Österreich

Die Speisekarte, die sprechen kann

Eine Handy-App soll Menschen mit Sehbehinderung den Besuch im Kaffeehaus erleichtern.

Die Bestellung soll damit vereinfacht werden.  SN/menuspeak
Die Bestellung soll damit vereinfacht werden.

Für blinde und sehbehinderte Menschen ist der Besuch im Kaffeehaus mit viel Aufwand verbunden: Denn die Speisekarte zu lesen ist meist nicht möglich. Das österreichische Unternehmen Mopius hat eine kostenlose Handy-App entwickelt, die es ermöglicht, die Angebote auf der Speisekarte zu hören. Firmengründer Karl Pletschko hatte vor mehreren Jahren bei der Wirtschaftskammer einen Vortrag von einem damals schwer sehbehinderten und heute blinden Mann gehört. "Es gibt zwei Szenarien, die Schwierigkeiten bereiten: Das erste ist Einkaufen, keine Orientierung zu haben, welche Produkte in welchen Regalen sind, oder etwa das Ablaufdatum zu lesen", erklärt Pletschko. "Das zweite ist, auswärts essen zu gehen. Denn es gibt kaum Speisekarten in Brailleschrift und auch das Servicepersonal kann mit so einer Situation manchmal nicht umgehen."

Die Handy-App "MenuSpeak" solle eine Lösung für alle sein, erklärt Pletschko. Es ist also ein Angebot für Menschen mit Sehbehinderung, aber auch für ausländische Touristen. Entwickelt wurde sie in Zusammenarbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen. Die App erkennt den Standort, zeigt automatisch die Speisekarte in der Sprache des Nutzers an und liest diese auf Wunsch vor. Speisen und Getränke können in den Warenkorb gelegt und dem Servicepersonal angezeigt werden.

25 Lokale sind bereits dabei. "Das sind Betriebe, die ihre Kunden nicht als Belastung sehen, sondern als Chance." Der Großteil davon befindet sich in Wien. "Wir würden uns über Partnerbetriebe in Salzburg freuen, da haben wir noch keine", sagt Pletschko.

MenuSpeak ist eines von 75 Vorzeigebeispielen, die kürzlich den Zero-Project-Award bekamen. Bei der gleichnamigen Konferenz in der UNO-City in Wien waren 650 Menschen aus aller Welt zu Gast. Das von der Essl Foundation gegründete "Zero Project" unterstützt Initiativen, die sich Barrierefreiheit zum Ziel gesetzt haben. Martin Essl sagte bei der Konferenz: Barrierefreiheit werde oft nur mit Gebäuden in Zusammenhang gebracht. Doch diese betreffe "jeden Aspekt unseres alltäglichen Lebens", wie Informations- und Kommunikationstechnologie, Transportwesen, Produkte und Dienstleistungen.

Aus Österreich wurden mehrere Projekte ausgezeichnet. Darunter waren die Austria Presse Agentur (APA), das Salzburg Museum, der ÖZIV Bundesverband für Menschen mit Behinderungen, die Bank Austria und die Stadt Graz.

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