Österreich

Corona in den Bergen: Das Gipfelbussi muss ausfallen

Die Schutzhütten öffnen wieder. Das Virus verändert aber auch das Wandern und Bergsteigen. Auf den Hütten ist deutlich weniger Platz als früher, ohne Reservierung wird's schwierig.

Auch beim Wandern muss der Mindestabstand zueinander eingehalten werden.  SN/alpenverein/ n. freudenthaler
Auch beim Wandern muss der Mindestabstand zueinander eingehalten werden.

Der Urlaub in den Bergen könnte dieses Jahr die Alternative zu Strand und Meer werden. Allerdings: Auch beim Wandern und Bergsteigen bleibt man von den Auswirkungen der Coronakrise nicht verschont. So nehmen mit 29. Mai zwar die meisten Schutz- und Berghütten wieder ihren Betrieb auf, allerdings unter verschärften Bedingungen. Darauf weist der Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartografie des Österreichischen Alpenvereins, Peter Kapelari, hin. Das beginnt damit, dass auf den Schutzhütten Übernachtungen reserviert werden müssen. "Wer diese nicht hat, muss damit rechnen, dass er abgewiesen wird", sagt er. Zusammenrücken gehe nicht mehr. Der Platz in den Hütten sei durch die Corona-Abstandsregeln begrenzt. So dürfe etwa im Bettenlager wahrscheinlich nur jedes vierte Bett belegt werden, sagt er. Außerdem müssten die Besucher einen Hüttenschlafsack und einen Kopfpolsterbezug mitnehmen.

"Die Bettwäsche nach jeder Übernachtung zu waschen geht nicht", erklärt Kapelari. Dafür fehlen auf den Hütten das Wasser oder die Waschmaschinen. Und in den Stuben und auf den Terrassen gelten dieselben Auflagen wie in normalen Gasthäusern, also nur vier Personen an einem Tisch und wenn man den Raum betrete oder verlasse, müsse man Gesichtsmasken tragen. "Für die Pächter wird das wirtschaftlich auf jeden Fall eine finanziell schwierige Situation", sagt Kapelari.

Aber der beschränkte Platz in den Hütten wird sich auch auf manchen Gipfeln bemerkbar machen. Vor allem auf jenen, für deren Besteigung vorher eine Nacht in der Hütte notwendig ist. Etwa auf Österreichs höchstem Berg, dem Großglockner. Viele Bergsteiger übernachteten vorher in der Adlersruhe. Wenn dort aber weniger Leute schlafen können, machen sich am nächsten Tag auch weniger zum Gipfel auf. Aber die neue Normalität auf den Bergen fordert auch den Wanderern und Bergsteigern selbst einiges ab. "Touren müssen noch sorgfältiger und defensiver geplant werden", sagt Kapelari. Dadurch sollte das Unfallrisiko minimiert werden.

Bergungen aus alpinen Notsituationen sind für Bergretter in Zeiten von Corona eine schwierige Angelegenheit, weil ja auch sie die notwendigen Schutzmaßnahmen einhalten müssen. Außerdem belastet jeder Unfall die Krankenhäuser, die sich zum einen vom Coronabetrieb erst langsam wieder auf den Normalbetrieb umstellen müssen. Zum anderen müssen Tausende geplante Operationen nachgeholt werden. Auch gehört diesen Sommer ein Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel auf jeden Fall in den Rucksack und auch beim Wandern sollte Abstand gehalten werden. Was auf schmalen Steigen oder in den Klettersteigen oft gar nicht so einfach einzuhalten ist.

Aber auch altbekannte Rituale sollte man dieses Jahr auf den Bergen besser unterlassen. Zum Beispiel das Händeschütteln, wenn man den Gipfel erreicht hat, oder das Gipfelbussi. Auch die Trinkflasche anderen anzubieten ist tabu. Und für Fahrgemeinschaften vor einer Bergtour gilt es ebenfalls im Auto Masken zu tragen.

Aufgerufen am 29.05.2020 um 06:40 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/corona-in-den-bergen-das-gipfelbussi-muss-ausfallen-87898744

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