SN-SERIE: 100 JAHRE REPUBLIK

1919 - "der Rest ist Österreich"

Der Friedensvertrag von St. Germain wird im klein gewordenen Österreich als Todesstoß empfunden. Kaum jemand glaubt an die Überlebensfähigkeit der jungen Republik, die meisten träumen vom Anschluss an Deutschland.

Staatskanzler Karl Renner (Mitte) nach der Entgegennahme der Friedensbedingungen in St. Germain. SN/ullsteinbild/picturedesk
Staatskanzler Karl Renner (Mitte) nach der Entgegennahme der Friedensbedingungen in St. Germain.

Ob Georges Clemenceau, der französische Ministerpräsident, den Satz jemals gesagt hat, ist unbekannt. Gepasst hätte er jedenfalls: "Der Rest ist Österreich."

Denn der Friedensvertrag von St. Germain, der Österreich 1919 diktiert wird, zerstückelt die einst stolze Donaumonarchie bis zur Unkenntlichkeit. Aus dem Vielvölkerreich mit 50 Millionen Einwohnern wird ein Kleinstaat von 6,5 Millionen. Tschechien, Galizien, Kroatien, Dalmatien, Triest, der Zugang zum Meer - das alles und noch viel mehr ist plötzlich weg. Selbst die deutschsprachigen Gebiete in Böhmen und Südtirol, auf die man bis zuletzt gehofft hat, gehen verloren.

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