Österreich

Corona-Vorsorge in Österreichs Spitälern gesichert, Masken für alle Tiroler

Die Zahl der corona-infizierten Österreicher steigt weiter an. Bis Donnerstag 9.30 Uhr haben sich 6000 Menschen angesteckt. 42 Todesfälle sind bisher bestätigt. Das unter Quarantäne stehende Land Tirol plant unterdessen noch weiter reichende Maßnahmen als bisher.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter sagte am Donnerstag zu den aktuellen Fällen in seinem Bundesland: "Von den 1593 Coronavirus-Positiven befinden sich 166 Patienten in Spitalsbehandlung. 38 von ihnen befinden sich in Intensivstationen, gestern waren es noch 26. Heute werden 33 Patienten künstlich beatmet, gestern waren es 19. Allein daran sieht man die Steigerungsraten."

Besonders krass ist der Fall des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern in Zams im Bezirk Landeck. 39 der 58 Bewohnerinnen sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Ordenshaus der Barmherzigen Schwestern - Eigentümer des Zammer Krankenhauses - sei bereits seit 15. März isoliert, die Infektion dürfte aber schon zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt sein, teilte das Krankenhaus am Donnerstag mit.

"Der Verlauf ist bei den meisten Schwestern ein milder. Es besteht derzeit bei keiner die Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Betreuung", erklärte Schwester Barbara Flad, Sprecherin des Ordens der Barmherzigen Schwestern Zams. Sieben Schwestern wurden aufgrund ihrer allgemeinen Pflegebedürftigkeit auf die Isolierstation des Krankenhauses verlegt.

Das Mutterhaus Zams ist Träger des Ordensspitals St. Vinzenz Zams. Mit Ausnahme der negativ getesteten Schwester Barbara Flad sind keine Schwestern mehr im Krankenhausbetrieb tätig oder zugegen. Das Wohnhaus der Schwestern liegt rund 500 Meter vom Krankenhaus entfernt. Es besteht kein physischer Transfer zwischen Ordenspersonal und Krankenhauspersonal. Der Bezirk Landeck ist österreichweit jener Bezirk mit den meisten Corona-Infizierten.

Das Land Tirol hat mittlerweile drei Millionen Schutzmasken bestellt, die bis zum April ausgeliefert werden sollen. Alle in Krankenhäusern und Pflegeheimen tätigen Menschen sowie auch alle in mobilen Pflegediensten tätigen Menschen werden mit Masken ausgestattet. Beim Land Tirol ist zudem daran gedacht, die gesamte Bevölkerung (751.000 Menschen) mit Stoffmasken auszustatten. Diese Masken können zwei bis drei Stunden verwendet werden, müssen vor ihrer Wiederverwendung aber in die Kochwäsche.

Alle 279 Tiroler Gemeinden befinden sich unter Quarantäne. Diese Maßnahme gilt bis mindestens 13. April. Das gilt auch für die unter Sonderquarantäne stehenden, völlig isolierten Skiorte im Paznauntal, St. Anton, St. Christoph und Sölden.

Krankenhäuser sind gerüstet

Österreichs Krankenhäuser sind nach aktuellem Wissenstand (und aktuellem Patientenaufkommen) für die Corona-Epidemie gerüstet. Das sagte Gesundheitsminister Anschober am Donnerstag: "Bis zu 35.000 Patienten könnten mit den derzeitigen Kapazitäten intensivmedizinisch behandelt werden. Derzeit haben wir noch 50 Prozent freie Kapazitäten im Intensivbereich sowie auf den Normalstationen. Dazu kommen weitere Reservebetten für mildere Fälle."

Große Mengen an Schutzmaterial für das medizinische Personal (Überschuhe, Überkleidung, Desinfektionsmittel) sollten im Lauf des Donnerstag in Österreich eintreffen. Anschober: "Wir konnten das am internationalen Markt erwerben, da gibt es mittlerweile ein Ringen um diese Materialien."

Köstinger: "Unsere Infrastruktur hat den Stresstest bestanden"

Angefangen von der Lebensmittelversorgung bis hin zur Paketzustellung per Post - die letzten Tage hätten bewiesen, dass die Infrastruktur in Österreich auch unter den gegebenen Herausforderungen einwandfrei funktioniere. Das bestätigte die Bundesministerin für Landwirtschaft Elisabeth Köstinger (ÖVP) in einer Pressekonferenz am Donnerstag. 10.000 Mitarbeiter der Post seien tagtäglich im Einsatz. "Postämter bleiben weiterhin geöffnet, auch jene, die zuvor von Schließung betroffen gewesen wären", sagte Köstinger. Da die Mehrzahl der Geschäfte geschlossen hätte, appellierte die Bundesministerin, in Onlineshops der regionalen Läden ums Eck einzukaufen anstatt Onlineriesen zu unterstützen.


