Österreich

Das Ende von Beate Uhse

Zugeklebte Schaufenster, die Eingangstür in einer unscheinbaren Seitengasse, die unauffälliges Hineinhuschen ermöglicht - der klassische Erotik-Shop mit Pornokino, Filmverleih und Sexmagazinen scheint dem Untergang geweiht.

Das Ende von Beate Uhse SN
Ein Geschäft mit der Liebe machen auch Erotik-Shops.  


"Das Internet hat das Geschäft komplett überrollt", sagt Klaus Lang von Secret Factory. Die Bergheimer Firma stand über Jahre für den Erotik-Shop schlechthin, war man doch Franchisenehmer und damit Eigentümer aller Beate-Uhse-Shops in Österreich. Doch Beate Uhse kämpft im deutschen Heimmarkt seit Jahren mit massiven Verlusten. In Österreich gehört der Name seit dem Vorjahr ganz der Vergangenheit an.

"Wir haben den Franchisevertrag im Dezember 2010 gelöst", erklärt Lang. Die Filialen laufen seither unter "Seven Sins" - und mit völlig anderem Konzept. "Nach Außen schauen wir aus wie ein Dessous-Laden", erklärt Lang - mit Absicht. "Es kommt schon vor, dass sich ein 60-jähriges Pärchen in eines unserer Geschäfte verirrt, im hinteren Teil die Erotik-Hilfsmittel entdeckt und merkt, wo es hingeraten ist. Und das dann durchaus interessant findet." Der deutsche Beate-Uhse-Konzern habe zu spät erkannt, wohin der Trend gehe, meint Lang. In Österreich habe man seit Jahren auf Shops in Einkaufszentren gesetzt, verborgene Eingänge seien da kaum möglich gewesen, die Schaufenster mussten alle Kunden ansprechen. Und man entdeckte die Frauen: Mehr als 60 Prozent der Kundschaft seien heute weiblich. "Das Erotikgeschäft boomt ungebrochen, allerdings in völlig anderer Form", sagt Lang.

In den Geschäften gebe es zwar noch einige Filmkabinen, das Geschäft mit Videos und DVDs sei aber seit Jahren rückläufig, das laufe längst über das Internet. Der Hauptumsatzbringer seien Erotikhilfsmittel, ob Liebeskugeln oder Vibratoren, gleich danach kämen Dessous, gefolgt von Erotikliteratur, Magazinen und Gag-Artikeln. Neben "Seven Sins"-Filialen führe man noch wenige klassische Erotikmärkte. Mit 47 Shops sei man Österreich-Marktführer, sagt Lang. 20 Mill. Euro Umsatz erreiche man im Jahr. Ob der Name Beate Uhse nicht fehlt? "Fragen sie junge Leute, die verbinden kaum noch was damit."

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