Österreich

2016 brachte überdurchschnittlich viele Erdbeben

Im Jahr 2016 registrierte die ZAMG weltweit rund 10.000 seismische Ereignisse - darunter auch die Atomtests in Nordkorea. 1250 Erdbeben gab es in Österreich.

Die verspürten Erdbeben in Österreich im Jahr 2016. Die meisten gab es in Tirol. Doch die ZAMG registrierte auch Erdstöße von Atomtests in Nordkorea. SN/zamg
Die verspürten Erdbeben in Österreich im Jahr 2016. Die meisten gab es in Tirol. Doch die ZAMG registrierte auch Erdstöße von Atomtests in Nordkorea.

Das Jahr 2016 brachte in Österreich relativ viele Erdbeben, die von der Bevölkerung gespürt wurden. "Wir haben heuer zu 70 Erdbeben Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen, 61 davon hatten das Epizentrum in Österreich", sagt Seismologe Helmut Hausmann von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), "das ist deutlich über dem Durchschnitt der letzten 16 Jahre mit etwa 46 verspürten Beben pro Jahr."

Kein Trend zu mehr Erdbeben erkennbar

Ein langfristiger Trend zu immer mehr Beben lasse sich aber nicht beobachten, sagt Seismologe Hausmann: "Die Zahl der gefühlten Beben in Österreich schwankt von Jahr zu Jahr stark. Denn tektonisch ruhige Phasen wechseln sich von Zeit zu Zeit mit aktiveren Perioden ab. 2015 und 2014 zum Beispiel gab es nur zwischen rund 40 und 50 verspürten Beben, 2013 waren das dagegen rund 70."

Serien für hohe Bebenzahl verantwortlich, kaum Schäden

Der Grund für die vielen in Österreich gemessenen und verspürten Beben im Jahr 2016 waren einige Bebenserien im Osten und Westen. "Alleine während der Erdbebenserie bei Seefeld wurden acht Beben von der Bevölkerung verspürt", sagt ZAMG-Experte Hausmann, "bei der Serie bei Alland sieben, und die Serie bei Klösterle brachte sechs spürbare Beben."

Die Erdbeben im Jahr 2016 verursachten in Österreich nahezu keine Schäden. Nur bei den zwei am stärksten spürbaren Beben des Jahres (bei Alland am 25. April und bei Klösterle am 31. Jänner) wurden vereinzelt leichte Risse im Verputz oder abgesplitterte Verputzteile gemeldet, aber keine strukturellen Gebäudeschäden.

Rund 8000 Rückmeldungen aus der Bevölkerung

2016 gab es auch überdurchschnittlich viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Rund 8000 Wahrnehmungsberichte sind über das Online-Wahrnehmungsformular der ZAMG eingelangt. "Der Grund für die zahlreichen Rückmeldungen ist neben der hohen Bebenzahl sicher die Tatsache, dass einige Beben auch in den großen Städten spürbar waren," sagt Seismologe Hausmann, "alleine beim Erdbeben in Alland (NÖ), das im Raum gesamten Wiener Raum spürbar war, bekamen wir rund 4700 Meldungen. Das Beben bei Fulpmes (Stubaital) war auch in Innsbruck spürbar und brachte rund 1400 Meldungen aus der Bevölkerung."

Die Daten der Rückmeldungen geben Auskunft über die Stärke der Fühlbarkeit von Erdbeben und ermöglichen die Ermittlung des Intensitätsgrades auf der Europäischen Makroseismischen Skala. Der Österreichische Erdbebendienst bedankt sich bei der Bevölkerung für die zahlreichen Meldungen.

Die meisten Erdbeben in Tirol

Die mit Abstand meisten gefühlten Erdbeben, nämlich 24, ereigneten sich in Tirol. An zweiter Stelle liegt Niederösterreich mit 15 spürbaren Ereignissen. In der Steiermark und in Vorarlberg gab es heuer sieben gefühlte Erdbeben, fünf ereigneten sich in Oberösterreich, zwei in Kärnten und eines im Burgenland. In Kärnten gab es auch 2016 wieder deutlich weniger Erdbeben als im langjährigen Durchschnitt.

