Österreich

Corona-Ampel wird noch röter

Ganz Österreich bleibt Corona-Höchstrisikozone. Die zuständige Kommission hat am Donnerstag die Ampel für alle Bundesländer einstimmig wieder auf rot gestellt, wurde der APA aus dem Gremium berichtet. Sämtliche Bundesländer weisen über die vergangenen zwei Wochen einen steigenden Trend bei den Infektionszahlen auf, womit sie sich weiter von der orangen Zone des immerhin auch hohen Risikos entfernen. Am besten hält sich noch die testfreudige Bundeshauptstadt.

Katharina Reich, Hüterin der Corona-Ampel SN/APA/FLORIAN WIESER/FLORIAN WIESE
Katharina Reich, Hüterin der Corona-Ampel

Langsam eng wird es auch auf den Normalstationen. Gemäß Prognose werden im Burgenland in zwei Wochen bereits 18 Prozent der Betten Covid-spezifisch belegt sein. Zweistellige Prozentwerte werden überall außer in den drei westlichen Bundesländern und in Oberösterreich erwartet. In sämtlichen Bundesländern geht man von einer Steigerung des Belags aus.

Das hängt wohl auch damit zusammen, dass in der Gruppe der besonders gefährdeten älteren Personen die Infektionszahlen stark steigen, nämlich bei den Über-65-Jährigen zuletzt um 30 Prozent. Über alle Gruppen hinweg lag das Plus bei 28 Prozent.

Dass die Situation in den Spitälern langsam dramatisch wird, war nach Angaben von Sitzungsteilnehmern auch in der Ampel-Kommission bei der heutigen Sitzung das Haupt-Thema. Vertreter des Gesundheitsministeriums schlossen nicht aus, dass die Politik schon in den kommenden Tagen Maßnahmen daraus ableiten könnte. Die meisten Bundesländer berichteten nämlich von einer zunehmend angespannten Situation, durch mehr Erkrankte und Personalausfälle. Einzelne Bundesländer nannten auch schon Probleme an Intensivstationen. Die Gesundheit Österreich GmbH geht davon aus, dass die Zahlen auch die kommende Woche weiter steigen werden.

Sehr viele zum Zeitpunkt der Testabnahme noch asymptomatische Infizierte gefunden werden wohl weiter in Wien. Immerhin 69 Prozent der Fälle gehören in der Bundeshauptstadt in diese Gruppe. Zum Vergleich: In Kärnten sind es sechs Prozent. Allerdings werden in Kärnten auch nicht einmal 42.000 Tests auf 100.000 Einwohner in der Woche gemacht, in Wien nutzt man das noch vorhandene Angebot dagegen ausgiebig mit fast 137.000 auf 100.000 Einwohner. In Kärnten waren dann auch 6,5 Prozent der durchgeführten Tests positiv, in Wien nur zwei Prozent. Die höchste Positivitätsrate weist mit 8,6 Prozent Salzburg auf.

Anzunehmen ist, dass die Zahl der gefundenen Infektionen mit der Reduktion der Tests ab April automatisch nach unten geht. Noch schlägt sich das Infektionsgeschehen aber auf der Ampel in sattem Rot nieder. Ab 100 beginnt die Höchstrisikozone und kein Bundesland ist auch nur in der Nähe des Werts. Wien verschlechterte sich diese Woche von 122,3 auf die Risikozahl 170,2 und ist damit noch immer weit von den anderen Ländern entfernt. Den zweitbesten Wert hat Niederösterreich mit 338,9. Am schlechtesten steht aktuell das Burgenland mit 410,1 da.

Indes ist aus dem - der APA vorliegenden - Protokoll der Kommissionssitzung zu entnehmen, warum man in der Sitzung vergangene Woche die ursprüngliche Empfehlung, Präventionsmaßnahmen wieder einzuführen, wieder revidiert und in einer zweiten Abstimmung durch einen abgeschwächten, allgemeinen Rat ersetzt hat. Die Begründung liest sie einigermaßen eigenwillig.

Argumentiert wird damit, dass die Information über die Empfehlung aus dem Gremium an Medien gegangen sei. Dies stelle eine "unzulässige Instrumentalisierung" der Kommission dar: "Um dieser Instrumentalisierung sowie allfälligen Kommunikationsproblemen im Kontext mit der medialen Berichterstattung entgegen zu wirken, werden von der Vorsitzenden die Empfehlungen nochmals aufgerufen und die bestehende Formulierung in Frage gestellt, sowie ein alternativer Formulierungsvorschlag eingebracht, der nach eingehender Diskussion sowie nochmaliger Unterbrechung zur Abstimmung gebracht wird", heißt es im vorläufigen Protokoll des von Chief Medical Officer Katharina Reich geleiteten Gremiums. Bei dieser zweiten Abstimmung gab es sechs Enthaltungen, beim ursprünglichen schärferen Text nur eine. Letzteres wird im Protokoll freilich nicht vermerkt.

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