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Zuckerberg: Holocaust-Leugner bei Facebook nicht gesperrt

Laut Facebook-Chef Mark Zuckerberg sollen Holocaust-Leugner in dem sozialen Netzwerk nicht gesperrt werden. Er finde die Leugnung des Völkermords an europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg zwar "tief beleidigend". Inhalte sollten aber nur verboten werden, wenn sie für Angriffe auf jemanden verwendet würden oder Schaden erzeugten, sagte Zuckerberg in einem Interview mit dem Technikblog "Recode".

Zuckerberg will nur Falschnachrichten unterbinden SN/APA (AFP/Getty)/Drew Angerer
Zuckerberg will nur Falschnachrichten unterbinden

In einem auf das Interview folgenden Nachtrag stellte Zuckerberg klar, Holocaust-Leugner nicht verteidigen zu wollen. Ziel seines Netzwerks sei aber nicht, User davon abzuhalten, etwas Unwahres zu sagen - sondern die Verbreitung von Falschnachrichten und falschen Informationen über Facebook zu stoppen.

Zuckerbergs erste Anmerkungen hatten für Kritik gesorgt. Unter anderem beklagte die Bürgerrechtsorganisation Anti-Defamation League, Facebook habe eine "moralische und ethische Verpflichtung", Nutzern die Verbreitung der Holocaustleugnung zu verbieten.

Kritik kommt auch vom Wiesenthal-Zentrum. "Mark Zuckerberg hat Unrecht", sagt Rabbi Abraham Cooper, führendes Mitglied des Zentrums, das mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern bekannt geworden ist. "Holocaust-Leugnung ist klassische 'Fake News'", sagte Cooper laut einer Mitteilung des Zentrums. Der Holocaust sei "das am gründlichsten dokumentierte Verbrechen der Geschichte". Eine Leugnung dieses Verbrechens, die auf einer Lüge basiere, könne nicht im Namen der Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden.

Bei einem Treffen 2009 hätten Facebook-Repäsentanten dem Wiesenthal-Zentrum außerdem versichert, dass Beiträge von Holocaust-Leugnern im Namen von Staaten wie dem Iran, die Juden verunglimpfen, gelöscht würden.

Facebook wird indes künftig Falschmeldungen mit dem Potenzial zu Gewalteskalationen löschen. "Wir ändern unsere Richtlinien und das wird es uns gestatten, derartige Inhalte zu entfernen", gab das weltweit führende soziale Netzwerk am Mittwoch am Unternehmenssitz im kalifornischen Menlo Park bekannt.

Der Schritt zielt Facebook zufolge auf Falschmeldungen, die zu Gewalt beitragen oder beitragen könnten. Dazu zählen etwa Fotos, die bearbeitet wurden, um politische oder gesellschaftliche Konflikte anzuheizen. Die Neuerung bedeutet eine Verschärfung der bisherigen Regeln. Die Verbreitung von Hass und explizite Gewaltaufrufe sind auf Facebook schon verboten. Nun werden auch solche Beiträge erfasst, die Gewalt auslösen könnten.

Das Netzwerk testete seinen neuen Ansatz, die in den kommenden Monaten weltweit greifen soll, in Sri Lanka. Das südasiatische Land erlebte zuletzt eine Welle religiöser Spannungen. Facebook war dabei zur Verbreitung von Falschinformationen genutzt worden.

Nach Angaben des sozialen Netzwerks wurden unter den neuen Regeln in Sri Lanka etwa "Fake News"-Beiträge gelöscht, in denen Muslimen vorgeworfen wurde, an Buddhisten verkauftes Essen zu vergiften. In den nächsten Wochen sollen diese Regeln weltweit eingeführt werden. Bei der Identifizierung verdächtiger Meldungen will Facebook demnach mit örtlichen Organisationen und den Behörden zusammenarbeiten.

Facebook wird seit längerem vorgeworfen, als Plattform für die Verbreitung irreführender Informationen genutzt zu werden. Der US-Internetgigant reagierte mit einer Reihe von Änderungen seiner Nutzerregeln. Sie sollen dabei helfen, Falschmeldungen etwa im Vorfeld von Wahlen und Gewaltaufrufe aus dem Netzwerk zu entfernen.

Aufgerufen am 07.12.2021 um 11:33 auf https://www.sn.at/panorama/medien/zuckerberg-holocaust-leugner-bei-facebook-nicht-gesperrt-36289429

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