Österreich

Anschober: "Großes internationales Interesse an unserer Corona-Ampel"

Gesundheitsminister Anschober sprach bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Covid-19-Lage in Österreich. Angesichts der jüngsten Infektionszahlen sehe man derzeit eine "Stabilisierung auf zu hohem Niveau".

"Wir haben vor wenigen Tagen drei unterschiedliche Prognosemodelle erstellt, wie sich die steigenden Zahlen entwickeln können", sagte Gesundheitsminister Anschober am Freitag zu Beginn der Pressekonferenz. "Wir haben jetzt eine erste erfreuliche Zwischenbilanz." Aktuell sehe man eine "Stabilisierung auf zu hohem Niveau". Laut Anschober gab es in den vergangenen 24 Stunden 684 Neuinfektionen bei insgesamt 20.409 Tests. Das seien "zu hohe Werte für diesen Zeitpunkt, aber nicht mehr diese Zuwächse, die wir bis 17., 18. September hatten", so Anschober. "Aber klar ist auch, dass wir mit den Zahlen runtermüssen. Denn Sie sehen es am Wetter: Jetzt beginnt die Phase, wo man sich im Innenbereich aufhält." Die jüngsten Verschärfungen würden sich Anfang Oktober in den Infektionszahlen niederschlagen.

Der Gesundheitsminister machte auch wieder Werbung für die Stopp-Corona-App: "In der aktuellen Situation würde ich wirklich empfehlen, diese App zu verwenden." Er hoffe, dass nach der ersten unglücklichen Debatte über eine mögliche Verpflichtung "diese App nun in die Breite geht, das würde die lokale Kontaktrückverfolgung zusätzlich entlasten", sagte Anschober.

Angesprochen auf die Gästeregistrierung, die ab Montag in der Wiener Gastronomie gilt, sagte Anschober: "Wenn die Stadt Wien Zusatzmaßnahmen überlegt, dann ist das gut." Auch die Regierung hatte vor wenigen Wochen im Entwurf des neuen Coronagesetzes eine solche Gästeregistrierung vorgesehen. Sie wurde aber aus Datenschutzgründen wieder gestrichen. "Das waren gravierende Bedenken aus dem Datenschutzrat. Wenn Wien die lösen kann, dann bin ich froh", sagte Anschober. Eine Alternative wäre eben die Corona-App.

Corona-Ampel als internationales Vorbild?

Lobende Worte fand Anschober auch für die umstrittene Corona-Ampel: "Es gibt großes internationales Interesse an unserer Ampel", sagte der Gesundheitsminister und bezog sich dabei auf Armin Laschet, den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen. Laschet hatte in einem Artikel des deutschen "Handelsblatts" von einer Corona-Ampel in NRW gesprochen und sie auch als Blaupause für eine deutsche Ampel vorgeschlagen. "Wir brauchen für ganz Deutschland ein standardisiertes Corona-Monitoring, das die Pandemieentwicklung kommunenscharf abbildet", sagte Laschet. Er stellte sich damit hinter den Vorschlag seines Corona-Expertenrats, der sich für ein Ampelsystem ausspricht. Als Beispiel nannte der Rat die Ampel in Österreich.

"Die Ampel wird immer wichtiger", sagte Anschober. Ein Vorbild sei sie, weil sie nicht nur die Infektionszahlen berücksichtige. "Es gibt ja auch in anderen Ländern Ampelsysteme, aber wir differenzieren besser."

Am Donnerstagabend hat die Coronakommission in ihrer Sitzung die Ampel für zehn weitere Bezirke auf Orange gestellt, weil sie dort ein hohes Infektionsrisiko sieht. Die niederösterreichischen Bezirke Gmünd, Melk und Waidhofen an der Thaya wurden dabei direkt von Grün auf Orange gestellt. Immer mehr Bezirke wurden auf Orange umgefärbt. Mittlerweile sind Krems Stadt, Wr.-Neustadt-Stadt, Gänserndorf, Korneuburg, Krems-Land, Landeck und Schwaz orange. Auch die Bundeshauptstadt Wien blieb orange.

Zwölf Bezirke, nämlich Güssing und Neusiedl am See im Burgenland, Scheibbs und Tulln in Niederösterreich, Ried im Innkreis in Oberösterreich, Hallein und Sankt Johann im Pongau in Salzburg, Leibnitz, Liezen, Murau und Hartberg-Fürstenfeld in der Steiermark sowie Kitzbühel in Tirol sind nun Gelb (mittleres Risiko) statt Grün (geringes Risiko).

Rekord bei Testungen

Einen deutlichen Rückgang gab es bei Patienten im Spital - von 463 am Donnerstag auf 411 am Freitag. Allerdings wies die Statistik drei Tote mehr auf - insgesamt 786 Covid-19-Patienten sind seit Beginn der Pandemie gestorben. Erstmals wurden innerhalb von 24 Stunden mehr als 20.000 Tests eingemeldet. Bisher gab es in Österreich 41.500 positive Testergebnisse.

Die Neuinfektionen im Schnitt der vergangenen sieben Tage betrug 691. Die meisten zusätzlichen Coronavirus-Infektionen verzeichnete erneut Wien mit 309. 4.479 aktive Fälle gab es somit am Freitag in der Bundeshauptstadt. Niederösterreich meldete 136 Neuinfektionen ein, 1.169 Personen sind aktiv infiziert. In Tirol kamen in den vergangenen 24 Stunden 62 Neuinfektionen hinzu, insgesamt sind somit 549 Menschen aktuell infiziert. Oberösterreich verzeichnete einen Zuwachs von 52 Fällen, 739 Menschen gelten als aktive Fälle.

Vorarlberg meldete 41 Neuinfektionen, was 455 aktive Fälle bedeutet. In der Steiermark kamen 39 Infizierte hinzu, 513 Personen sind somit derzeit SARS-CoV-2-positiv. Kärnten meldete 22 Neuinfektionen, womit 127 Menschen aktiv infiziert sind. In Salzburg kamen 15 Fälle hinzu, 247 Menschen gelten als aktiv infiziert. Das Burgenland meldete in den vergangenen 24 Stunden acht Neuinfektionen, 135 Personen sind somit aktive Fälle.

Österreichweit wurden seit Donnerstagvormittag 20.409 Tests in das Epidemiologische Melderegister (EMS) eingespeist - so viele wie noch nie zuvor seit Beginn der Pandemie. In den einzelnen Bundesländern waren die Zahlen - wie auch bisher - sehr unterschiedlich. Bis auf das Burgenland und Salzburg meldeten alle restlichen Bundesländer teil weit über 1.000 PCR-Tests ein.

In Wien waren es 5.684, in Niederösterreich 3.040, in Oberösterreich 2.564 sowie in Kärnten 2.444. In der Steiermark wurden in den vergangenen 24 Stunden exakt 2.000 Tests gemeldet, in Tirol 1.909 und in Vorarlberg 1.051. Im Burgenland kamen im Vergleich zum Donnerstag 908 Tests hinzu, in Salzburg waren es lediglich 809. Insgesamt wurden österreichweit seit Beginn der Pandemie 1.528.191 PCR-Untersuchungen durchgeführt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 24.11.2020 um 01:50 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/anschober-grosses-internationales-interesse-an-unserer-corona-ampel-93305980

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