Österreich

Das FBI will dich als Freund

Ihr Arbeitsplatz ist die FBI-Akademie im amerikanischen Quantico: Zwei FBI-Agenten über sozialen Medien und den Amoklauf von München.

Das FBI will dich als Freund SN/dpa

Gail Pennybacker und Ken White sind Kommunikationstrainer an der FBI-Akademie in Quantico in Virginia. Sie untersuchen, wie Polizeiorganisationen im 21. Jahrhundert kommunizieren - auf Einladung des Bundeskriminalamts nun für die österreichische Polizei.

SN: Wie hat der Einsatz von sozialen Medien die Polizeiarbeit verändert?
Ken White: Soziale Medien haben in den vergangenen zehn Jahren den Zugang zu Informationen radikal verändert. Die Öffentlichkeit hat erstmals die Möglichkeit, Informationen aus allen Kanälen zu beziehen, und nicht nur von "traditionellen Medien" wie Zeitungen, Fernsehen oder Radio. Die Folge ist, dass Freunde und Familie, mit denen man im Cyberspace vernetzt ist, zu Informationsquellen werden. Ihnen vertraut man, auf Grundlage ihrer Infos werden Entscheidungen getroffen. Polizeiorganisationen müssen diese veränderte Kommunikation verstehen und sich direkt mit den Menschen verbinden.
Gail Pennybacker: Entscheidend ist dabei, dass die Beziehung zwischen Polizei und Öffentlichkeit lang vor einer Krise da sein muss - vor einem Amoklauf oder einer Terrorattacke.
White: Ja, wenn Dinge schlecht laufen, ist das nicht der richtige Zeitpunkt, um das erste Mal soziale Medien zu nutzen. Wie in jedem guten Geschäft bekommt man auch hier nur das heraus, was man davor bereits investiert hat.
Pennybacker: Das Vertrauen der Bevölkerung verdient man sich aufgrund einer täglichen Basis. Das können Meldungen sein wie: Die Schule hat wieder begonnen, übt den Schulweg mit euren Kindern. Nur wenn dieses Vertrauen da ist, wird der Bürger, wenn er sich in einem Geschäft in München verbarrikadieren muss, sein Handy herausnehmen und nicht auf die Seite von CNN schauen, sondern auf jene der Münchner Polizei.
SN: Sie sprechen München an. Haben Sie auch den Amoklauf des 18-jährigen David S. im Juli analysiert?
White: Ja, das haben wir. Ich war an diesem Tag zu Hause, sah den Vorfall auf meinem Twitter-Account und habe sofort mit der Analyse begonnen. Es war klar, dass die Polizei die erste Informationsquelle für dieses Ereignis sein wollte. Und zwar eine konstante, vertrauensvolle Quelle, die nicht nur Informationen gibt, sondern eine Geschichte dabei erzählt. Das ist gelungen und das Vertrauen der Öffentlichkeit wurde gewonnen.
Pennybacker: Wir haben in München zum ersten Mal gesehen, dass eine Polizeiorganisation in vier Sprachen getwittert hat. Das war außerordentlich. Es war sicher einer der besten Einsätze von sozialen Medien der Polizei bisher.SN: Aber der Amoklauf von München hat auch verdeutlicht, wie sehr soziale Medien außer Kontrolle geraten können. In den acht Stunden der Tat verbreiteten Nutzer in sozialen Medien Falschmeldungen, die Panik und Angst verbreitet haben. Wie bewerten Sie das?
White: Man wird soziale Medien nie kontrollieren können. Das widerspricht ihrem Grundgedanken. Auf diesen Kanälen werden immer schrankenlose Konversationen stattfinden. Aber wenn man schnell reagiert und - wie erwähnt - das Vertrauen der Nutzer bereits vor der Krise hat, dann ist man als Polizei in einer guten Position. Trotz aller Gerüchte. Denn prinzipiell macht die Polizei das, was sie immer gemacht hat. Nur schlagen wir keine Most-Wanted-Zettel mehr am Dorfplatz auf, sondern kommunizieren 24 Stunden, sieben Tage die Woche über soziale Medien.

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