Österreich

Breite Front gegen Novelle zum Tierschutzgesetz

Betäubungslose Ferkel-Kastration, Anbindehaltung von Rindern und das Kupieren von Geflügelschnäbeln: Der Entwurf zur Novellierung des Bundestierschutzgesetzes ignoriere zentrale Anliegen und bringe nur minimalste Verbesserungen, haben Tierschutz-Vereine bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag in Wien kritisiert. Eine klare Verschlechterung sei das Schlupfloch bei der Katzen-Kastration.

Kritiker sehen Schlupfloch bei Katzen-Kastration.  SN/APA (dpa)/Tim Brakemeier
Kritiker sehen Schlupfloch bei Katzen-Kastration.

Das aktuelle Bundestierschutzgesetz stammt aus dem Jahr 2005, der vorliegende Entwurf zur Novellierung des Tierschutzgesetzes und der Tierhalteverordnung ist laut Martin Balluch vom Verein gegen Tierfabriken eine "Augenauswischerei", denn "alle Baustellen bleiben unberührt". Viele Punkte würden ignoriert, selbst ein einstimmiger Beschluss des Tierschutzrates vom vergangenen März zum Aussetzen gezüchteter Tiere als Jagdbeute habe bis dato keinen Eingang gefunden. Insgesamt rund 660 Stellungnahmen zum Begutachtungsentwurf wären laut Auskunft des Parlaments bis dato eingegangen, so Madeleine Petrovic vom Wiener Tierschutzverein (WTV). "Ein Rekord in der Geschichte des österreichischen Parlaments".

Zwischen März und Mai könnte das neue Gesetz in Kraft treten, bis dahin versuchen heimische NGOs, auf diverse Mängel hinzuweisen. Erbost zeigt man sich etwa darüber, dass weiterhin Stachelhalsbänder bei Polizeihunden, Anbindehaltung oder auch die Zucht von Niederwild zum Zweck der Bejagung erlaubt bleiben. In Deutschland etwa tritt ab 2019 ein Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration in Kraft, bemängelte Michel Hartl von United Creatures.

Der "massive Aufschrei der Bevölkerung" erfolge zurecht, denn das Papier schaffe unnötiges Tierleid, jeder könne sich selbst etwa als Katzen-"Züchter" registrieren. Bis zu dreimal im Jahr kann eine Samtpfote bis zu zehn Junge haben, Tausende werden Jahr für Jahr getötet oder ihrem Schicksal überlassen. Kümmern würde sich schon bisher nicht die Politik, sondern Institutionen wie der WTV, eigenen Angaben zufolge der älteste und größte Tierschutzverein Österreichs.

Österreichischer Tierschutzverein startete Petition

Auch der Österreichische Tierschutzverein startet eine Großoffensive gegen geplante Änderungen im Tierschutzgesetz. Die Petition "NEIN zum neuen Tierqualgesetz" haben in den ersten Tagen bereits Hunderte unterschrieben.

Der "Kurier" verwies in seiner Donnerstagsausgabe auf das geplante Verbot privater Tierinserate auf Online-Plattformen. Dazu habe das Gesundheitsministerium den Begriff "feilbieten" präzisieren müssen, der bisher nicht für das Inserieren im Internet angewendet wurde.

Die Grüne Tierschutzsprecherin Christiane Brunner unterstützte am Donnerstag in einer Aussendung die Kritik und warnte davor, die "Rolle des Vorreiterlandes in Sachen Tierschutz aufgeben". Sie forderte eine "komplette Überarbeitung" der Gesetzesnovelle.

"Team Stronach" Tierschutzsprecherin Ulla Weigerstorfer sieht hingegen Fortschritte, auch weil das Gesundheitsministerium auf Initiative ihrer Partei das bestehende Strafausmaß bei Tierquälerei von einem Jahr auf zwei erhöht habe. Aber: Es müsse mehr getan werden, zum Beispiel plädiert sie für ein absolutes Haltungs- und Verkaufsverbot von Hunde- und Katzenwelpen in Zoofachhandlungen.

Quelle: APA

Aufgerufen am 16.11.2018 um 10:42 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/breite-front-gegen-novelle-zum-tierschutzgesetz-346615

Schlagzeilen