Österreich

Der Wolf ist zurück: "Schießen nützt nichts"

Die Diskussion rund um die Rückkehr der Wölfe nach Österreich ist überhitzt und aufgeladen. Umso erfreulicher verlief der erste niederösterreichische Wolfsgipfel.

Diskussion rund um die Rückkehr der Wölfe nach Österreich. SN/AP
Diskussion rund um die Rückkehr der Wölfe nach Österreich.

Österreich mit seiner dicht besiedelten Kulturlandschaft ist eines der letzten Länder Europas, in das die Wölfe nach jahrzehntelanger Absenz zurückgekehrt sind. Zurückgekehrt ist aber auch die Angst der Menschen vor den Raubtieren. Etliche Risse von (vor allem) Schafen nährten diese Befürchtungen.

Seit Monaten ist das Gesprächsklima zwischen Bauern und Jägerschaft auf der einen Seite sowie Naturschützern auf der anderen miserabel - kurz gefasst: Schießen vs. Schützen.

Umso spannender verlief am Freitag ein von den niederösterreichischen Grünen einberufener Wolfsgipfel. Vertreter beider Seiten kamen zur größtmöglichen Erkenntnis: dass man die Probleme, die parallel mit dem Wolf Einzug halten, nur gemeinsam lösen könne.

Der Gipfel wäre mit Sicherheit noch spannender verlaufen, wäre auch Landesjägermeister Josef Pröll, der ehemalige Finanzminister und Vizekanzler, seiner Einladung gefolgt. "Man hat mir aber mitgeteilt, dass er an solchen Runden nicht teilnimmt", bedauerte die grüne Landessprecherin Helga Krismer.

"Weg von Hetze und Panikmache", forderte Christoph Pichler vom Worldwide Fund for Nature (WWF). Dafür: mehr Geld für Herdenschutz und zur Entschädigung gerissener Tiere, besseres Monitoring und bundesländerübergreifende Kooperation. Denn der Wolf erfülle eine wichtige Funktion im Ökosystem.

"Offen gesagt, ich habe keine Freude mit der Rückkehr der Wölfe", entgegnete Daniel Heindl von der Landwirtschaftskammer NÖ. "Man könnte sagen: Wir haben 150 Jahre ohne sie gelebt, sie sind niemandem abgegangen und das Ökosystem kommt damit klar." Seine Zurückhaltung in puncto Herdenschutz erklärte der Biobauer so: "Er hilft, aber nicht hundertprozentig." Und er sei nicht nur finanziell aufwendig. Stichwort Elektrozäune: "Wenn überall Zäune errichtet werden, hat das auch Auswirkungen auf den Tourismus."

Max Rossberg von der European Wilderness Society Austria mit Sitz im salzburgerischen Tamsweg betonte, man müsse "die Aufregung und die Angst absolut ernst nehmen". Und: "Den Bauern muss auf vielen Ebenen geholfen werden." Der Wille sei bei vielen Betroffenen bereits vorhanden. "Es geht darum, sich permanent auszutauschen; sich anzuschauen, welche Maßnahmen bei wem am besten passen."

Für Rossberg ist klar: Nur ein breites Angebotsspektrum könne auch flächendeckend helfen. Darunter fielen Hirten, Hunde, Nachtpferche und E-Zäune. "Wir müssen Geld in die Hand nehmen. Herdenschutz wird Millionen kosten, aber die investieren wir beim Schutz vor anderen Wildtieren auch. Denn eines muss uns klar sein: Schießen nützt nichts."

Österreich sei nicht nur ein Durchzugsgebiet von Wölfen aus allen Richtungen des Kontinents: "Es ist auch ein Schlaraffenland, weil der Bestand an Rehwild bei uns gigantisch ist", sagte Rossberg. Schafe seien bei Weitem nicht die bevorzugte Beute des Wolfs.

Heindl hob hervor, dass man beim Herdenschutz in Niederösterreich schon "sehr weit" sei. Zudem gebe es ein Wolfsmonitoring, wo Sichtungen gesammelt und ausgewertet würden, sowie eine klar definierte Entschädigungstabelle samt rascher Abwicklung.

"Wir müssen uns fit machen für den Wolf", ergänzte Tamara Krismer von den nö. Grünen. "Der Gesellschaft ist es zumutbar, dass wir eine Art willkommen heißen. Wir werden ihn nicht schießen."

"Es geht nur miteinander", befanden sämtliche Diskutanten am Ende des ersten, entspannten Wolfsgipfels Niederösterreichs. Und sie versprachen einander einen baldigen zweiten. Vielleicht ja sogar mit Josef Pröll am Podium.

Aufgerufen am 23.10.2018 um 07:38 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/der-wolf-ist-zurueck-schiessen-nuetzt-nichts-29235127

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