ausmaße wie in den USA annehmen werde. Brodnig konstatiert einen regionalen Unterschied zwischen Fake News: Während es sich in den USA häufig um völlig erfundene Geschichten handle, kursierten in Europa häufiger überspitzte Meldungen mit einem wahren Kern - wie der eingangs erwähnte Artikel der "Jungen Freiheit". Ihre Wirkung sei freilich die gleiche: "Das Problem an Fake News ist, dass sie langfristig den Glauben an die Demokratie zersetzen. Denn der Mensch ist so gestrickt, dass er Meldungen glaubt, je häufiger er sie hört."

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Aufgerufen am 18.08.2018 um 02:33 auf https://www.sn.at/panorama/medien/wieso-im-netz-so-erfolgreich-gelogen-wird-12524542

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