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Wrabetz im Interview: "Mich überraschen Grasls Schmerzen"

Sollte er die ORF-Wahl gewinnen, will Alexander Wrabetz eine Quizshow starten. Von einer Kooperation mit Servus TV hält er wenig.

Wrabetz im Interview: "Mich überraschen Grasls Schmerzen" SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Alexander Wrabetz geht davon aus, wiedergewählt zu werden.

Das hat noch nicht einmal Gerd Bacher geschafft. Alexander Wrabetz will als erster ORF-Generaldirektor 15 Jahre am Stück im Amt bleiben. Im SN-Interview am Rande des ORF-Festspielempfangs beschreibt der SPÖ-nahe Wrabetz, wie er bei einer Wiederwahl die Direktion erweitern will. Er kritisiert die ORF-5-Pläne seines Gegenkandidaten Richard Grasl. Und er verrät, welche Ideen er für Salzburg hat.

SN: Herr Wrabetz, wer wird 2017 den Festspielempfang des ORF eröffnen?
Alexander Wrabetz (56): Man soll Dinge nicht verschreien, aber ich glaube, dass ich das tun werde.

SN: Sie sind also zuversichtlich, von den ORF-Stiftungsräten wiedergewählt zu werden?
Ja, ich bin zuversichtlich. Und zwar, weil ich glaube, dass die Stiftungsräte wissen, dass ich den ORF selbst in schwierigen Zeiten zukunftssicher aufstellen kann.

SN: Was wäre bei einer Niederlage: Könnten Sie sich vorstellen, Teil eines Team Grasl zu sein?
Nein, ich bin der Überzeugung, dass ich den Kurs, den Richard Grasl in der Realität fahren würde, nicht mittragen könnte.

SN: Und Richard Grasl würde ebenso wenig Teil Ihres Teams sein, oder?
Richard Grasl hat ja mit großer Ambition in dieser Geschäftsführung mitgearbeitet (als Kaufmännischer Direktor, Anm.). Deshalb überraschen mich die Schmerzen, die er in den vergangenen Monaten gehabt hat. Aber nachdem diese Schmerzen offensichtlich sehr groß waren, kann ich mir nicht vorstellen, dass er sich für eine weitere Funktion bewirbt. Und ich würde ihn auch nicht dazu ermuntern. Er hat allerdings ein Rückkehrrecht in sein Landesstudio (Niederösterreich, Anm.).

SN: Wie würde Ihre Direktion aussehen, falls Sie gewinnen?
Dass ich einen Kaufmännischen, einen Technischen und einen Programmdirektor haben werde, ist ja schon bekannt. Zusätzlich würde es zwei weitere Funktionen geben: einen Direktor Radio und einen Chief-Digital-Officer, einen Direktor Online, der zwar nicht direkt vom Stiftungsrat bestellt wird, aber auf gleicher Ebene mit den anderen Direktoren arbeiten wird.

SN: Wird es eigene Channel-Manager für ORF eins und ORF 2 geben?
Ja, ORF eins, ORF 2 und Ö1 sollen zusätzlich nach dem Channel-Management-System organisiert werden. Und die Chefredakteure der einzelnen Redaktionen werden bei den Channel-Managern sein.

SN: Welche Pläne haben Sie für das Programm? Richard Grasl will mehr Österreich auf ORF eins . . .
Die Vorgabe, das amerikanische Angebot durch österreichische Produktionen zu ersetzen, darf man sich nicht zu einfach vorstellen. Sonst hätte der Kaufmännische Direktor ja jetzt schon mehr Geld dafür zur Verfügung stellen können. Aber ja, da kann man mehr tun. Die Wertigkeit des US-Programms geht zurück. Bis Ende der Periode soll die Abkehr substanziell sein.

SN: Sie wollen auch die Informationsschiene ausbauen.
Es ist eine neuartige, längere Informationssendung geplant, Arbeitstitel "@1". Da wollen wir nicht nur Kurzinformationen, sondern Hintergründe für die Millennial-Generation anbieten. Diese Sendung soll auch als durchgängiges Streaming-Produkt online angeboten werden.

