Österreich

Borkenkäfer sorgt in Wäldern von NÖ für "angespannte Lage"

Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf hat die Lage in den Wäldern des Bundeslandes als "angespannt" bezeichnet. Schuld daran sei der Borkenkäfer, der sich wegen der mit dem Klimawandel verbundenen langen Dürreperioden und hohen Temperaturen "dramatisch" ausbreite, wie der ÖVP-Politiker betonte. Gegengesteuert wird seitens des Landes mit dem Waldschutzprogramm.

Der Borkenkäfer breitet sich wegen dem Klimawandel rasant aus SN/APA/dpa/Roland Weihrauch
Der Borkenkäfer breitet sich wegen dem Klimawandel rasant aus

Pernkopf zufolge sind in Niederösterreich 2018 rund drei Millionen Festmeter Schadholz entstanden. Dabei handelt es sich um "Holz, das zum Schaden der Erzeuger niedrigpreisig verkauft werden muss", sagte der Landeshauptfrau-Stellvertreter am Dienstag bei einer Pressekonferenz in einem Waldstück nahe der Landwirtschaftlichen Fachschule Pyhra (Bezirk St. Pölten-Land). Zwei Drittel dieser drei Millionen Festmeter seien auf Borkenkäfer-Schäden zurückzuführen.

Auch heuer sei die Situation "genauso angespannt". Teilweise vermehre sich der Borkenkäfer aktuell mit bis zu vier Generationen pro Jahr. Besonders Fichtenwälder, die 37 Prozent der Fläche ausmachen, seien unter anderem aufgrund der Hitze und des fehlenden Niederschlags "leichte Beute" für den Schädling. "Natürlich ist es jetzt einfach zu sagen, dass Fichten in niedrigen Lagen nicht mehr gepflanzt werden sollen, und stattdessen auf Mischwälder gesetzt werden soll", sagte Pernkopf. Er gab jedoch zu bedenken, dass die betroffenen Bäume vor vielen Jahrzehnten nach "bestem Wissen und Gewissen" sowie auf "Empfehlung der Wissenschaft" gesetzt worden waren. "Hier hat niemand etwas falsch gemacht."

Der Schädlingskrise entgegenwirken möchte das Land mit dem 2018 ins Leben gerufenen Waldschutzprogramm. Bis inklusive Juni 2019 wurden Niederösterreichs Forstwirte in diesem Rahmen mit rund 5,3 Mio. Euro unterstützt. Etwa 1,7 Millionen Euro flossen Pernkopf zufolge in den Forstschutz. Damit seien rund 640 Hektar Wald gemulcht und 55.000 Festmeter Holz in Zwischenlager gebracht worden. Bereitgestellt wurden zudem 11.000 sogenannte Fangbäume für Borkenkäfer.

Mit den 3,6 Millionen Euro, die für die Wiederaufforstung bereitgestellt worden waren, sind "1.700 Hektar neuer Wald entstanden", rechnete der Landeshauptfrau-Stellvertreter vor. In beide Bereiche - Forstschutz und Wiederaufforstung - sollen nun weitere zwei Millionen Euro investiert werden.

Weil die Holzimporte bundesweit im Vorjahr um 20 Prozent auf 7,25 Millionen Festmeter gestiegen sind, richtete Pernkopf einen Appell an die Industrie: "Unterstützen wir heimische Waldbauern und kaufen wir das Holz vor der Haustüre, anstatt klimaschädliche Importe zu tätigen."

Niederösterreichs Landwirtschaftskammer-Präsident Johannes Schmuckenschlager schlug in eine ähnliche Kerbe: "Es ist nicht zulässig, dass die Holzwirtschaft weiterhin so stark importiert", sagte der ÖVP-Nationalratsabgeordnete bei der Pressekonferenz. Auch "aus der Perspektive der Klimaschädlichkeit des Transports" sei es besser, "bereits geschlägertes Holz kleinregional zu verwerten". Setze kein Umdenken ein, müsse überlegt werden "wie wir das regelpolitisch in den Griff bekommen", betonte Schmuckenschlager. Er zog dabei sogenannte Notwehr-Fahrverbote für Lkw nach Tiroler Vorbild in Betracht. Diese Maßnahmen werde die Landwirtschaftskammer "künftig auch einfordern".

Quelle: APA

Aufgerufen am 20.08.2019 um 05:08 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/borkenkaefer-sorgt-in-waeldern-von-noe-fuer-angespannte-lage-73189528

Kommentare

Schlagzeilen