Österreich

Arch-Tod überschattet Wien-Visite der Super Constellation

Die erste Wien-Visite der letzten mit Passagieren fliegenden Super Constellation hätte ein fröhliches Luftfahrtfest werden sollen. Doch bei der Ankunft am Freitag war die Stimmung mehr als nur gedrückt: Der verunglückte Top-Pilot Hannes Arch hätte Stargast des Events ein sollen. Die Veranstalter haben daraufhin sogar eine Absage erwogen.

Arch-Tod überschattet Wien-Visite der Super Constellation SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Super Flugzeug: Lockheed L-1049 Super Constellation in Wien.

Letztendlich habe man sich entschlossen, die Pressekonferenz und den anschließenden Rundflug doch durchzuführen, berichtete der heimische Breitling-CEO Peter Kellner. Die Uhrenmanufaktur ist Sponsor des von einem privaten Schweizer Verein getragenen Constellation-Projekts. Auch Ex-Skispringer Thomas Morgenstern reiste - mit eigenem Hubschrauber - zum Besuch der "Super Connie" an. Er war ein langjähriger Freund von Hannes Arch.

"Die Nachricht hat mich sehr mitgenommen", berichtete er im VIP-Terminal des Wiener Flughafens im Gespräch mit Journalisten. Als er in der Früh davon erfahren hat, habe er gedacht, es handle sich um einen schlechten Traum: "Für mich ist es immer noch unvorstellbar. Der Hannes war ein langjähriger Wegbegleiter. Das, was passiert ist, ist furchtbar und tragisch." Er hoffe, dass die Ursache des Unglücks rasch aufgeklärt werde. Es sei wichtig zu wissen, was passiert ist.

Beim kurzen Ausflug mit dem wohl elegantesten Airliner der Luftfahrtgeschichte durfte Morgenstern im Cockpit Platz nehmen - in dem mit den Piloten und den Technikern vier Personen tätig sind. Der Flieger mit dem nunmehrigen Kennzeichen HB-RSC und dem Namen "Star of Switzerland" wurde ursprünglich im Jahr 1955 an das US-Militär ausgeliefert. Die "Super Constellation Flyers Association" erstand die Maschine 2003. Seit 2004 ist sie in Basel stationiert. Sie ist eine von zwei noch flugtauglichen "Connies" - allerdings die einzige, die Passagiere mitnehmen darf.

Rund 100 Reisende fanden einst in dem viermotorigen Verkehrsflugzeug Platz. Inzwischen darf nur mehr rund die Hälfte mit. Der Aufwand, sie überhaupt in die Lüfte zu bringen, ist jedenfalls gigantisch, wie Kapitän Ernst Frei erläuterte. Im Winter werden vom Verein an die 8.000 Arbeitsstunden investiert, damit der Aeroplan im Sommer 80 Stunden in Betrieb sein kann: "Jede Firma, die das so macht, wäre längst pleite." Zu fliegen ist die Super Constellation aber relativ einfach, wie er versicherte.

Eingesetzt werde sie nun entgegen der ursprünglichen Intentionen von Howard Hughes, von dem das Design stammt. Der Milliardär wollte schnell und hoch unterwegs sein. Inzwischen fliege man - auf den diversen Rundflügen - jedoch niedrig und relativ kurz.

Auch die Gäste an Bord erleben ein völlig neues - oder eigentlich altes - Fluggefühl. Schon das Anlassen der monströsen Kolbenmotoren ist großes Kino, geht es doch mit Rumpeln, Rauch und Stichflammen einher. In der Kabine ist es deutlich lauter als in modernen Jets. Trotzdem fühlt man sich wie im siebenten Himmel: Die weichen Sitze und der schier unendliche Abstand zur Vorderreihe sind ein Luxus aus längst vergangen Tagen.

Quelle: APA

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