Österreich

100 Tiere getötet: Bande von Wilderern gefasst

Polizei stellte riesiges Waffenarsenal, Fleisch und Trophäen sicher. Im Salzkammergut gilt Wilderei noch als Mutprobe und Kavaliersdelikt.

Bei einer Wildererbande aus dem Salzkammergut wurde ein ganzes Arsenal an Waffen sichergestellt. SN/www.picturedesk.com
Bei einer Wildererbande aus dem Salzkammergut wurde ein ganzes Arsenal an Waffen sichergestellt.

Polizei und Staatsanwaltschaft Wels ermitteln gegen sieben Wilderer, die in ganz Oberösterreich (vor allem im Salzkammergut), Salzburg-Umgebung und im niederösterreichischen Waldviertel ihr Unwesen getrieben haben sollen. Die sieben Männer im Alter zwischen 19 und 52 Jahren werden verdächtigt, mehr als 100 wild lebende Tiere - jagdbares Wild ebenso wie geschützte Arten - getötet zu haben. Bei Hausdurchsuchungen wurden Unmengen von eingefrorenem Fleisch und Trophäen, aber auch 78 Schusswaffen, mehrere tausend Schuss Munition und 31 Schalldämpfer sichergestellt.

Um Schonzeiten oder Schutzbestimmungen kümmerten sie sich der Polizei zufolge nicht. Teilweise waren die Beschuldigten mit Nachtsichtgeräten, Wärmebildkameras und Schalldämpfern unterwegs. Häufig sei aus fahrenden Autos heraus geschossen worden. Den Männern wird der schwere Eingriff in fremdes Jagdrecht, Tierquälerei sowie Verstöße gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Die Delikte sind mit bis zu drei Jahren Haft bedroht.

Fünf Wilderer sollen im Salzkammergut, auf der Hohen Schrott und im Rettenbachtal im Raum Bad Ischl, aktiv gewesen sein. Die anderen beiden im Raum Linz-Land. "Die beiden Gruppen haben sich aber gekannt und waren ein paar Mal auch gemeinsam auf Tour", berichtete Revierinspektor Raphael Czerny aus Bad Ischl. "Einmal wurde Fleisch zu einem Metzger gebracht, der daraus Wurst gemacht hat. Die Wurst haben wir sichergestellt", sagt Czerny. Bei den Vernehmungen waren die Verdächtigen "durch die Bank teil- bis umfassend geständig. Nur einer hat sich der Aussage entschlagen".

Die sieben mutmaßlichen Wilderer wurden auf freiem Fuß angezeigt. Herbert Sieghartsleitner, Landesjägermeister in Oberösterreich, übt heftige Kritik daran, dass zahlreiche Bewohner im Salzkammergut der Wilderei immer noch etwas Heroisches und Heldenhaftes abgewinnen. "Jede Rechtfertigung ist für uns unverständlich und absolut verwerflich. Es handelt sich um eine kriminelle Tat. Jeder hat heutzutage die Möglichkeit, eine Jagdprüfung abzulegen", sagt Sieghartsleitner.

Die Wilderei als Kulturerbe zu bezeichnen, sei grotesk. "Was vor 100 Jahren Tradition war, hat heute keine Rechtfertigung mehr. Die Menschen leiden heute nicht mehr an Hunger, um sich Nahrung beschaffen zu müssen", so Sieghartsleitner. Nicht nur das Ausmaß der Abschüsse sei erschreckend, auch der Umstand, dass "die Menschen in der Region aus Angst vor den Tätern noch schweigen".

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