Österreich

A4-Pannenstreifen ab Juli bei Stau teils für Verkehr frei

Ab Anfang Juli wird auf einem Abschnitt der A4 (Ostautobahn) der Pannenstreifen bei Überlastung freigegeben. "Die temporäre Freigabe des Pannenstreifens ist eine international bewährte Antwort auf die aktuellen Herausforderungen durch das steigende Mobilitätsbedürfnis", sagte Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) am Mittwoch.

Hofer sprach von einem "neuen Projekt" SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Hofer sprach von einem "neuen Projekt"

Die Teststrecke beträgt knapp vier Kilometer in Fahrtrichtung Ungarn zwischen der Simmeringer Haide und dem Knoten Schwechat. Hier kann bei Überlastung der Pannenstreifen als zusätzliche Fahrspur benutzt werden. Hofer verwies auf gute Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern wie Holland, Großbritannien oder Deutschland. Im deutschen Bundesland Hessen sei durch diese Maßnahme etwa ein Kapazitätsgewinn von bis zu 25 Prozent erzielt worden. Asfinag-Vorstandsdirektorin Karin Zipperer versprach sich "höhere Kapazität, weniger Staus und damit mehr Verkehrssicherheit".

Die Details laut Asfinag: Der Abschnitt wird von 27 neuen Webcams lückenlos erfasst. Vor jeder Freigabe erfolgt eine Sicherheitsüberprüfung durch die "Traffic Manager", das mobile Spezialteam der Asfinag. Erst danach gibt es "grünes Licht" - die Verkehrsmanagement Zentrale in Wien Inzersdorf schaltet die Anzeigen für die 3,8 Kilometer "frei".

Der geöffnete Pannenstreifen wird direkt darüber auf den elektronischen Überkopfwegweisern mit einem grünen Pfeil signalisiert - und weiters rechts neben der Fahrbahn durch das Anzeigen der dritten Fahrspur. Wenn diese  Anzeigen nicht aktiv sind, ist das Befahren des Pannenstreifens nicht erlaubt. Sobald die Verkehrsbelastung zurückgeht, sperrt die Asfinag den Pannenstreifen wieder. Im Bereich der Simmeringer Haide - also beim Beginn des freigegebenen Pannenstreifens - erscheint dann auf den Anzeigen ein gelb blinkender Pfeil.

Für die Lenker, die zum Zeitpunkt der Sperre bereits irgendwo weiter vorne auf dem Pannenstreifen unterwegs sind, ändert sich die Anzeige nicht - sie bleibt auf "grün". Damit will die Asfinag nicht notwendige, riskante Spurwechsel verhindern. Die Fahrt kann also bis Knoten Schwechat über den Pannenstreifen fortgesetzt werden. Nach der Räumphase erlischt jede Info. Der Pannenstreifen ist für den Fließverkehr wieder gesperrt.

Bei freigegebenem Pannenstreifen gilt - wie im Normalzustand - das auf den Überkopfanzeigen je nach Verkehrsdichte angegebene Tempolimit. Pkw dürfen jede der drei Spuren auf dem Abschnitt der A4 benützen. Nicht so Lkw: Die ganz linke Spur ist künftig etwas schmäler und nur Pkw vorbehalten, hier gilt dann ein Fahrverbot (wie in Baustellenbereichen) für überbreite Lkw.

Bei Pannen sollten Lenker das Auto nach Möglichkeit in einer der beiden neu errichteten Pannenbuchten abstellen, um den nachfolgenden Verkehr nicht zu behindern. Bei Pannen oder Unfällen wird der Pannenstreifen von der Zentrale Inzersdorf auch umgehend geschlossen. Die Rettungsgasse ist bei stockendem Verkehr genauso zu bilden wie auf Autobahnen und Schnellstraßen mit drei Fahrspuren: Die Fahrzeuge auf dem linken Fahrstreifen bleiben ganz links, die Fahrzeuge auf dem mittleren Fahrstreifen und auf dem Pannenstreifen (also der dritten Spur) ordnen sich rechts ein.

Gemischt haben die Autofahrerklubs am Mittwoch auf das Vorhaben reagiert, den Pannenstreifen auf einem Teilstück der A4 bei Überlastung für den Verkehr freizugeben. Während der ARBÖ die geplante Maßnahme grundsätzlich befürwortete, sah der ÖAMTC nicht nur Vorteile.

"Bei Überlastung einer Autobahn den Pannenstreifen freizugeben, ist keine neue Idee, allerdings bekommt sie im Zusammenhang mit dem EU-Ratsvorsitz Österreichs ab Juli dieses Jahres eine besondere Dringlichkeit", sagte Martin Hoffer, Chefjurist des ÖAMTC. "Damit wird einerseits die Kapazität verbessert, auf der anderen Seite opfert man den für die Sicherheit sehr wichtigen Pannenstreifen. Daher kann das nur dann stattfinden, wenn aufgrund der hohen Verkehrsdichte ein niedrigeres Tempo gefahren wird. Ein begleitendes Tempolimit wird unvermeidbar sein."

Abgesehen davon müssten in kurzen Abständen Pannenbuchten eingerichtet werden, um bei fehlendem Pannenstreifen doch noch eine Notabstellfläche zu haben. "Es müssen aber auch noch die nötigen Details geklärt werden, etwa wie die Bodenmarkierungen aussehen sollen und wie die Rettungsgasse gebildet werden soll", forderte der ÖAMTC-Chefjurist.

Der ARBÖ befürwortete das Vorhaben grundsätzlich. "Wenn es die Verkehrslage erfordert und die Sicherheit nicht gefährdet wird, ist die Öffnung der Pannenstreifen sehr zu begrüßen, da so notwendige Kapazitäten geschaffen werden, die sonst ungenutzt wären. Wir sehen dieses Vorhaben als positiv an", sagte ARBÖ-Generalsekretär Gerald Kumni. Dennoch dürfe ein derartiges Projekt nicht dazu führen, dass der Autobahnbau und Ausbau des hochrangigen Straßennetzes eingestellt wird.

Quelle: APA

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