Österreich

Dem Himmel immer ganz nahe sein

Die Salzburgerin Cornelia Lauschmann war als Soldatin des Bundesheeres gerade im Einsatz in Bosnien, als sie einen Anruf erhielt. Er sollte ihr Leben völlig auf den Kopf stellen.

-Cornelia Lauschmann als Fluglotisn.  SN/privat
-Cornelia Lauschmann als Fluglotisn.

Müsste man das Leben von Cornelia Lauschmann mit einer Linie darstellen, dann wäre diese gezackt, gewellt, unterbrochen, hätte Schlaufen und würde immer wieder die Farbe wechseln. Obwohl die Salzburgerin erst 32 Jahre alt ist, kann sie einen wohl einzigartigen beruflichen Werdegang vorweisen. "Wirklich geplant habe ich das alles nicht", sagt sie fröhlich, "ich bin eben eine, die das Leben so nimmt, wie es kommt." Als erste Fluglotsin des Österreichischen Bundesheeres war sie bereits vor einigen Jahren eine begehrte Gesprächspartnerin der Medien, auch der "Salzburger Nachrichten". Schon damals erzählte sie, wie sie 2005 von der Filialmanagerin bei McDonald's am Stephansplatz in Wien in die Rainerkaserne nach Glasenbach in Salzburg übersiedelte. Schlicht, weil es ihr Spaß machte, Skitouren zu gehen, Gefechtsdienst zu haben und Biwaks hoch droben in den Bergen zu errichten, sprich: viel an der frischen Luft zu sein. Doch seither ist einiges passiert. Kurzum: Cornelia Lauschmann studiert nun katholische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz im Wienerwald. Wie es dazu kam und wie sie diese Entscheidung verändert hat, ist ein weiteres spannendes Kapitel ihrer bisherigen Biografie.

Aber der Reihe nach: Nach der Militärakademie in Wiener Neustadt, wo sie als Waffengattung Flugsicherung wählte, weil sie etwas lernen wollte, das auch im zivilen Leben anwendbar ist, lässt sich Cornelia Lauschmann weiter ausbilden. Zum Flugverkehrsleiter. Diesmal bei der deutschen Luftwaffe in Kaufbeuren. Zurück in Österreich, legt sie Ende Oktober 2013 in Langenlebarn die letzte Prüfung ab. Der Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn wird künftig ihr Stützpunkt, sein Luftraum ist nun ihr Luftraum. Die junge Offizierin ist rundum glücklich. Ihre Freunde, sagte sie, treffe sie bei der Arbeit. Kollegen, Ausbildner, allesamt großartige Typen. Die Stimmung beschrieb sie als familiär. Selbst Auslandseinsätze gehören zum Berufsbild. Eines Abends sitzt Lauschmann in Bosnien vor dem Laptop. Skypen mit dem Freund, der ebenfalls dem Bundesheer angehört. Die Liebe war frisch, das Kennenlernen noch im Gange. "Als wir so plaudern, sagt er plötzlich, dass er regelmäßig in die Kirche geht. Ich dachte nur: Oh, mein Gott - nicht so einer!", erinnert sich die 32-Jährige. "Ich selbst war aus der Kirche ausgetreten, mich hat das überhaupt nicht interessiert. Doch wir hatten uns so gern, dass wir uns in diesem Punkt arrangieren wollten. Also bin ich am Aschermittwoch 2015 mitgegangen, um zu sehen, was das mit mir macht. Und es war einfach unglaublich." Diese klaren Spielregeln, das Unterscheiden von Gut und Böse. All das habe sie augenblicklich in seinen Bann gezogen. Cornelia Lauschmann beginnt zu beten. Der intensive Glaube an Gott brachte anfangs aber auch Probleme mit dem Freund: "Wir haben viel gestritten." Unter anderem über körperliche Enthaltsamkeit. Doch genau darum ging es. Der Verzicht auf Sex passte exakt ins neue Gesamtweltbild. Kraft und Energie wollte sie ab sofort aus dem Glauben schöpfen.

Parallel dazu kam es beim Bundesheer zu Umstrukturierungen, was zur Konsequenz hatte, dass die Fluglotsin plötzlich und trotz gleicher Verantwortung weniger verdiente als die älteren Kollegen. "Es ging mir nicht ums Geld, es war die fehlende Wertschätzung für meine Ausbildung, die mich störte." Und zwar so sehr, dass sie der Landesverteidigung den Rücken kehrte. Mit dem Fliegen wollte sie jedoch unbedingt in Berührung bleiben, also heuerte sie bei Flyniki als Flugbegleiterin an. Nach einem halben Jahr zog es sie in die Schweiz, nach Zürich, wo sie bald für die Ausbildung von 300 Mitarbeiterinnen zuständig war. Mittendrin zerbrach die Beziehung mit ihrem Freund und Cornelia Lauschmann musste sich die entscheidende Frage stellen: "Was bedeutet mir Glaube wirklich?" Die Antwort fand sie rasch: alles. Selbst heute scheint sie überrascht von jenem Sog, der sie erfasste. "Ich begann, den Rosenkranz zu beten. Ich weiß, das klingt total bieder, aber es hat mich runtergebracht." Wenn die anderen Flugbegleiterinnen nach langen Flügen nur noch ins Bett wollten, ging Lauschmann in die Kirche. "Ich hab das gebraucht." Die Gläubigkeit der jungen Frau sprach sich herum. Immer öfter suchten Kollegen ihre Nähe, das Gespräch: "Niemand hat damit gerechnet. Und sie haben ja gesehen, dass ich kein verkorkster Mensch sein muss, nur weil ich gläubig bin." Jeder, und davon sei sie überzeugt, sei auf irgendeine Art religiös oder spirituell interessiert. Doch im Zuge der Gespräche stellte sie fest, dass sie auf viele Fragen keine Antworten hatte. Diesen Zustand des Halbwissens wollte die Salzburgerin so schnell wie möglich beenden. Sie nahm sich vor, die großen Lebensfragen beantworten zu können - und entschloss sich für das Theologiestudium in Heiligenkreuz. In dem Zisterzienserstift im Wienerwald wird Cornelia Lauschmann noch viereinhalb Jahre lernen, lernen, lernen. Und dann? Partnerschaft und Familie hätten neben Gott immer Platz, sagt sie. Vielleicht jedoch, und da denkt sie nur mal laut, könnte es ja eine Rückkehr zum Bundesheer geben. Als Militärseelsorgerin. "Ich hab das Gefühl, dass ich da viel tun könnte."

Aufgerufen am 21.06.2018 um 09:55 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/dem-himmel-immer-ganz-nahe-sein-22654177

Die Bauprofis seit 40 Jahren

Ihre Leistungen sind überall in Salzburg und weit darüber hinaus sichtbar. Wessen Arbeit aber tatsächlich dahintersteht, wissen die wenigsten, denn Bautechniker arbeiten im Hintergrund. Sie planen, …

Meistgelesen

    Kommentare

    Schlagzeilen

      SN.at Startseite