Österreich

Coronavirus: "Größte Rückholaktion in der Geschichte Österreichs"

47.000 Österreicherinnen und Österreicher befinden sich derzeit im Ausland. "Seit Montag läuft die größte Rückholaktion an, die es jemals in der Geschichte Österreichs gegeben hat", sagte Außenminister Alexander Schallenberg in einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag.

Gemeinsam mit der AUA werden derzeit Flugpläne entwickelt. SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Gemeinsam mit der AUA werden derzeit Flugpläne entwickelt.

Gemeinsam mit den Austrian Airlines würden derzeit Flugpläne erarbeitet, um Reisende in ihre Heimat zurückzuholen. Wenn möglich, sollte man sich jedoch auch selbst um eine verfrühte Heimreise bemühen.

Das Bundesheer wird im Kampf gegen das Coronavirus mit Mai außerdem rund 3.000 Milizsoldaten mobilisieren. Zudem übernimmt das Heer die Überwachung von Botschaften, damit die Polizei Kapazitäten freispielen kann. Das sagte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) bei der Pressekonferenz.

Weiters kündigte die Ministerin an, dass die 2.000 Grundwehrdiener, deren Dienst um zwei Monate verlängert wird, analog zu den Zivildienern zusätzlich zur Entschädigung (228 Euro) 190 Euro Anerkennungsprämie pro Monat bekommen.

Zivildienstministerin Köstinger berichtete, dass sich bereits mehr als 2500 ehemalige Zivildiener zum freiwilligen Dienst gemeldet hätten. "Die Nachfrage ist enorm hoch. Das gibt uns viel Kraft", sagte sie in der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Weiters wurden am Dienstag auch jene Männer, die ihren Zivildienst in den vergangenen fünf Jahren absolviert haben, aktiv angeschrieben.

Gesundheitsminister will in der Corona-Krise "Schritt für Schritt" vorgehen

Gesundheitsminister Anschober bedankte sich als erstes bei der Bevölkerung: "Die Österreicherinnen und Österreicher machen fantastisch mit!" Das Bewusstsein, Abstand zu halten und dennoch den Zusammenhalt in der Gesellschaft nicht außer Acht zu lassen, sei spürbar: "Wenn wir diese Maßnahmen weiterhin konsequent durchziehen, dann hat es Wirkung." Wie lange sie dauern würden? "Das hängt von jedem einzelnen ab: Jeder ist Teil der Lösung. Je mehr Menschen mitmachen, desto eher können wir überprüfen, ob die Maßnahmen noch notwendig sind, oder ob wir noch in einigen Bereichen nachschärfen müssen." Die Regierung werde Schritt für Schritt vorgehen.
Seiner Information nach liegt die aktuelle Zahl der Corona-Erkrankungen (Stand 15 Uhr) bei 1332. An einzelnen Tagen gebe es Reduktionen, aber das sei kein genereller Trend. "Eine große Anzahl der Personen ist im mittleren Alter, wo eher milde Krankheitsverläufe zu verzeichnen sind und nicht im höheren Alter, die besonders risikogefährdet sind."

Innenminister Nehammer (ÖVP) schlug in die gleiche Kerbe: "Die Maßnahmen in Österreich zeigen Wirkung. In den Schulen sind 95 Prozent weniger Schülerinnen und Schüler. Auch im Verkehr zeige sich ein Rückgang, die Menschen seien sehr kooperativ. Die Polizei ist seinen Angaben nach für die nächsten Monate gut vorbereitet, mehrere Szenarien seien durchdacht und vorbereitet worden, beispielsweise würden 1200 Polizeischüler und -schülerinnen die Polizisten bei ihrer Arbeit unterstützen.
Zur Lage an der Grenze sagte Nehammer: "Heute hat es an der Grenze zu Ungarn Verschärfungen gegeben, weshalb es zu großen Verkehrsbehinderungen kommt. Die Lage ist unter Kontrolle, wir sind in enger Zusammenarbeit mit den Nachbarländern, arbeiten auch eng mit de deutschen Nachbarn zusammen. Jetzt gilt es, bei aller Notwendigkeit der Grenzkontrollen, dass der Güterverkehr weiter funktioniert, damit die Versorgungssicherheit in Österreich gewährleistet ist."
Zum drohenden Pflege-Notstand durch das Ausbleiben von Pflegern und Pflegerinnen etwa aus Rumänien betonte Gesundheitsminister Anschober, dass an Ausnahmeregelungen für diese Gruppen gearbeitet werde, gleichzeitig werde versucht, ein Auffangnetz aufzubauen. In zwei Tagen könne er mehr dazu sagen.

