Medien

Wirtschaftskrisen beschädigen investigativen Journalismus auf der ganzen Welt

Kommen Nachrichtenmedien finanziell unter Druck, bleibt schnell der aufwändige Enthüllungsjournalismus auf der Stecke. Daher ist jetzt die Medienpolitik gefordert. In Österreich ist die Sensibilität für das investigative Arbeiten gestiegen.

Heimische Zeitungen und Zeitschriften sind auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor SN/dpa-zentralbild
Heimische Zeitungen und Zeitschriften sind auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Weltweit geht dem investigativen Journalismus das Geld aus, die Kontrollfunktion der Medien leidet darunter. Zu diesem Ergebnis kommt das globale Forschungsprojekt "Media for Democracy Monitor 2020" (MDM), das Kommunikationswissenschafter unter dem Dach der Euromedia Research Group heuer in 18 Ländern weltweit durchgeführt haben. Für Österreich nimmt die Universität Salzburg an dem Forschungsverbund teil. Die Coronakrise hat diese Erosion bei den Medien nicht in Gang gesetzt, aber beschleunigt, heißt es.

Fazit der Wissenschafter: Kluge Medienpolitik und öffentlich-rechtliche Medien können die Erosion wirkungsvoll bremsen.


Durch die Krise des investigativen Journalismus können die "Objekte" der journalistischen Recherche aufatmen. Zahlreiche Medienhäuser verkleinern ihre Redaktionen, ganze Investigativ-Teams fallen Sparübungen zum Opfer. Die verbleibenden Journalisten und Journalistinnen haben nicht mehr die Zeit für aufwendige Recherchen. Soweit einige Befunde des internationalen Forschungsverbundes. Erforscht wurde, dass investigativer Journalismus ohne finanzielle Absicherung nicht stattfindet. Kommen Nachrichtenmedien finanziell unter Druck, bleibt der aufwändige Investigativjournalismus auf der Stecke. Hier sei, so die Wissenschafter, die Medienpolitik gefordert: Eine gezielte finanzielle Unterstützung von Nachrichtenmedien mit zweckgebundenen Mitteln für investigativen Journalismus, bewähre sich sonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten.

In Österreich mehr investigative Journalisten als vor zehn Jahren

Für Österreich hat die Untersuchung indes ergeben, dass 2020 mehr Journalisten investigativ arbeiten als im Vergleichsjahr vor zehn Jahren (2011). Projektleiter Josef Trappel von der Universität Salzburg sagt dazu: "Die Sensibilität in Österreich ist gestiegen. Auch der Stellenwert von investigativer Arbeit. Heute sind Zusammenschlüsse zu diesem Zweck zwischen Medien möglich, die vor zehn Jahren noch undenkbar waren. Österreichs Nachrichtenmedien sind da ein Stück vorangekommen." Allerdings setzt die Krise auch die österreichischen Medien unter Druck. Sie behelfen sich mit Ad-hoc Teams, sie bündeln Ressourcen gemeinsam mit anderen Medien oder decken die Kosten aus dem laufenden Budget.

Auch wenn investigativer Journalismus in allen Ländern eine wichtige Rolle spielt, die Mittel dafür werden unterschiedlich eingesetzt. In Finnland, Island und in den Niederlanden etwa stellen die führenden Nachrichtenmedien jeweils ad hoc Mittel zur Verfügung, um Aufdeckergeschichten zu recherchieren. In den Niederlanden und in Flandern (Belgien) können die Medien finanzielle Unterstützung für solche Vorhaben aus einem staatlichen Subventionstopf abrufen. Einen anderen Weg müssen die Nachrichtenmedien in Chile gehen. Investigative Recherchen können die Medien aus eigener Kraft nicht mehr leisten. Sie kaufen statt dessen solche Geschichten von freien Journalisten zu oder geben sie bei spezialisierten Redaktionsbüros in Auftrag.

In Australien halten TV-Stationen Recherche-Praktiken aufrecht

In Skandinavien und Großbritannien verzichten die führenden Nachrichtenmedien trotz Wirtschaftskrise nicht auf investigativen Journalismus. In Schweden reservieren die national verbreiteten Nachrichtenmedien zehn Prozent ihres Budgets für diesen Zweck. Auch in Dänemark genießt investigativer Journalismus weiterhin Priorität. Speziell geschulte Teams übernehmen dort investigative Aufgaben. In Australien haben die führenden Nachrichtenmedien ihre Budgets für investigative Aufgaben zusammengestrichen. Nur die Fernsehveranstalter können dort ihre Recherche-Praktiken aufrechterhalten. In einer ähnlichen Lage befindet sich auch Finnland. Dort haben die Zeitungshäuser die Budgets für investigativen Journalismus deutlich gekürzt. Der öffentliche Rundfunk YLE sieht darin aber seine Chance. Ein geschultes und spezialisiertes Team arbeitet gezielt an Aufdeckergeschichten.


Quelle: SN

Aufgerufen am 20.01.2021 um 05:56 auf https://www.sn.at/panorama/medien/wirtschaftskrisen-beschaedigen-investigativen-journalismus-auf-der-ganzen-welt-95492698

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