Auch die Datennetzte hätten den Stresstest überstanden, sagt Köstinger: "Wir hatten eine massive Belastung der Netze, vor allem bei Telefonaten aber auch im Datenverkehr war eine Zunahme von 40 Prozent zu verzeichnen." Köstinger zog Resümee: "Die Netze halten und sind äußerst stabil. Das ist für die Bevölkerung aber auch für die Wirtschaft essenziell." Der Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G wird allerdings bis nach der Coronakrise verschoben. Die für April geplante Versteigerung werde nicht vor dem Sommer stattfinden.

Zudem verwiesen die drei großen Mobilfunkunternehmen Österreichs (A1, Drei und Magenta) auf den Nutzen anonymisierter Bewegungsdaten von Handynutzern zur Eindämmung des Coronavirus. A1-Chef Thomas Arnoldner und Magenta-Chef Andreas Bierwirth sagten, dass sie bereits solche Daten zur Verfügung stellen. Drei ist laut Chef Jan Trionow in Gesprächen darüber und bekennt sich ebenfalls zur Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme. Ein Rückschluss auf einzelne Nutzer sei "denkunmöglich". Aber mit anonymisierten und zusammengefassten Daten könne man sehen, wie wirksam die Verkehrsbeschränkungen seien und besser vorhersagen, wo die nächsten Infektionswelle bevorstehe.

Gewessler: "Niemandem wird Strom, Gas, Wärme abgedreht"

Eine gute Nachricht hatte auch Klimaschutz- und Energieministerin Leonore Gewessler: Gemeinsam mit den österreichischen Energieversorgern sei man übereingekommen, dass niemandem, der seine Heizung nicht pünktlich zahlen kann, Strom, Wasser oder die Heizung abgedreht werde. "Wir lassen in Österreich niemanden zurück", sagte sie. Die Einigung gelte für Haushaltskunden, die wegen Quarantänebestimmungen nicht zahlen können sowie für Einpersonenunternehmen und Kleinunternehmen, die Liquiditätsprobleme haben.

Menschen in finanziellem Notstand sollten sich an ihren zuständigen Energieanbieter wenden. "Dort wird eine Lösung gefunden", versichert Wolfgang Urbantschitsch, Vorstandsmitglied der E-Control. Das könne zum Beispiel eine verzögerte Zahlung sein oder eine Ratenzahlung. Die Regelung gelte vorerst bis zum 1. Mai.


42 Todesopfer mit Covid-19 bestätigt

Mit Stand 9 Uhr am Donnerstag sind 6.001 Personen österreichweit an dem Coronavirus erkrankt. Die meisten Fälle gibt es weiterhin in Tirol mit 1.593 und Oberösterreich mit 1.022. Bislang sind 42 Todesopfer durch Covid-19 bestätigt.

Zuletzt wurde ein Todesfall aus dem Landesklinikum Neunkirchen vermeldet. Ein 68-Jähriger, der an massiven Grunderkrankungen gelitten hatte, ist das zwölfte Todesopfer im Bundesland Niederösterreich. In der Nacht auf Donnerstag verstarb zudem ein 77-Jähriger mit Vorerkrankungen auf der Intensivstation des Landesklinikums Melk.

Am Mittwoch wurde der erste Corona-Todesfall aus dem Bundesland Salzburg gemeldet. Am Uniklinikum Salzburg erlag ein 84 Jahre alter Mann der Krankheit. Der Patient war seit vielen Jahren gesundheitlich schwer beeinträchtigt und hatte mehrere Vorerkrankungen.

Auch aus Oberösterreich gingen am Mittwoch Meldungen über Todesfälle von Covid-19-Infizierten ein: Im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern erlag eine 95-jährige Dienstagabend der Krankheit. Die Pensionistin hat ebenfalls an einer Reihe von Grunderkrankungen gelitten. Die Frau war zuvor in häuslicher Pflege. Mittwochabend hat die Landessanitätsdirektion Steiermark über einen weiteren Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus informiert. Ein Mann, Jahrgang 1935 aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, war mit dem Virus infiziert und ist gestorben. Tagsüber war schon von zwei weiteren Todesopfern berichtete worden.