48-jährige Wienerin gestorben

In Wien ist eine erst 48-jährige Frau in Covid-19-Heimquarantäne verstorben. Die Tote wurde Sonntagfrüh von Familienangehörigen aufgefunden, sagte Andreas Huber, Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien. Unterdessen wurde bekannt, dass zwei Anästhesisten - eine Ärztin und ein Arzt - am Wiener AKH positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden.

Die Betroffenen hätten am vorvergangenen Wochenende an einem Ärztekongress in Zürs am Arlberg teilgenommen und dürften sich dabei infiziert haben, hieß es. Oswald Wagner, Vizerektor für Klinische Angelegenheiten der Med Uni Wien, versicherte, dass der Spitalsbetrieb im AKH intakt sei und weiter funktioniere. Medienberichte, denen zufolge Abteilungen gesperrt worden seien, wies er als unrichtig zurück. Die Erkrankung der beiden Infizierten verlaufe jeweils moderat, ihr Gesundheitszustand sei "gut". Kontaktpersonen der Ärztin - rund 20 Spitalsmitarbeiter - seien bereits auf eine mögliche Ansteckung getestet worden. Die bisherigen Ergebnisse wären allesamt negativ, teilte Wagner mit. Weitere Testungen wären im Laufen.

Unterdessen wurde bekannt, dass Korneuburgs Bürgermeister LAbg. Christian Gepp (ÖVP) positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Er habe die "Vorstufe einer Grippe verspürt" und am Sonntag 1450 angerufen, sagte der Stadtchef am Dienstag zur APA. Es gehe ihm "gut". Gepp erzählte, er habe den Test machen wollen, "weil ich viele Kontakte habe". Wo er sich angesteckt habe, wisse er nicht. Bürgerkontakte habe er "so gut wie null" gehabt, weil er auf Urlaub gewesen sei. Auf der Gemeinde habe er zuletzt nur eine Kollegin getroffen, teilte der Bürgermeister mit.

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und Experten der TU-Graz analysieren unterdessen das Geschehen rund um die Covid-19-Erkrankungen in Österreich. Demnach ist der Bezirk Landeck in Tirol regionaler Spitzenreiter. Mehr Männer als Frauen sind betroffen, die meisten Patienten im mittleren Alter.

Altersgipfel liegt bei 45- bis 54-Jährigen

Die größte Gruppe unter den Infizierten sind die 45- bis 54-Jährigen, wie die Zahlen der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zeigen. Die 55- bis 64-Jährigen lagen mit Stand Montag, 16 Uhr mit 143 dahinter. 82 Erkrankungen gab es bei den 65- bis 74-Jährigen, 47 unter den 75- bis 84-Jährigen und zehn bei den über 85-Jährigen.

Österreicher im Ausland sollen sich registrieren

Nach Berichten über Schwierigkeiten bei der Rückholung von Touristen nach Österreich hat der Specher des Außenministeriums am Dienstag um Geduld gebeten. "Wir werden nicht alle gleichzeitig zurückholen können", sagte Peter Guschelbauer. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) sagte am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal": "Wir können immer nur jenen helfen, die registriert sind."

Die Betroffenen sollen sich daher bei den Botschaften und bei den Konsulaten melden, um die Registrierung durchzuführen. Er verwies auch auf die App des Außenministeriums, in der man die Kontaktdaten finde.

Aktuell gibt es 30.000 registrierte österreichische Touristen, die in über 100 Ländern in der ganzen Welt unterwegs sind. Laut Schätzungen sind aber noch weitere Zehntausende im Ausland.

14 Tage Quarantäne für Ausland-Risikogebiet-Rückkehrer

Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten müssen ab Mittwoch 14 Tage in Heimquarantäne verbringen. Ein entsprechender Erlass soll laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) Mittwochfrüh verabschiedet werden und sofort gelten. Betroffen davon sind laut Anschober nahezu alle Einreisende aus europäischen Staaten - nämlich jene, für die es laut Außenministerium eine Reisewarnung gibt. Für die Betroffenen gelten dieselben Regelungen wie schon für jene, die bisher etwa aus Italien nach Österreich zurückgekehrt sind.

Aufgerufen am 30.11.2021 um 04:09 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/coronavirus-groesste-rueckholaktion-in-der-geschichte-oesterreichs-84971152

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