Dämmerungseinbrüche

50 Einbrecher packten aus - wie man sich vor ihnen schützen kann

50 Einbrecher haben ihre Tipps verraten: Sie gingen selbst den Weg des geringsten Widerstands.

Auf der Suche nach Beute SN/AA+W - stock.adobe.com
Auf der Suche nach Beute

In den Wintermonaten haben Einbrecher besonders leichtes Spiel. Die Dämmerung setzt schon am späteren Nachmittag ein, während die meisten Berufstätigen noch in der Arbeit sind - das ist die ideale Zeit für Dämmerungseinbrüche.

Im Vorjahr ist zwar die Zahl der Anzeigen bei Einbrüchen in Österreich um 16 Prozent zurückgegangen, jedoch sei von November bis Mitte Februar die Rate der Dämmerungseinbrüchen am höchsten.

Darauf machten der österreichische Versicherungsverband (VVO), das Bundeskriminalamt und das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) am Mittwoch in Wien aufmerksam.

"Einbrecher scheuen das Licht", sagte Othmar Thann, Direktor des KFV. So kann das Beseitigen von Angsträumen wie verwinkelten Eingängen und schlecht beleuchteten Ecken vor Einbrüchen schützen. Häuser mit Alarmanlagen und Sicherheitstüren werden von den Tätern gemieden. Doch: "Attrappen erkennen die meisten." Eine Vertrauensperson, die bei Abwesenheit nach dem Rechten sieht und den Postkasten entleert, leistet wertvolle Dienste. "Wenn Ihnen vorkommt, dass irgendetwas nicht stimmt, nehmen Sie Kontakt mit der Polizei auf", riet Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamtes.

Das Verschließen des Wohnraumes ist auch aus versicherungstechnischen Gründen wichtig. "Sonst sind die Versicherungsträger von der Leistung befreit", sagte Hartwig Löger, Vizepräsident des VVO. Die durchschnittlichen Schäden von Einbrüchen belaufen sich auf rund 2.000 Euro. Vor allem gut zugängliche Gegenstände, die leicht kompatibel, transportierbar und zu verstecken seien - etwa Bargeld und Handys - werden gestohlen.



50 Einbrecher wurden zum Interview gebeten

Ziel von Einbrechern sind vor allem Objekte an Verkehrsadern, und zwar wegen der einfachen Fluchtmöglichkeit. Dies ergab eine vom KFV durchgeführte Täterstudie. Dafür wurden 50 verurteilte Einbrecher interviewt, 150 Polizeiakten untersucht und Experteninterviews von Februar bis August 2017 geführt.

Auch Häuser am Siedlungsrand, ungeschützte Häuser und verwinkelte Hauseingänge sind gefährdet. Wohnungen in den unteren oder oberen Stockwerken werden bevorzugt. "Täter gehen den Weg des geringsten Widerstands", sagte Thann.

Gekippte Fenster, unverschlossene Wohnungstüren und Hausschlüssel unter Blumentöpfen würden zu Einbrüchen einladen. "Wir reden hier nicht von einer Viertelstunde, sondern von Minuten, in denen ein Einbruch von statten geht."

Immer wieder ist das Aufbrechen von Türen oder Fenstern nicht notwendig: Einige Täter berichteten, dass sie immer wieder auf Objekte stoßen, bei welchen Türen und Fenster nicht abgeschlossen sind. Offene Türen und Fenster und herumliegendes Werkzeug laden geradewegs zum Einbruch ein.

Das wenig überraschende zentrale Ergebnis: Einbrecher wählen in der Regel den Weg des geringsten Widerstands.

Der überwiegende Teil der Einbrecher sucht Objekte per Zufallsprinzip aus und verfolgt vorrangig das Ziel, unter möglichst geringem Aufwand möglichst rasch "Beute" zu machen.

Es wird nach kleineren Wertgegenständen gesucht und mit einfachem Werkzeug (am häufigsten werden Schraubenzieher eingesetzt) gearbeitet - oder überhaupt erst direkt am Tatort nach offen herumliegenden Gegenständen, wie etwa einer Leiter, gesucht.

Die bevorzugte Vorgehensweise, um in ein Wohnobjekt zu gelangen, ist das Aufbrechen einer Tür oder eines Fensters. Zumeist sind die Täter dabei nicht auf sich allein gestellt, sondern agieren in kleineren Gruppen von zwei bis vier Personen.

Im Jahr 2016 wurden 12.975 Einbrüche angezeigt, das ist ein Rückgang von 16 Prozent im Vergleich zu 2015. Gleichzeitig stieg die Zahl der abgebrochenen Einbrüche. Im Vorjahr wurden bereits 40 Prozent der Einbrüche vorzeitig beendet, 2000 waren es noch 23 Prozent. Im Schnitt wurden 35 Einbrüche pro Tag verübt.

Wie kann man sich schützen?

Schon mit ein wenig Eigeninitiative und kleinen Veränderungen der Gewohnheiten können wertvolle Maßnahmen zum eigenen Schutz vor Einbruch getätigt werden. Häufig frequentierte Örtlichkeiten, gut einsehbare Grundstücke und Anzeichen, die auf die Anwesenheit der Bewohner hindeuten, wirken auf Einbrecher abschreckend. Eine der besten Abschreckungsmaßnahmen ist ein Hund. Weitere Tipps sind die Verwendung von Zeitschaltuhren in den Abendstunden und das Installieren einer Außenbeleuchtung.

Was die Ergebnisse der Täterstudie darüber hinaus auch ganz deutlich zeigen, ist die hohe Relevanz von Sicherungsvorrichtungen. So berichtet einer der Befragten: "Sicherheitstüren gehen schon schwer auf, dafür benötigt man richtig gutes Werkzeug. Wir hatten ja nur, was wir so gefunden haben." Ein weiterer Befragter sagt: "Wenn das Haus eine Alarmanlage hat, gehe ich weiter."

Die Polizei hat sich der Verhinderung des Dämmerungseinbruchs besonders angenommen. "Wir analysieren mittels spezifischer Analysesysteme laufend sich entwickelnde Kriminalitätshotspots in Österreich", erklärt der Direktor des Bundeskriminalamtes General Franz Lang. "In den Hotspots und rund um diese Zonen setzen wir dann Fahndungsmaßnahmen, die oft in Zusammenarbeit mit der dortigen Nachbarschaft zum Erfolg führen. " Diese Vorgehensweise hat sich in den letzten Jahren bewährt und die Zahl der Dämmerungseinbrüche konnte im Jahr 2016 im Vergleich zu den Vorjahren um ca. 20 Prozent gesenkt und zahlreiche Einbruchsserien geklärt werden. Aufgrund der sehr intensiven Tatortarbeit sind auf über 75 Prozent der Tatorte Spuren gesichert worden."

Die Polizei will auch die Menschen dazu motivieren, sie bei verdächtigen Beobachtungen zu verständigen. Niemand soll sich scheuen, die nächste Polizeidienststelle zu kontaktieren oder im Notfall 133 zu wählen.

Die polizeiliche Beratung ist kostenlos

Für spezielle Beratungen stehen die Spezialistinnen und Spezialisten der Kriminalprävention kostenfrei in ganz Österreich unter der Telefonnummer 059 133 zur Verfügung.

Quelle: SN, Apa

Aufgerufen am 23.10.2018 um 08:12 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/50-einbrecher-packten-aus-wie-man-sich-vor-ihnen-schuetzen-kann-20815783

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