SN: Was halten Sie von einem Österreich-Spartensender, wie von Herrn Grasl angedacht?
Ich habe einen ORF-5-Kanal ja in meinem Strategiekonzept 2020 drinnen gehabt. Da hat er das offenbar her. Ich bin der Meinung, dass der weitere Ausbau von ORF III Priorität hat. Und bei den knappen Mitteln ist es nicht machbar, noch einen Sender zu starten. Zudem ist es rechtlich nicht möglich, solch einen Kanal 2017 zu lancieren. Aber das muss Herr Grasl nicht wissen. Er ist ja für die Finanzen und nicht für die Rechtsfragen zuständig . . .

SN: In einem anderen Punkt sind Sie sich einig: Sie wollen die Landesstudios stärken. Wie soll das umgesetzt werden?
Landesdirektor Roland Brunhofer musste für Adaptionen um den Fernsehgarten aufwendige Genehmigungsreisen nach Wien machen. Das muss so nicht sein. Die Landesstudios haben gezeigt, dass sie mit den Budgetmitteln haushalten können. Da möchte ich bis Jahresende eine Neuregelung durchbringen.

SN: Gibt es konkrete Pläne für das Landesstudio Salzburg?
Es geht darum, den erfolgreichen Weg fortzusetzen. Es gibt zudem eine tolle Idee, die von Roland Brunhofer kommt. Und zwar für ein zusätzliches Bundesländerformat, eine österreichweite Quizshow unter dem Arbeitstitel "Zu Gast in Österreich". Und die soll er weiterentwickeln, wo auch immer er ist.

SN: Wann soll die Show starten?
Im kommenden Jahr. Sie geht von der Idee aus, dass jedes Landesstudio an einem Tag ein anderes Bundesland vor Ort mit Programm bespielt, also etwa Salzburg Oberösterreich und umgekehrt. Am Ende des Tages gibt es ein Quiz, wo man abfragt, wer mehr über das andere Bundesland weiß. Zum Schluss gibt es eine große Österreich-Quizshow.

SN: Welche weiteren Pläne haben Sie mit Roland Brunhofer?
Roland Brunhofer ist eine der besten Führungskräfte und wird jedenfalls eine sehr wichtige Aufgabe innehaben. Es hätte was für sich, wenn er in Salzburg weitermachen würde. Es ist aber möglich, dass er in Wien oder einem anderen Landesstudio eine Aufgabe übernimmt.

SN: Jetzt haben Sie sich jede Option offengelassen . . .
Ja, weil wir für viele der Funktionen mehrere Interessenten haben.

SN: Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass Roland Brunhofer nicht der beste Freund des Landeshauptmanns ist.
Es ist aber auch nicht die Aufgabe des Landesdirektors, der beste Freund des Landeshauptmanns zu sein. Das werden beide zugestehen.

SN: Stiftungsrat Limbeck hat schon bestätigt, dass die Zeit von Roland Brunhofer in Salzburg abgelaufen ist . . .
Das ist seine Meinung. Es hat mich aber überrascht, dass er die Diskussion öffentlich gemacht hat. Landeshauptleute sind per Gesetz zu hören. Es spricht auch nichts dagegen, dass sich Landesstiftungsräte für ihre Studios interessieren. Aber Einschätzungen über Mitarbeiter sollten nicht öffentlich erfolgen.

SN: Das heißt, es hat Gespräche mit Waltraud Langer als potenzielle Nachfolgerin von Roland Brunhofer gegeben?
Wenn ich jetzt darüber spreche, mache ich genau das, was ich gerade kritisiert habe. Deshalb werde ich nichts dazu sagen. Aber freilich führe ich dieser Tage sehr viele Gespräche, vor allem mit Mitarbeitern mit regionalem Bezug.

SN: Und abschließend: Es gibt Gerüchte, es könnte eine Technik-Kooperation mit Servus TV geben. Ist da was dran?
Ich habe gehört, dass es da, von wem auch immer, Geheimgespräche gegeben haben soll. Ich halte davon nichts. Ich finde, dass wir die Technik nicht privatisieren sollten.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 03:09 auf https://www.sn.at/panorama/medien/wrabetz-im-interview-mich-ueberraschen-grasls-schmerzen-1208632

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