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Mit 28 ein erster Schultag

Sarah Friembichler geht seit Montag wieder in die Schule. Sie macht ihr Unterrichtspraktikum an einem Gymnasium.

Mit 28 ein erster Schultag SN/www.BilderBox.com

Üblicherweise bekommen nur die Taferlklassler an ihrem ersten Schultag eine Schultüte. Bei Sarah Friembichler war das anders. Als Sechsjährige hatten ihre Eltern ihr zu Schulbeginn einen Teddybären geschenkt. Die Schultüte gab es erst jetzt, im Alter von 28 Jahren. Eine Freundin überreichte sie ihr, weil Friembichler gestern, Montag, ihren ersten Schultag als Lehrerin hatte.

Schon stand in der vierten Stunde Biologie auf dem Stundenplan der 4e. Ein bisschen nervös, ob alles gut gehen werde, sei Friembichler schon gewesen. "Es ist etwas Besonderes, wenn du zum ersten Mal deine eigene Klasse unterrichtest. Du weißt nicht, wie die Schüler auf dich reagieren. Aber es ist alles gut gegangen", erzählt sie im SN-Gespräch. Am ersten Schultag stand allerdings bloß gegenseitiges Kennenlernen im Vordergrund.

Friembichler erzählt auch, dass sie vorher schon gewusst habe, worauf sie sich einlasse. Das Akademische Gymnasium Salzburg, wo sie nun ihr einjähriges Unterrichtspraktikum absolviert, habe sie sich selbst ausgesucht. "Ich habe schon einzelne Schulstunden während des Studiums hier unterrichtet", sagt sie. Deshalb sei sie davon ausgegangen, dass die 4e eine nette Klasse ist.

Neben den zwei Stunden der 4e in Biologie wird Friembichler heuer zwei Stunden die Woche in der 5b ihr Zweitfach Geografie unterrichten, macht also vier Unterrichtsstunden pro Woche. Friembichler rechnet aber mit weit mehr Arbeitsstunden. Einmal pro Woche steht schließlich ein Treffen mit einer ihrer beiden Fachlehrerinnen auf dem Terminplan, die sie bei ihren ersten Schritten als Biologie- und Geografielehrerin begleiten. Dazu kommen die fünf Blocklehrveranstaltungen zur Fortbildung an der Pädagogischen Hochschule, die sie laufend besuchen muss. Und natürlich all die Dinge, die jeder Lehrer abhalten muss, wie Prüfungen oder Eltern- und Schülergespräche. Am meisten Zeit rechnet Friembichler aber für die Vorbereitung ihres Unterrichts ein. "Um eine Stunde Unterricht vorzubereiten, brauche ich zwei bis drei Stunden. Ich hoffe, dass das langsam weniger wird", sagt sie. Streit um die StundenAus diesem Grund ist Friembichler froh, dass für sie das alte und nicht das neue Lehrerdienstrecht gilt, dessen Entwurf die Regierung gerade begutachten lässt. Es sieht vor, dass Junglehrer nach ihrem Bachelorstudium Vollzeit unterrichten. 24 Stunden müsste Friembichler während ihres Unterrichtspraktikums, das dann Induktionsphase heißen soll, in der Klasse stehen - um das Sechsfache mehr als ihre vier Stunden. Daneben hieße es noch fleißig für das Masterstudium büffeln, das man für die ersehnte Fixanstellung braucht. Laut Dienstrechtsentwurf soll jeder gekündigt werden, der binnen fünf Jahren einen solchen Masterabschluss nicht vorweist. "Ich könnte mir das nicht vorstellen. Der Start als Junglehrer ist jetzt schon schwer genug", sagt Friembichler, die ihr Lehramtsstudium noch mit einem Magister abgeschlossen hat.

Die Lehrergewerkschaft steigt wegen des Dienstrechtsentwurfs sowieso auf die Barrikaden. Sie bezeichnet ihn als "inakzeptabel", "praxisfremd" und "untauglich". Gewerkschaftschef Paul Kimberger kündigte bereits an, dass "keine der Gewerkschaften ihre Zustimmung" dazu geben werde. Auch Proteste und Demonstrationen schließt er nicht aus, sollte die Regierung das neue Dienstrecht ohne Sanktus der Lehrergewerkschaft vor der Wahl so beschließen.

In den Schulen ist der Streit um das neue Lehrerdienstrecht jedenfalls angekommen. Seit Montag liegt eine Infobroschüre ("Schulnews Spezial") des Unterrichtsministeriums in allen Schulen auf. Die Gewerkschaft kontert mit einer Sonderausgabe ihres Mitgliedermagazins (GÖD).

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