Darüber hinaus wurden in Österreich vier Erdbeben aus der Region Mittelitalien, zwei Ereignisse aus der Schweiz sowie jeweils eines aus Deutschland, Slowenien und Liechtenstein wahrgenommen. Diese Beben waren in Österreich durchwegs relativ schwach zu spüren.

Verheerendes Beben in Mittelitalien und Atomtests in Nordkorea

Unter den rund 10.000 Erdbeben, die das Messnetz der ZAMG weltweit registrierte, waren auch die schweren Erdbeben in Mittelitalien. Seit 24. August 2016 wurden von der ZAMG in Mittelitalien über 1500 Beben gemessen. Rund 50 davon hatten eine Magnitude zwischen 4 und 5, fünf Beben wiesen Magnituden größer 5 auf.
Am 6. Jänner und am 9. September 2016 registrierte die ZAMG seismische Signale aus Nordkorea. Die Signale waren laut Angaben der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) Atomtests. Die seismischen Wellen dieser Explosionen erreichten Österreich nach rund 11 Minuten.

Die Atomraketentests in Nordkorea waren auch in Österreich messbar. SN/apa (afp)
Die Atomraketentests in Nordkorea waren auch in Österreich messbar.

Die ZAMG ist Teil des weltweiten Kontrollnetzes zur Überwachung des Verbots von Kernwaffentests, das von der CTBTO organisiert wird. Die CTBTO ist die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization) und hat ihren Sitz im Vienna International Centre in Wien.

