Österreich

Brautpaare, bitte warten

Das Jawort könnte ab 1. November wochenlanges Warten auf neue Dokumente auslösen. Standesbeamte warnen wegen einer EDV-Umstellung vor chaotischen Zuständen.

Brautpaare, bitte warten SN/kzenon/fotolia
Nach dem Jawort kann es zu Wartezeiten kommen. 

Auf dem Standesamt im oberösterreichischen Lohnsburg befürchtet man, dass Hochzeiten platzen könnten. Im nicht weit entfernten Rüstorf wird gar empfohlen, wichtige Urkunden gleich vor dem 1. November ausstellen zu lassen.

Der Grund für die Vorsicht: Österreichs Standesämter stellen mit Stichtag 1. November 2014 ihre Computersysteme auf das Zentrale Personenstandsregister (ZPR) um. Darin werden Daten von 1500 Behörden zusammengeführt. Eigentlich sollte diese Datenbank bereits seit mehr als einem Jahr funktionieren. Der Start wurde aber nach verschiedenen Pannen mehrmals verschoben. Nun soll das System in

gut zwei Wochen in Betrieb gehen. Einwandfrei funktioniert es jedoch bis heute nicht. Standesbeamte warnen deshalb nun vor wochenlangen Verzögerungen und langen Warteschlangen. In einer Resolution fordern sie, dass das neue Computersystem erst später eingeführt wird.

Zur Erklärung: Durch das ZPR sollen künftig alle wichtigen Dokumente - von der Geburts- bis zur Sterbeurkunde - nicht nur beim jeweiligen Standesamt, sondern zentral gespeichert werden. In der Verwaltung soll dies zu Einsparungen führen und den Österreichern gleichzeitig Behördenwege ersparen. Wer zum Beispiel heiraten will, muss künftig nicht mehr die Dokumentenmappe auf das Standesamt schleppen.

Die Idee, die Daten zentral zu speichern, unterstützen viele Standesbeamte. Bloß an der Umsetzung hapere es gewaltig, sagt der Vorsitzende des Standesbeamten-Fachverbands Karlheinz Westermayer. "Die Idee ist gut, das Werkzeug ist schlecht. Derzeit schaut es leider so aus, dass zwar die einfachen Dinge funktionieren, viele andere Funktionen aber keinen ordnungsgemäßen Betrieb zulassen. Viele Kollegen überlegen sich, ob sie für Trauungen im November überhaupt Termine vergeben sollen. Denn wenn es so bleibt, kann ich zwar ein Brautpaar trauen, muss ihm aber leider sagen: Die Urkunde kommt 14 Tage später."

Die Dokumente brauchen die Bürger aber für andere Behördenwege. Werden sie verspätet ausgestellt, hat das Konsequenzen: Ohne Heiratsurkunde kann etwa kein neuer Pass mit geändertem Namen ausgestellt werden. Ohne Geburtsurkunde kann die Familienbeihilfe nicht beantragt werden. Ohne Sterbeurkunde verzögert sich die Auszahlung der Witwenpension.

Auch die Daten, die die verschiedenen IT-Dienstleister der Kommunen in den neuen, zentralen Datenpool eingebracht hätten, seien nicht immer korrekt angekommen, erzählt der steirische Standesbeamte Westermayer. "Zum Teil stimmen die Geburtsorte nicht. Ein Standesbeamter wollte eine Heiratsurkunde drucken. Der Mann war vorhanden, die Frau fehlte. Mitarbeiter können nicht sicher sein, ob die Daten in Ordnung sind."

Viele Standesbeamte seien zudem mit der Bedienung der neuen Software überfordert. Bei den Schulungen stürzte das Programm immer wieder ab. In Oberösterreich habe man 100 Standesbeamte unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken müssen. "Wir befürchten, dass auch im Echtbetrieb Serverabstürze auf der Tagesordnung stehen", erklärt Westermayer. Zudem sei das neue EDV-System kompliziert, die einzelnen Arbeitsschritte nähmen mehr Zeit in Anspruch. "Das sind die Gründe, warum wir noch einmal auf eine Verschiebung drängen, damit die Reparaturen erledigt werden. Wenn es in Betrieb geht, dann muss es zu 100 Prozent funktionieren. Sonst haben wir ein Chaos, und zwar mit sensiblen Daten. Wir sind nicht dagegen. Aber es muss funktionieren."

Dass ab November möglicherweise nicht alles reibungslos läuft, haben auch Politiker erkannt. SPÖ-Abgeordnete Angela Lueger und ÖVP-Abgeordneter Werner Amon haben eine Gesetzesänderung beantragt und schaffen somit die Möglichkeit, den Start erneut um ein halbes Jahr zu verschieben. Ein Totalausfall könne nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, man brauche deshalb ein Notszenario, so die Begründung. Auch wenn eine Verschiebung rechtlich möglich wäre: Am Termin hält man fest, erklärt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums. "Es gibt einige Herausforderungen. Wir gehen aber davon aus, dass wir die Probleme bis dahin lösen. Wenn sich zu dem Termin zeigt, dass es besser wäre zu verschieben, ist es möglich."

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