Österreich

20.000 Euro für den "schönsten Tag"

Geht es ums Heiraten, ist den Österreichern offenbar nichts zu teuer. Das beschert einem Berufszweig einen wahren Aufschwung, der noch vor Jahren unbekannt war: Weddingplaner.

20.000 Euro für den "schönsten Tag" SN/APA
Eine Hochzeit kann teuer werden.  

80 Hochzeitsplaner gibt es österreichweit, Tendenz stark steigend. Mittlerweile bietet selbst das Wifi eine eigene Ausbildung - und die wird regelmäßig gestürmt. "Viele haben freilich eine falsche Vorstellung von dem Job", sagt Angela Lindner, Wifi-Kursleiterin und selbst Wedding-Angel. "Der Berufsalltag ist nicht wie bei Jennifer Lopez", meint sie mit Hinweis auf den gleichnamigen Hollywood-Erfolg. Romantik pur biete die Hochzeitsvorbereitung nicht - von der Location-Auswahl über Torten-Verkostung bis zur Kleidanprobe. Aber die Erfüllung, Paaren zu dem wirklich schönsten Tag ihres Lebens zu verhelfen.

Dass die Österreicher dafür bereit sind, Geld auszugeben, zeigen die Zahlen: Im Schnitt 20.000 Euro lasse sich ein Paar seine Hochzeit kosten. "Und da geht’s nicht nur um die Reichen im Lande, sondern auch um die Friseurin und den Fabriksarbeiter, die lange gespart haben." Immer weniger Hochzeiten, dafür immer aufwendiger, laute der Trend. Gab es laut Statstik Austria 1950 österreichweit 60.000 Hochzeiten, sind es heute weniger als 38.000. Und: Die Paare werden immer älter. Die Folge: Brautpaare haben mehr Geld - und der Einfluss von Brauteltern und Kirche verblasst.

Wirklich reich werden könne man als Weddingplaner dennoch nicht, sagt Lindner. "Aber mit Spucke und Geduld ganz gut davon leben." Darauf hofft auch Birgit Schinagl. Die Salzburgerin hat sich vor drei Monaten als Weddingplanerin selbstständig gemacht. "Vielleicht war’s der 30. Geburtstag, der mich dazu gebracht hat, mein Leben noch mal zu überdenken." Den gut bezahlten Bürojob hat sie an den Nagel gehängt. "Das schöne ist, jetzt wirklich Zeit für Kunden zu haben - selbst wenn das heuer noch nicht das große Geld bringt." Die erste große Hochzeit hat sie bereits. Ja, und dann noch die eigene: "Mein Freund hat mir im März einen Antrag gemacht." Ob da vor lauter fremden Hochzeiten noch Lust auf die eigene bleibt? "Klar, ich freu mich für jede Braut, die so glücklich ist wie ich."

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