Österreich

48-jährige Corona-Patientin verstorben, Zahl der Infektionen steigt

Eine Frau, die am Coronavirus erkrankt ist, soll bereits am Sonntag in Heimquarantäne verstorben sein. Der Altersgipfel bei den Infizierten liegt zwischen 45 und 54 Jahren. Mehr als 1000 Personen sind bundesweit infiziert, zudem beträgt der Zeitraum bis zur Verdoppelung der Covid-19-Fälle aktuell drei Tage. Die Hotspots sind weiterhin Tirol und Oberösterreich.

In Wien ist eine erst 48 Jahre alte Frau in der Nacht auf Sonntag in Covid-19-Heimquarantäne verstorben. Die Tote wurde Sonntagfrüh von Familienangehörigen aufgefunden, sagte Andreas Huber, Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien, der APA und bestätigte damit einen Bericht der "Kronen Zeitung"

Die Verstorbene wird zunächst nicht offiziell als viertes österreichisches Covid-19-Todesopfer geführt, denn ein Obduktionsergebnis liegt noch nicht vor und die Todesursache steht daher nicht fest, sagte Huber. Vorerst sei auch unklar, ob es bei der Patientin Vorerkrankungen gegeben hatte.

"Wenn sich ein Gesundheitszustand gezeigt hätte, der eine Spitalsversorgung notwendig gemacht hätte, wäre sie in einem Spital gewesen", betonte der Sprecher. Die 48-Jährige hatte sich nach einem positiven Testergebnis auf das neuartige Coronavirus in häuslicher Quarantäne befunden.

Infizierten-Zahl verdoppelt sich aktuell in drei Tagen

Am Montagvormittag wurde der dritte Todesfall aus der Steiermark gemeldet. Eine Patientin aus einem Hartberger Seniorenheim, die unter Vorerkrankungen litt, erlag der Erkrankung. In Österreich ist die Zahl der nachweislich mit dem neuen Coronavirus infizierten Personen am Montag (Stand: 15.00 Uhr) erstmals auf mehr als 1.000 Personen (1.016) gestiegen. Der Zeitraum der Verdoppelungen beträgt somit aktuell drei Tage. Die Fälle, aufgeteilt nach Bundesländern: Niederösterreich (152), Wien (128), Steiermark (139), Tirol (254), Oberösterreich (202), Salzburg (58), Burgenland (10), Vorarlberg (55) und Kärnten (18). Die größte Gruppe unter den Infizierten sind die 45- bis 54-Jährigen mit 232 Patienten, gefolgt von den 55- bis 64-Jährigen mit 143. 82 Erkrankungen gab es bei den 65- bis 74-Jährigen, 47 unter den 75- bis 84-Jährigen und zehn bei den über 85-Jährigen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will die Zuwachskurve von derzeit 36 Prozent Neuansteckungen pro Tag auf "20, auf 15 auf zehn Prozent" herunterbringen. Das sagte er in der ORF-TV-Sendung "Konkret" am Montagabend. China, Singapur und Japan seien "gute Beispiele", was drastische Maßnahmen bringen können. Ende der Woche will die Regierung evaluieren, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichen.

Positive Fälle in Spitälern und Pflegeheime

Positiv getestet wurden unter anderen eine Anästhesistin am Wiener AKH und eine Pflegemitarbeiterin des Sozialzentrums Altach. Als Konsequenz stehen sämtliche 33 Heimbewohner für zwei Wochen unter Quarantäne, sie sind bisher symptomfrei. Unter welchen Umständen sich die AKH-Ärztin mit dem Coronavirus infiziert hat, war Gegenstand der Untersuchungen. Das Contact tracing, also die Ermittlung von Kontaktpersonen, war im Gange.

Keine Quarantäne, aber ein Besuchsverbot verhängte das Kuratorium der Wiener Pensionistenwohnhäuser über seine Einrichtungen. Und es gab auch einen Corona-Fall: In einem Haus in Döbling wurde eine Covid-19-Infektion gemeldet. Eine Heimhilfe war positiv getestet worden. Bewohner waren vorerst nicht infiziert. Sieben von ihnen wurden unter Quarantäne gestellt. Auch in Steiermarks Pensionistenheimen wurde der Besucherzustrom stark eingeschränkt

Ausgangsbeschränkungen traten in Kraft

Am Montag traten zahlreiche Restriktionen in Kraft. So gab es umfangreiche Ausgangsbeschränkungen. Auf der Straße sein sollte nur, wer auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit nach Hause war und nicht im Home-Office arbeiten konnte, wer Einkäufe zu erledigen hatte und wer sich die Beine vertreten wollte. Dies sollte tunlichst in gebührendem Abstand zu anderen Menschen erfolgen.

Die Polizei kontrollierte punktuell. So waren letztlich deutlich weniger Menschen auf den Straßen. Die Restriktionen dürften sich zumindest in der Wiener Innenstadt noch nicht bei allen Touristen herumgesprochen haben.

Auch der Wiener Prater schloss seine Pforten aufgrund der aktuellen Maßnahmen, teilte die Prater Wien GmbH mit. Der Prater könne und möchte seinem Motto "Im Prater ist immer was los" zum derzeitigen Zeitpunkt nicht gerecht werden, hieß es. Die Schließung wurde vorerst bis 22. März angeordnet.

