Österreich

24-Jähriger nach Übergriff auf Passanten in Wien in U-Haft

Über den 24-jährigen Mann, der am Donnerstag in Wien-Leopoldstadt mehrere Passanten attackiert hatte, ist am Samstag die U-Haft verhängt worden. Das gab Staatsanwaltssprecherin Nina Bussek der APA bekannt. Der Fall löste Diskussionen aus, da unter den Opfern Menschen jüdischen Glaubens waren. Dass die Übergriffe antisemitisch motiviert waren, konnte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen.

Ein antisemitischer Hintergrund wurde nicht bestätigt SN/APA (Gindl)/BARBARA GINDL
Ein antisemitischer Hintergrund wurde nicht bestätigt

Ermittelt wird wegen gefährlicher Drohung und schwerer Körperverletzung. Den ersten Übergriff mit einer leichten Körperverletzung hat der Mann bereits am Mittwoch verübt. Einen antisemitischen Hintergrund gab es hier nicht. Am Donnerstag attackierte der offenbar psychisch beeinträchtigte Mann erst eine 37 Jahre alte Frau, anschließend einen Kippa-Träger. Zur Untersuchung des Mannes wurde ein Sachverständiger für Psychiatrie bestellt.

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), sprach unterdessen gegenüber mehreren Tageszeitungen neuerlich von einem antisemitischen Übergriff. "Das war reinster Antisemitismus und sorgt für eine allgemeine Verunsicherung innerhalb der Gemeinde", meinte Deutsch etwa in der "Kronen Zeitung". Der Mann sei vor einem koscheren Restaurant gezielt auf Menschen losgegangen, die eine Kippa getragen haben. "Wir können uns das nicht gefallen lassen. Jeder in Österreich ist gefragt, klare Zeichen zu setzen, dass Angriffe auf Juden ein absolutes No-Go sind."

Antisemitische Vorfälle hätten zuletzt in Österreich generell zugenommen. Von der Politik forderte Deutsch in der "Kleinen Zeitung" deshalb eine Debatte über Fehler und Lösungen in der Integrationspolitik. "Lange Zeit haben die Parteien der Mitte hier nur zugeschaut. Man muss über muslimischen Antisemitismus ebenso wie über rechtsextremen diskutieren. Auch die Dämonisierung Israels, in allen Kreisen, speziell aber unter Linken, ist ein Problem, weil es nichts anderes als Antisemitismus ist, der als 'political correct' daherkommt", so Deutsch. "Es ist wichtig, dass die Politik klarer macht, dass Angriffe auf Juden oder auch Moslems nicht toleriert werden", betonte der IKG-Präsident in der Tageszeitung "Österreich".

Die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) übte am Samstag ebenfalls Kritik an der Attacke auf jüdische Bürger in Wien. "Obwohl die Staatsanwaltschaft Wien nach derzeitigen Stand nicht von einem antisemitischen Hintergrund ausgeht, verurteilen wir als islamische Glaubensgemeinschaft Übergriffe, die sich gegen religiöse Minderheiten richten", sagte IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun.

"Der Sachverhalt und das Tatmotiv müssen freilich noch geklärt werden. Ich möchte den Opfern aber jedenfalls mein aufrichtiges Mitgefühl äußern", schrieb Olgun am Abend in einer Stellungnahme an die APA. "Die IGGÖ setzt sich aktiv für den Dialog mit allen Religionen und Bevölkerungsgruppen ein. Für uns steht fest: Gewalt gegen Menschen, vollkommen egal ob sie religiös oder nicht religiös sind, ist entschieden abzulehnen."

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