Österreich

Der Alpenverein wächst vor allem in Wien

Warum die Hälfte der Mitglieder des Bergsportvereins in großen Städten zu Hause sind.

Klettern liegt im Trend (Symbolbild). SN/sn, alpenverein
Klettern liegt im Trend (Symbolbild).

Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 28.136 Mitgliedern. Bei einer Gesamtzahl von 573.178 Mitgliedern bedeutet das einen Zuwachs von 5,2 Prozent. Für Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora ist der Zulauf an Bergsportlern vor allem im urbanen Bereich leicht nachvollziehbar: "Der Alpenverein wurde vor über 150 Jahren in Wien gegründet und ist daher seit jeher auch in den Städten verwurzelt." Und weiter: " In unserer zunehmend digitalisierten und naturfernen Welt wächst das Bedürfnis nach Naturerlebnissen, nach Ruhe und Ursprünglichkeit. Diese tiefe Sehnsucht nach 'draußen' zu stillen, hat sich der Alpenverein zum Auftrag gemacht."

Natürlich reagiert auch der Verein auf die Wünsche seiner Mitglieder und bringt die "Berge" in die Stadt. Mittlerweile betreiben die sechs Sektionen in Wien gemeinsam acht Kletteranlagen mit knapp 7000 Quadratmeter Indoor-Kletterfläche. Zudem betreuen sie von der Bundeshauptstadt aus 55 Hütten mit mehr als 5000 Kilometer Wegenetz.

Es bedarf aber gar keiner künstlichen Wand, um in und um Wien zu klettern. An der südlichen Stadtgrenze können Sportbegeisterte an der Mizzi Langer Wand oder der Lutterwand ihrem Bewegungsdrang nachgehen. "Hier hat schon Viktor Frankl mit schweren Bergschuhen seine Quergänge geübt und trainiert", erinnert sich Friedrich Macher, Vorsitzender der ÖAV-Sektion Austria, an den großen Psychiater.

Der Peilstein mit seinen steilen Wänden im südlichen Wienerwald bietet Kletterrouten in allen Schwierigkeitsgraden, ebenso wie die Hohe Wand, die 40 Autominuten von der Stadtgrenze Wiens entfernt liegt. Wer hochalpine Touren bevorzugt, ist im Semmeringgebiet mit Rax und Schneeberg gut aufgehoben.

Macher weiß von einer Anekdote aus der Zwischenkriegszeit zu berichten: "Damals sind Kletterbegeisterte Freitagnacht zum Peilstein rausmarschiert, haben am Samstag trainiert und sind von Sonntag auf Montag wieder zurück nach Wien gegangen."

Wien hat für den Bergsport große Tradition: Die Sektion Austria war Gründerin des Alpenvereins und ist heute mit 47.360 Mitgliedern österreichweit die drittgrößte Sektion nach Edelweiss (56.905 Mitglieder, ebenfalls in Wien) und Innsbruck mit 56.139 Mitgliedern. Mit insgesamt 136.058 Zahlenden sind fast ein Viertel aller ÖAV-Mitglieder in Wien zu Hause. Mit rund 8500 Neuabschlüssen verzeichneten Edelweiss und Austria im Vorjahr auch die stärksten Zuwächse.

"In einer Großstadt wie Wien gibt es natürlich viele Menschen, die das Naturerlebnis suchen. Ihnen möchten wir den Einstieg ins 'Bewegen in der Natur' erleichtern und auch jenen, die sportlich nicht so leistungsbezogen sind, ein breites Feld eröffnen. Das sehen wir als unseren Beitrag zur Gesundheitsförderung", sagt Bernhard Stummer, Vorsitzender der Sektion Edelweiss.

Weil die Stadt in erster Linie durch Zuwanderung wächst, wird unter dem Titel "Wiener Melange" wöchentlich eine Wanderung für Menschen mit Migrationshintergrund angeboten. An die 1000 Personen sollen daran im vergangenen Jahr teilgenommen haben.

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