Unterdessen sind am ersten Tag ohne regulären Unterricht aufgrund des Coronavirus nur wenige Kinder in die Schulen gekommen. An den Volksschulen, AHS-Unterstufen, Neuen Mittelschulen (NMS) und Sonderschulen, wo Betreuung angeboten wird, geht man laut Bildungsministerium davon aus, dass nur rund fünf bis sieben Prozent der Schüler anwesend waren. Ähnliches galt für die Kindergärten. Auch an den Universitäten finden bis inklusive Ostern keine Lehrveranstaltungen mehr statt.

Seit Montagnachmittag sind alle Gastronomiebetriebe für zumindest eine Woche geschlossen. Diese Maßnahme soll dann evaluiert werden, von einer Verlängerung ist wohl auszugehen. Geschlossen wurden auch Geschäfte, die nicht für die Versorgung mit unmittelbar wichtigen Gütern, also Lebensmittel für Mensch und Haustier, Drogerieprodukte, Arzneimittel, Hygieneartikel und dergleichen, notwendig sind.

Aufgrund der Corona-Krise wird in Wien die Kurzparkzonen-Regelung aufgehoben. Das Auto-Abstellen ohne Parkschein bzw. Anrainerpickerl ist ab Dienstag möglich, teilte die Stadtregierung am Montagnachmittag mit. Auch die maximale Abstellzeit muss bis auf weiteres nicht beachtet werden. Anrainer-und Behindertenparkplätze sowie Ladezonen, Halte- und Parkverbote gelten aber weiterhin.

Für die Ausstellung von Rezepten genügt unterdessen ab sofort ein Anruf beim Arzt und dieser übermittelt es per E-Mail oder Fax an die vom Patienten gewählte Apotheke. Diese Vereinfachung wegen der Coronavirus-Krise verspricht eine "schnelle und unbürokratische" Arzneimittelversorgung, betonte die Apothekerkammer.

Österreicher wurden aus dem Ausland zurückgeholt

Eine Rückholaktion für Österreicher im Ausland wird zunächst in Marokko gestartet. Es folgen Mauritius, die Malediven, Teneriffa und Kapstadt, kündigte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) an. Er sagte, 30.000 österreichische Touristen seien in rund 100 Ländern, verteilt über den ganze Globus, unterwegs. "Und man muss wissen, dass nicht jede Destination von uns angeflogen werden kann", betonte Schallenberg in der ORF-ZiB um 17.00 Uhr.

Das Forscherteam um Niki Popper von der TU Wien und dem TU-Spin-Off dwh ist optimistisch, dass sich der Effekt der Maßnahmen mit Ausgangsbeschränkungen, Geschäfts- und Restaurantschließungen sowie Schulschließungen schon Ende dieser Woche zeigen könnte. "Donnerstag oder Freitag" nannte Popper als Zeithorizont, zu dem sich die Maßnahmen in den Simulationsberechnungen seines Teams auswirken könnten.

Flugverkehr kommt fast zum Erliegen

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Reisen zwingt Fluggesellschaften weltweit zu drastischen Einschnitten. So stellen die Austrian Airlines am Donnerstag und die Wiener Ryanair-Tochter Laudamotion bereits am Montag ihren regulären Flugbetrieb ein.

Behörden und Ämter im Minimalbetrieb

Die Behörden und Ämter in den Ländern laufen seit Montag ebenfalls im Minimalbetrieb. Der Parteinverkehr wurde überall stark reduziert. Landesbedienstete wurden zum Teil angewiesen zu Hause zu bleiben, Bürgerservicestellen blieben bisweilen überhaupt geschlossen. Auch der Betrieb in den Gerichten wurde auf das Notwendigste beschränkt.

Zivildiener werden gesucht

Zivildiener, die derzeit ihren Dienst versehen, werden dies länger tun müssen, wie die für den Zivildienst zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (beide ÖVP) Sonntagnachmittag erklärten. Zusätzlich sind ehemalige Zivildiener aufgerufen, sich freiwillig für den Dienst in der Coronakrise zu melden - vor allem suche man nach ehemaligen Zivildienern aus den Bereichen Rettung und Pflege. Bei freiwilliger Meldung gibt es dann auch eine gesetzlich festgelegte Entschädigung, die sich am gegenwärtigen Einkommen bemisst.

Infokampagne auch für Migranten

Das Integrationsministerium und der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) dehnen die Info-Kampagne zum neuen Coronavirus für Menschen mit Migrationshintergrund aus. Neben den Informationen in elf Sprachen arbeite man an Erklärvideos. Zudem sollen tausende Info-SMS direkt an in Österreich lebende Menschen mit Migrationshintergrund verschickt werden.

Post stellt normal zu, aber keine Geldsendungen

Die österreichische Post stellt weiterhin zu, allerdings sind die Postler angehalten, den Kontakt bei der Zustellung komplett zu vermeiden. Pakete werden - mit Einverständnis - vor der Tür abgelegt, Sendungen mit Wert oder Nachnahme müssen in einem Kuvert oder einer Filiale bezahlt werden. Beim Handelsverband rechnet man in den kommenden Tagen und Wochen mit vermehrten Online-Bestellungen.

Quelle: APA

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