Österreich

Corona-Strategieplan: Vier Szenarien als Leitfaden für den Herbst

Im Gesundheitsministerium ist der Entwurf für einen "Variantenmanagementplan" entstanden. Die Impfpflicht ist nicht vom Tisch.

 SN/APA/dpa/Sebastian Gollnow

Ob die derzeit ausgesetzte Impfpflicht heuer wieder in Kraft gesetzt wird, wird davon abhängen, mit welcher Variante oder welchen Varianten es Österreich nach dem Sommer zu tun bekommt. Das ist aus Aussagen von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) zu schließen. Er präsentierte am Freitag die Eckdaten des Entwurfs für einen sogenannten Variantenmanagementplan. Gedacht ist er als Handlungsanleitung für die Politik, um nicht zum dritten Mal von Infektionswellen im Herbst und Winter "überrascht" zu werden.

Erarbeitet wurde das Papier mit Hilfe von mehr als 80 Expertinnen und Experten. Vier mögliche Szenarien wurden darin entworfen - sozusagen von ideal bis katastrophal - und mit Vorschlägen für die jeweiligen Konsequenzen versehen. Nun wird es der Gecko-Kommission und der Impfpflicht-Kommission vorgelegt, danach finalisiert.

Szenario 1

... ist der Idealfall: Covid-19 entwickelt sich zu einer "normalen" respiratorischen Infektionskrankheit. Folge: keine Einschränkungen im wirtschaftlichen und sozialen Leben.

Szenario 2

... geht von der positiven Annahme aus, dass Corona durch die zunehmende globale Immunität zu weniger schweren Erkrankungen führt, also in etwa wie bei Omikron zwar hochansteckend, aber selten gefährlich ist. Folge: Einschränkungen in bestimmten Situationen und an bestimmten Orten (Alten- und Pflegeheime, Spitäler etc.).

Ab Szenario 3

... wird es ungemütlich. Die Annahme lautet: Es kommt noch jahrelang zu Ausbrüchen immer neuer Varianten, die wieder zu mehr schweren Erkrankungen und Hospitalisierungen führen. Zugleich wird angenommen, dass aktualisierte Impfstoffe weiterhin einen guten Schutz gegen die meisten schweren Verläufe bieten, sodass eine Überlastung des Gesundheitssystems vorwiegend vom Immunitätsstatus der Bevölkerung (geimpft, genesen) abhängt. Folge: Die immer neuen Wellen führen zu "weitreichenden Einschränkungen" des gesellschaftlichen und sozialen Lebens.

Szenario 4

... geht schließlich von der Horrorannahme aus: Was kommt, ist so ansteckend wie Omikron und noch gefährlicher als Delta, hebelt womöglich den Impfschutz aus und verstärkt so die Dynamik der Pandemie zusätzlich. Folge: "starke Einschränkungen" im Alltag.

Die Frage, ob ein Szenario auch die Wiederinkraftsetzung der Impfpflicht bewirken würde und wenn ja, welches, beantwortete Rauch so: "Ja natürlich gibt's ein Szenario, bei dem die Impfpflicht scharf gestellt wird." Sie bleibe aber ein "Notinstrument", vorher werde man alles daransetzen, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die Impfung sehr wohl wirkt. Ja, die Schutzwirkung vor einer Infektion lasse relativ schnell nach, die Impfung schütze aber vor Spitalsaufenthalten und vor Long Covid. Die Zeit für Impfkampagnen "von oben" sei abgelaufen, die Kampagnen müssten nun "von unten" kommen. Und so oder so müsse es gelingen, möglichst viele Menschen ab Ende August zur Impfung zu bringen, um den Immunschutz aufzubauen oder aufrechtzuerhalten.

Katharina Reich, Generaldirektorin für Öffentliche Gesundheit, kündigte in diesem Zusammenhang an, dass es noch vor dem Sommer eine Empfehlung für die vierte Impfung für die Allgemeinheit geben werde. Und: Pfizer und Moderna dürften bis Herbst mit ihren an die Omikron-Varianten angepassten Impfstoffen fertig sein.

Eine Fülle von Aspekten fließe in die Planungen für den Herbst ein, versicherte der Gesundheitsminister: Sie reichten von der Beseitigung des Datenchaos übers Testen, ein besseres Kontaktpersonenmanagement, den Umgang mit Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen, die Impfstoffbeschaffung, die "niederschwellige" Verteilung von Medikamenten gegen Corona und Therapieangebote für Menschen, die unter Long Covid leiden oder psychisch angeschlagen sind, bis hin zu einer klaren politischen Kommunikation.

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