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Coronavirus im Strafvollzug: Justizwachebeamtin in Graz infiziert

Am Donnerstag teilte das Justizministerium mit, dass eine Justizwachebeamtin der Grazer Karlau mit Covid-19 infiziert sei. Die Frau befände sich in häuslicher Quarantäne, ebenso wie sieben Kolleginnen und Kollegen, die mit ihr in Kontakt waren und nun getestet werden. Wie die Sprecherin des Justizministeriums Christina Ratz mitteilte, dürfte die Infektion nicht in der Anstalt passiert sein. Nach bisherigen Erhebungen gebe es keine Gefahr für die Inhaftierten.

Bereits am Montag wurde ein Fall eines positiv getesteten Justizwachebeamten in Garsten bei Steyr bekannt. "Nach dem aktuellen Stand der Erhebungen bestand in den vergangenen Tagen kein unmittelbarer Kontakt des Justizwachebeamten zu Insassen", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme auf SN-Anfrage.

Mittwochnachmittag wurde der erste Fall eines mit Covid-19 infizierten Häftlings bekannt. In der Justizanstalt Innsbruck ist ein Nezugang positiv auf das Virus getestet worden. Der Insasse hatte sich zuvor im Gemeindegebiet Ischgl aufgehalten und wurde daher für 14 Tage in einer eigens geschaffenen Abteilung separiert untergebracht. "Die erkrankte Person war daher zu jeder Zeit isoliert und hatte nur mit geschützten Mitarbeitern der Justizwache Kontakt", betonte Christina Ratz. So habe man eine Weiterverbreitung des Coronavirus verhindern können. Aktuell lägen keine Hinweise auf eine Infektion von anderen Insassen oder Wachpersonal vor.

Kaserne in Spittal an der Drau gesperrt

Die Türk-Kaserne in Spittal/Drau ist am Mittwoch wegen eines Corona-Verdachtsfalls gesperrt worden. Wie Christoph Hofmeister, Pressesprecher des Militärkommandos Kärnten, gegenüber der APA bekannt gab, hatte sich ein Soldat in der Früh mit Fieber und Husten krankgemeldet, daraufhin wurden die Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet. Der Soldat wurde getestet, mit dem Ergebnis ist am Donnerstag zu rechnen.

Insgesamt sind 100 Personen betroffen, welche die Kaserne vorerst nicht verlassen dürfen. 60 von ihnen hatten Kontakt mit dem Soldaten gehabt, der als Kraftfahrer im Einsatz war. "Es lief gerade ein Vorbereitungskurs zum Einsatz bei Pkw- und Personenkontrollen, daher hat es sehr viele Kontakte gegeben", sagte Hofmeister. Der Soldat hatte sich in der Früh telefonisch gemeldet, als die übrigen Soldaten bereits in der Kaserne waren.

"Stopp-Corona-App" zeigt Kontakte mit Infizierten auf

Das Rote Kreuz startete am Mittwoch die "Stopp Corona"-App. Diese soll dazu beitragen, die Infektionskette zu unterbrechen. Die App fungiert als Kontakt-Tagebuch, in dem persönliche Begegnungen mit einem "digitalen Handshake" anonymisiert gespeichert werden. Erkrankt eine Person an Covid-19, wird jeder, der in den vergangenen 48 Stunden Kontakt hatte, automatisch benachrichtigt und gebeten, sich selbst zu isolieren. In der heute gestarteten ersten Version müssen diese "Handshakes" manuell bestätigt werden. Dafür müssen beide Geräte sich miteinander vernetzten und aktiv durch die Nutzer gespeichert werden. Wird die Suche nach Smartphones in der Umgebung aktiviert und mehrere Personen haben die App geöffnet, können auch mehrere Geräte und damit Kontakte gespeichert werden, so die Info des Roten Kreuzes.

S E R V I C E:

  • Coronavirus-Hotline der AGES: 0800 555 621 täglich von 0-24 Uhr.

Wer Symptome aufweist oder befürchtet, erkrankt zu sein, soll zu Hause bleiben, das Gesundheitstelefon 1450 anrufen und die dort erhaltenen Anweisungen genau befolgen.

Liveblog zur Coronakrise:

Quelle: SN, Apa

Aufgerufen am 02.04.2020 um 01:56 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/corona-vorsorge-in-oesterreichs-spitaelern-gesichert-masken-fuer-alle-tiroler-85355323

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