Österreich

Die "Hundstage" halten an: 2018 eines der wärmsten Jahre der Messgeschichte

Sehr warm und sehr trocken war der Juli. Es fielen laut vorläufiger ZAMG-Bilanz 38 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel und es gab sieben Prozent mehr Sonnenstunden. Die Klimatologen registrierten damit heuer bereits fünf außergewöhnlich warme Monate.

Hitze und Trockenheit prägten vor allem das Monatsende SN/APA (dpa)/Hauke-Christian Dittri
Hitze und Trockenheit prägten vor allem das Monatsende

Auf den drittwärmsten Jänner der Messgeschichte folgten die deutlich zu kühlen Monate Februar und März. Der April war der zweitwärmste, der Mai der viertwärmste und der Juni der zehntwärmste. Der Juli wird sich nun unter die 15 wärmsten Juli-Monate der 252-jährigen Messgeschichte reihen.

"Lange Zeit sah es nach einem eher durchschnittlichen Juli aus. Aber durch die Hitzewelle am Monatsende wird er um 1,3 Grad und damit deutlich über dem vieljährigen Mittel liegen", berichtete Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Die "Hundstage" halten auch noch an: Die aktuelle Hitzewelle hält wahrscheinlich sogar bis über das Wochenende. Die ZAMG prognostizierte am Montag verbreitet Temperaturen von mehr als 30 Grad. Die Spitzenwerte liegen in den nächsten Tagen bei 34 bis 36 Grad und sind vor allem vom Weinviertel über Wien bis zum Burgenland zu erwarten.

Der Juli startete kühl

Zu Beginn des Monats war es stellenweise noch ungewöhnlich kalt. Die tiefste Juli-Temperatur registrierte die ZAMG am 2. Juli mit 2,3 Grad in Zwettl (NÖ). Das ist hier die tiefste Juli-Temperatur seit 1984.

Die Zahl der Hitzetage (mindestens 30 Grad) liegt in diesem Juli im Großteil Österreichs über dem Durchschnitt, im Osten sogar deutlich darüber. Die meisten Hitzetage des Monats verzeichnete Hohenau/March (NÖ): Berücksichtigt man die Prognosen bis Monatsende, kommt Hohenau auf 16 Hitzetage (Mittel: acht).

Im Großteil des Landes brachte der Juli 2018 um 50 bis 75 Prozent weniger Niederschlag als ein durchschnittlicher Juli. Die trockensten Regionen lagen dabei vor allem in Teilen von Vorarlberg, Nordtirol, Salzburg und Oberösterreich. Um 25 bis 82 Prozent mehr Niederschlag als im Mittel gab es in diesem Juli im Weinviertel und im Raum Wien.

Ungewöhnlich wenige Blitze

In einigen Regionen setzt sich die seit Monaten dauernde Trockenheit fort. An der ZAMG-Wetterstation in Linz zum Beispiel gab es seit Jänner nur 265 Millimeter Niederschlag. So trocken war es hier seit Messbeginn im Jahr 1852 noch nie. Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen Jahr fallen von Jänner bis Juli in Linz 526 Millimeter Niederschlag.

Der Juli 2018 brachte zwar lokal einige heftige Gewitter und Unwetter, aber keine großräumigen Gewitterfronten. Das Österreichische Blitzortungssystem ALDIS registrierte im Juli 2018 rund 15.000 Blitzeinschläge (Wolke-Erde-Blitze) in Österreich. So wenige gab es im Juli seit Messbeginn von ALDIS im Jahr 1992 noch nie. Zum Vergleich: Der Juli 2017 brachte rund 47.000 Blitzeinschläge, der Juli 2016 rund 50.000 und der Juli 2015 rund 70.000.

2007 und 2014 war es noch wärmer

Im Vergleich der ersten sieben Monate rangiert 2018 insgesamt derzeit unter den wärmsten Jahren der Messgeschichte. "Für den Zeitraum Jänner bis Juli liegt 2018 um 1,6 Grad über dem vieljährigen Mittel und damit auf dem dritten Platz der 252-jährigen Messgeschichte", sagte Orlik. "In der Auswertung der ersten sieben Monate waren nur 2007 und 2014 wärmer als 2018."

Die relativ wärmsten Regionen im Juli waren Vorarlberg sowie die Gebiete vom Innviertel bis zum Industrie- und Weinviertel. Die Anomalien der Lufttemperatur zum vieljährigen Mittel lagen hier durchwegs zwischen plus 1,5 bis 2,6 Grad. In den anderen Landesteilen lag die Lufttemperatur um 0,5 bis 1,5 Grad über dem Durchschnitt, berichtete die ZAMG.

Auf den Bergen war die positive Abweichung zum Klimamittel von ein Grad etwas geringer. Tage mit sehr hohen Temperaturen beschränkten sich im Juli vorwiegend auf die letzten vier Tage des Monats, an denen Tagesmaxima von 33 bis 35 Grad in Folge auftraten.

Mit der Hitzewelle am Monatsende kühlte es in den Nächten vielerorts nicht mehr unter 20 Grad ab. In der Wiener Innenstadt gab es in diesem Juli insgesamt 14 solcher Tropennächte. Das sind um sechs mehr als in einem durchschnittlichen Juli.

Zahl der Hitzetage im Juli (mindestens 30 °C)

(inkl. Prognose bis Monatsende)

Hitzetage Juli 2018 Hitzetage Juli-Mittel
Bregenz 7 2
Innsbruck Universität 11 7
Salzburg Freisaal 7 4
Linz 8 5
St. Pölten 9 6
Wien Hohe Warte 10 7
Eisenstadt 11 7
Graz Universität 7 5
Klagenfurt 7 6

Aufgerufen am 28.11.2021 um 07:38 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/die-hundstage-halten-an-2018-eines-der-waermsten-jahre-der-messgeschichte-37102945

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