Österreich

Corona-Ampel färbt weitere 21 Bezirke rot - Anschober appelliert: "Bleiben Sie in den Herbstferien zu Hause"

Österreich sieht rot - zumindest, wenn man auf die Karte der Corona-Ampel blickt. Das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, steigt somit in weiten Teilen des Landes. In Salzburg sind auch der Flachgau, Pinzgau und Pongau betroffen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte am Freitag in einer Pressekonferenz: "Die Situation ist sehr, sehr ernst."

Corona-Rot hat sich auf fast ganz Österreich ausgebreitet. Gesundheitsminister Rudolf Anschober appellierte abermals, die sozialen Kontakte einzuschränken. SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Corona-Rot hat sich auf fast ganz Österreich ausgebreitet. Gesundheitsminister Rudolf Anschober appellierte abermals, die sozialen Kontakte einzuschränken.

Es sei eine lange, intensive Sitzung gewesen, sagt Anschober am Freitag. Die Kommission, die jeden Donnerstag über die Schaltung der Corona-Ampel entscheidet, hat am Abend 21 weitere Bezirke auf Rot gestellt. Damit haben alle Bundesländer außer Wien und Kärnten Regionen mit der höchsten Risikostufe. Dazu kamen zahlreiche weitere Bezirke, die nun orange sind. Lediglich Hermagor in Kärnten und Linz Land haben nun mit Gelb statt Orange eine bessere Bewertung. In Salzburg wurden der Flachgau, der Pongau und der Pinzgau rot eingefärbt, der Tennengau war bereits rot.

Die Situation sei "sehr, sehr ernst", betonte Anschober. "Die Pandemie nimmt weltweit zu, wir sind noch nicht am Höhepunkt angelangt." Ein Drittel der Neuinfektionen käme aus Europa. Österreich liege in der Sieben-Tage-Inzidenz bei 134, ähnlich wie Italien aber deutlich höher als Deutschland oder Ungarn. Dieser Wert gibt die Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen an.

Spitalskapazitäten: "Haben noch Luft nach oben"

Das erklärte Ziel sei, den Lockdown zu vermeiden, bekräftigte der Gesundheitsminister. "Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen." Ein wichtiger Parameter für diese Einschätzung seien die Spitalskapazitäten. Ein Lockdown käme erst infrage "wenn wir vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems stehen."

Die rote Ampelschaltung weise jedoch keineswegs die Auslastung in den Spitalskapazitäten aus, sondern das Ansteckungsrisiko in den jeweiligen Regionen, stellte Daniela Schmid, Sprecherin der Corona-Kommission und Leiterin der Abteilung Infektionsepidemiologie der AGES, klar. Von den 2000 Intensivbetten in Österreich waren mit Stand 15. Oktober sechs Prozent mit Covid-Patienten belegt, am 22. Oktober acht Prozent. Bis 4. November soll Prognosen zufolge eine Auslastung von zwölf Prozent erreicht werden. "Der Trend geht nach oben, aber wir haben noch Luft nach oben", sagt Anschober. Es gebe demnach keinen Grund zu Panik.

Anschober: "Zu Halloween soll heuer nicht die Post abgehen"

Dennoch appellierte der Minister, in den Herbstferien nicht zu verreisen. "Bitte bleiben Sie zu Hause." Auch zu Allerheiligen am 1. November sei die Empfehlung, Kontakte zu vermeiden und Halloween, am 31. Oktober, soll seinen Worten nach heuer "nicht die Post abgehen". Feiern, vor allem mit Alkohol, sei derzeit nicht ratsam. So betonte auch Schmid: "Die Ansteckung erfolgt vielfach in der Freizeit. Feiern, gemeinsames Essen bis hin zum Storchaufstellen im Freundeskreis können Ansteckungsrisiken bergen." Daher sollten die sozialen Kontakte in der Freizeit - wo möglich - reduziert werden.

Abermals betonte Gesundheitsminister Anschober die Wichtigkeit der Hygiene- und Abstandsvorschriften, der Corona-App sowie der Testungen, die künftig schneller erfolgen sollen. Dass die neue Verordnung nun doch nicht am Freitag, sondern am Sonntag in Kraft tritt, liege Anschober zufolge daran, dass es sich um umfassende Eingriffe in Lebensbereiche vieler Menschen handle. Daher habe man entschieden, zwei Tage länger Zeit zu geben, damit sich die Menschen über die Sachlage informieren könnten. Die Opposition, allen voran SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, wirft der Regierung indes "Showpolitik" vor. Die Regierung solle zeitgleich mit ihrer Pressekonferenz auch den entsprechenden Verordnungstext auf den Tisch legen, fordert sie. Auch FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl ortet ein "Verordnungs- und Ampelchaos".

Bild: SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Ansteckung erfolgt vielfach in der Freizeit.
Daniela Schmid, Sprecherin der Coronakommission und Leiterin der Abteilung Infektionsepidemiologie der AGES.

Diese Bezirke wurden neu eingefärbt

Rot wurden demnach Neusiedl am See im Burgenland, in Niederösterreich St. Pölten Stadt, Amstetten (direkt von Gelb auf Rot gestellt), Bruck an der Leitha, Mödling und Tulln, in Oberösterreich Gmunden, Grieskirchen, Ried im Innkreis, Rohrbach, Schärding und Vöcklabruck, in Salzburg Salzburg Umgebung, St. Johann im Pongau und Zell am See, in der Steiermark Leoben und Voitsberg, in Tirol Imst, Landeck sowie Schwaz und in Vorarlberg die Region Rheintal/Walgau. Gegenüber der Vorwoche unverändert rot blieben die Bezirke Wels Stadt in Oberösterreich, Hallein in Salzburg sowie Innsbruck Stadt und Innsbruck Land in Tirol.

In weiteren 23 Bezirken ist die Risikoeinschätzung nunmehr hoch, die Ampel wurde daher neu auf Orange geschaltet. Dabei ging die Ampel für Lilienfeld (NÖ), Eferding (OÖ) und Südoststeiermark gleich von Grün auf Orange. Von Gelb auf Orange hochgestuft wurden Oberpullendorf im Burgenland, Klagenfurt Stadt in Kärnten, Melk und Neunkirchen in Niederösterreich, Braunau am Inn, Freistadt, Steyr Land und Urfahr Umgebung in Oberösterreich, Salzburg Stadt sowie Tamsweg im Bundesland Salzburg, Graz Stadt, Deutschlandsberg, Graz Umgebung, Leibnitz, Liezen, Weiz, Murtal und Hartberg-Fürstenfeld in der Steiermark sowie die Regionen Bregenzerwald/Kleinwalsertal und Montafon/Brandnertal in Vorarlberg. Gelb statt bisher Grün wurden Spittal an der Drau und Wolfsberg in Kärnten, Kirchdorf an der Krems in Oberösterreich sowie Lienz und Reutte in Tirol.

Die Pressekonferenz zum Nachschauen:



Quelle: APA

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