Das waren die stärksten Erdbeben in Österreich im Jahr 2016

  • Fulpmes, 15. Jänner 2016: Ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 3,0 wurde am 15. Jänner um 21:43 Uhr MEZ von zahlreichen Personen im Tiroler Inntal, im Stubaital und im Wipptal verspürt. Das Epizentrum lag nördlich von Fulpmes. Es gingen etwa 1400 Meldungen über das Online-Wahrnehmungsformular ein, davon stammten etwa 600 aus Innsbruck. Das Beben wurde besonders in höheren Stockwerken zum Teil kräftig verspürt. In Einzelfällen wurde von umgefallenen Gegenständen berichtet. Die Intensität erreichte 4-5° auf der Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98).
  • Erdbebenserie in Klösterle, 31. Jänner bis 13. März 2016: Im Raum Klösterle in Vorarlberg wurden in den ersten drei Monaten des Jahres insgesamt sechs Erdbeben verspürt. Das erste und zugleich stärkste ereignete sich am 31. Jänner um 23:43 Uhr MEZ mit einer Magnitude von 3,6. Es konnte von vielen Personen im Klostertal, Paznauntal, Montafon und im Kleinwalsertal zum Teil kräftig verspürt werden. In Einzelfällen wurden leichte Risse im Verputz gemeldet. Die Intensität erreichte 5° auf der EMS-98.
    Am 6. Februar wurde um 16:37 Uhr das erste spürbare Nachbeben mit einer Magnitude von 2,5 und einer Intensität von 3 Grad beobachtet. Nach zwei sehr schwach verspürten Beben folgte am 17. Februar um 21:17 Uhr wieder ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 3,0, das besonders in Klösterle, Wald am Arlberg und Dalaas von vielen Personen wahrgenommen wurde. Die Intensität betrug 4 Grad auf der EMS-98.
    Den Abschluss dieser Serie bildete ein Nachbeben der Magnitude 2,5 am 13. März um 21:00 Uhr, das ebenfalls deutlich von der Bevölkerung verspürt wurde.
    Alland, 25. April 2016
  • Das Beben bei Alland im Wienerwald, das am 25. April mittags um 12:28 Uhr weite Teile Ostösterreichs erschütterte, war mit einer Magnitude von 4,1 das stärkste Erdbeben des Jahres in Österreich. Beim Erdbebendienst der ZAMG langten knapp 5000 Meldungen über das Online-Wahrnehmungsformular und per Telefon ein. Die Erschütterungen im Bereich des Epizentrums waren so heftig, dass sich viele Menschen ängstigten. Vereinzelt fielen kleine, wenig standfeste Gegenstände wie etwa Vasen um. Fallweise wurden leichte Gebäudeschäden wie Haarrisse im Verputz und abgesplitterte Verputzteile festgestellt. Auch in Wien konnte man ein leichtes Schwanken vor allem in höheren Stockwerken spüren. Die Epizentralintensität erreichte 5 Grad auf der EMS-98. Das Hauptbeben wurde von 58 Vor- und Nachbeben in den folgenden Tagen und Wochen begleitet, von denen aber nur ein Vorbeben und drei Nachbeben von der Bewohnern leicht verspürt wurden.
  • Erdbebenserie bei Seefeld, 22. bis 25. Juli 2016: Im Raum Seefeld - Zirl in Tirol wurden am 22. Juli zwischen 12:20 und 14:06 Uhr MESZ sechs Erdbeben von der Bevölkerung wahrgenommen. Das stärkste ereignete sich um 13:58 Uhr, hatte eine Magnitude von 3,2 und wurde mit einer Intensität von 4 Grad auf der EMS-98 deutlich verspürt. Die übrigen Beben wurden etwas schwächer wahrgenommen.
    Drei Tage später, am 25. Juli, folgte um 14:05 Uhr das kräftigste Beben dieser Serie. Bei einer Magnitude von 3,5 wurde eine Intensität von 4-5 Grad erreicht. Die Erschütterungen waren zum Teil erschreckend. Es wurde von umgefallenen Gegenständen berichtet. Zwei Minuten später folgte ein schwaches Nachbeben mit einer Magnitude von 2,3. Diese Serie wurde von 127 schwachen, nur instrumentell registrierten Erdbeben begleitet.
  • Mittelitalien, 24. August, 26. Oktober und 30. Oktober 2016: Die Gebirgsregion des zentralen Apennins wurde in der zweiten Jahreshälfte von einer Serie von schweren Beben heimgesucht, die insgesamt 298 Todesopfer und knapp 400 Verletzte forderte. Schwere Schäden waren in zahlreichen Gemeinden im Grenzgebiet der Regionen Latium, Umbrien, Marken und Abruzzo zu beklagen.
    Die Erdbebenserie wurde durch den schweren Erdstoß (Magnitude 6,0) am 24. August um 03:36 Uhr MESZ eingeleitet. Das Epizentrum lag zwischen den mittelalterlichen Bergdörfern Accumoli und Amatrice. Zwei Monate später, am 26. Oktober um 19:10 und 21:18 Uhr erschütterten Beben der Magnituden 5,4 und 5,9 die Region um Visso. Das stärkste Erdbeben der Serie war das Beben bei Norcia am 30. Oktober um 07:40 Uhr MEZ, das eine Magnitude von 6,5 aufwies. Wieder lagen ganze Ortschaften in Trümmern. In Norcia, dem Heimatort des Heiligen Benedikt, stürzte die Kathedrale von Santa Maria Argentea ein. "Arquata gibt es nicht mehr", sagte Alessandro Petrucci, der Bürgermeister der kleinen Ortschaft angesichts der weitgehenden Zerstörung.
    Die Erdbeben in Italien wurden ebenfalls in Österreich aufgezeichnet. SN/berthold schmid
    Die Erdbeben in Italien wurden ebenfalls in Österreich aufgezeichnet.

    Mit den seismischen Stationen des Erdbebendienstes der ZAMG wurden seit 24. August über 1500 Beben der Serie in Mittelitalien registriert. Etwa 50 Beben hatten eine Magnitude zwischen 4 und 5, fünf Beben wiesen Magnituden größer 5 auf.
    Vier der stärksten Beben der Serie wurden auch in Österreich mit einer maximalen Intensität von 3-4 Grad (EMS-98) verspürt. In insgesamt 360 Wahrnehmungsformularen wurden die Auswirkungen in Österreich beschrieben. Vor allem aus Südkärnten und dem Inntal langten viele Formulare ein. Besonders in hohen Stockwerken waren die Erschütterungen durch ein langsames Schwanken und ein deutliches Pendeln von Lampenschirmen zu beobachten. Auch in Wien wurde das Beben vereinzelt in Hochhäusern bemerkt.

(SN)

Aufgerufen am 13.12.2017 um 08:27 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/2016-brachte-ueberdurchschnittlich-viele-erdbeben-569437

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