Österreich

Corona: Gegen jede Etikette - wie sollen wir uns noch grüßen?

Vom "Wuhan Shake" mit den Fußspitzen bis zum Ellbogencheck: Es haben sich bereits kreative Alternativen gefunden, um einander nicht mehr die Hände zu reichen. Eine Knigge-Expertin klärt auf, welche Grußformel dieser Tage angemessen ist.

Vom Händeschütteln wird derzeit abgeraten. SN/BilderBox
Vom Händeschütteln wird derzeit abgeraten.

Der deutsche Minister Horst Seehofer (CSU) ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Treffen mit ausgestreckter Hand stehen. Prinz Charles und der französische Präsident Emmanuel Macron wählten die indische Grußformel Namaste, um ihr Gegenüber zu begrüßen. Dabei werden die Innenhandflächen zusammengeführt und und der Kopf leicht gebeugt. Und auch der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen verzichtet derzeit auf den Handshake. Das Coronavirus zwingt uns, etablierte Gewohnheiten wie das Händereichen vorerst zu unterlassen.

Alternativen werden gesucht

Das Coronavirus hat unseren Alltag längst auf den Kopf gestellt. Die Bevölkerung ist angehalten, ihre sozialen Kontakte so weit als möglich einzuschränken. Erhöhte Händehygiene und Sicherheitsabstand stehen daher auf der Tagesordnung. Doch wie gehen wir mit dieser Distanz um? "Die Menschen sind es gewohnt, zur Begrüßung die Hand zu geben", sagt Elisabeth Motsch, Expertin für Etikette und Stil. Das Händeschütteln sei derart in unserer Kultur verankert. "Es ist ein Zeichen des Willkommens, ein offenes Zugehen auf das Gegenüber", sagt die Knigge-Expertin. "Nun suchen die Menschen Alternativen."

Im Netz haben sich längst Fotos und Videos vom "Wuhan Shake" verbreitet. Hier berühren einander lediglich die Fußspitzen links und rechts und simulieren das Bussi links, Bussi rechts auf Corona-Art.

Der "Fist Bump" - also Faust an Faust - sowie der Ellbogencheck sind ebenfalls beliebte Grußformen dieser Tage. Zuletzt grüßte Prinz Harry seinen Vater mit dem Ellbogen in der Öffentlichkeit.

Ellbogencheck für den Chef nicht angemessen

Aber sind diese Formen im geschäftlichen Bereich angemessen? "Im Moment gibt es kein Richtig oder Falsch", sagt Elisabeth Motsch. "Den Chef würde ich nicht mit dem Ellbogen begrüßen, aber im privaten, freundschaftlichen Bereich ist es eine nette, lockere Geste." Und Namaste? Die Grußformel, die vor allem von Personen mit hinduistischem Glauben praktiziert wird, wählte nicht nur Emmanuel Macron, auch andere greifen darauf zurück. Motsch zufolge sei dieser Gruß wertschätzend, müsse aber zum Typ passen. "Weniger esoterisch wäre es, die Hand aufs Herz zu legen und den Kopf leicht zu neigen. Das heißt: Ich grüße dich."

Weigerung klar kommunizieren

Man solle niemanden wortlos mit ausgestreckter Hand stehen lassen, sagt Elisabeth Motsch. "Wichtig ist, aufeinander zuzugehen und von Beginn an klar zu kommunizieren, dass man nicht die Hand reicht." So vermeide man unangenehme Situationen. Auch sie selbst gebe derzeit nicht die Hand. Sie halte sich an die aktuell geltenden Hygienemaßnahmen.

Aber die Etikette ist nicht vollends außer Kraft gesetzt. Generell sollte man beim Husten oder Niesen die Hand vorhalten. Anstatt in die Armbeuge zu niesen, sei aus hygienischen Maßnahmen das Taschentuch vorzuziehen, sagt die Expertin. Zudem sollten die Distanzzonen eingehalten und im besten Falle erweitert werden: "Im Normalfall hält man eine halbe Armlänge Abstand beim Gruß. Derzeit ist es ratsam, noch einen Schritt zurückzugehen", sagt Elisabeth Motsch. Auch Kindern solle man erklären, wie sie sich aktuell verhalten sollten. "Generell gilt: Alt grüßt Jung. Kinder sollten aber nie dazu gezwungen werden, die Hand zu reichen, wie das oftmals in unserer Erziehung geprägt wurde."

Elisabeth Motsch, Stil- und Etiketteberaterin. SN/sabine starmayr
Elisabeth Motsch, Stil- und Etiketteberaterin.

Corona könnte sich langfristig auf unser Verhalten auswirken

Expertinnen und Politikerinnen gehen davon aus, dass das Coronavirus noch länger unseren Alltag bestimmen wird. Könnte das eine langfristige Auswirkung auf unser Grußverhalten haben? "Ich glaube, dass die Menschen nach dieser Zeit durchaus kritischer werden", sagt Motsch. Beispielsweise was den Körperkontakt bei Erkältungen betreffe. "Es könnte die Menschen dafür sensibilisieren, hygienische Maßnahmen vermehrt einzuhalten, wenn sie krank sind."

Das Händeschütteln werde aber nicht aus unserem Kulturraum verschwinden, versichert die Etikette-Expertin: "Der Großteil wird, nachdem das Virus uns nicht mehr im Griff hat, auch wieder zum Normalzustand zurückkehren."

Aufgerufen am 27.11.2021 um 08:53 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/corona-gegen-jede-etikette-wie-sollen-wir-uns-noch-gruessen-84786352

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