Österreich

Cyberkrimineller löst Hendldieb ab - Kriminalität ging wegen Corona um elf Prozent zurück

Die Kriminalitätsrate ist in Österreich im vergangenen ersten Coronajahr 2020 um mehr als elf Prozent zurückgegangen. Die Aufklärungsquote stieg im selben Zeitraum auf 54,2 Prozent an. Doch Internetdelikte legen weiter zu. Der "Hendldieb" hat laut Polizei ausgedient.

Rückgang bei der Kriminalität – aber die Polizei hat deshalb nicht weniger Arbeit. SN/christian sprenger
Rückgang bei der Kriminalität – aber die Polizei hat deshalb nicht weniger Arbeit.

"Die Pandemie hatte ganz viele Auswirkungen. Das Jahr 2020 ist in Wahrheit mit keinem anderen Jahr zu vergleichen", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) anlässlich der Präsentation der Kriminalitätsentwicklung in Österreich. Beispielsweise habe es vor dem Ausbruch von Corona ein Vermummungsverbot gegeben, jetzt sei es Pflicht, eine Maske zu tragen. Er, Nehammer, habe auch niemals gedacht, dass es einmal Aufgabe der Exekutive sein würde, auf das Einhalten eines Mindestabstands achten zu müssen.

Jedenfalls ist die Zahl der Anzeigen von Strafdelikten stark gesunken: Wurden im Jahr 2011 noch 539.970 Verbrechen und Vergehen angezeigt, so waren es im Vorjahr nur mehr 433.811. Wobei allein von 2019 auf 2020 um 55.000 Strafanzeigen (minus 11,3 Prozent) weniger verzeichnet wurden. Zeitgleich sei die Aufklärungsquote um 1,7 Prozent auf 54,2 Prozent gestiegen, erläuterte Franz Ruf, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit.


Bild: SN/APA/ROBERT JAEGER
Der Hendldieb fällt dem digitalen Täter zum Opfer.
Andreas Holzer, Bundeskriminalamt

Er skizzierte ein Thema, dem sich die Polizei in Zukunft intensiv widmen wird - die Cyberkriminalität. Wurden vor zehn Jahren in diesem Bereich noch 4000 Strafanzeigen registriert, so waren es im Vorjahr 35.950. Wobei allein gegenüber 2019 ein Anstieg um 26,3 Prozent festzustellen war. Vor allem Onlinebetrug, Cyberattacken sowie Kindesmissbrauch im Darknet fordern die Kriminalisten wie noch nie zuvor. Andreas Holzer, Leiter des Bundeskriminalamts, brachte die Entwicklung auf den Punkt: "Der Hendldieb fällt dem digitalen Täter zum Opfer."

Es gab Tage ohne Einbrüche

Klassische Eigentumsdelikte wie Einbrüche oder Kfz-Diebstähle seien von 164.080 auf 128.111 um 21,9 Prozent gesunken. "Im März und April 2020 gab es einige Tage, an denen es keinen einzigen Einbruch gab", sagte Holzer. Corona zeigte sich auch in der Monatsstatistik: Während des ersten Lockdowns sanken die Anzeigen, im Sommer mit den Lockerungen stiegen diese an und im zweiten Lockdown wurden wieder weniger verzeichnet.

Spezielle Streifenkonzepte hätten sich bei Dämmerungseinbrüchen als sehr erfolgreich gezeigt, so Holzer. Die Internetkriminalität ist, nicht zuletzt wegen eingeschränkter Einkaufsmöglichkeiten während der Pandemie, explodiert. Es gab 35.915 Anzeigen (plus 26,3 Prozent), mehr als die Hälfte davon sind Betrügereien wie Bestell- und Vorauszahlungsbetrug oder Kreditkartenmissbräuche.

Holzer kündigte die Einrichtung einer neuen Abteilung im Bundeskriminalamt an, die sich ausschließlich dem Cybercrime widmen werde. Digitale Forensik werde auf breite Beine gestellt, die Zahl der IT-Ermittler auf den Bezirkspolizeikommandos wird auf 600 verdoppelt.

Auch die Gewaltdelikte waren rückläufig: von 73.079 Anzeigen 2019 auf 67.051 im Vorjahr (minus 8,2 Prozent). Im Coronajahr wurden 43 Morde mit 54 Opfern (31 Frauen und 23 Männer) begangen. Mehr als zwei Drittel davon waren Beziehungstaten. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich lag bei 88 Prozent. Die Polizei verhängte 11.652 Betretungs- und Annäherungsverbote.

In Zukunft wird noch mehr auf Gefahrenabwehr gesetzt: Heuer wird die Zahl der Präventionsbediensteten von 500 auf 700 aufgestockt. Und ab September sind Gefährder verpflichtet, binnen fünf Tagen eine Beratungsstelle für Gewaltprävention aufzusuchen. Für Gewaltschutzzentren und Gewaltpräventionsprojekte wurden im Vorjahr knapp sechs Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Aufgerufen am 07.12.2021 um 03:24 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/cyberkrimineller-loest-hendldieb-ab-kriminalitaet-ging-wegen-corona-um-elf-prozent-zurueck-101232178

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