Österreich

Diversion für Pkw-Lenker nach tödlichem Zugunfall

Ein 30-Jähriger hat sich am Freitag im Grazer Straflandesgericht nach einer Kollision mit einem Zug verantworten müssen: Der Autolenker hatte nach der Nachtschicht in Wollsdorf (Bezirk Weiz) sowohl das Rotlicht übersehen als auch die Warnsignale des Zugs überhört. Seine Ehefrau starb nach dem Unfall, eine Arbeitskollegin erlitt schwere Verletzungen. Der Mann kam mit einer Diversion davon.

Sichtlich geknickt setzte sich der nun verwitwete Familienvater vor den Richter und gestand seine Schuld ein: "Die Nachtschicht war um 6.00 Uhr aus, wir stiegen alle drei in das Auto und ich fuhr los." Vor dem Bahnübergang habe er noch angehalten und nach rechts geschaut, das Rotlicht bemerkte er allerdings nichts - und auch nicht den Zug der Steiermärkischen Landesbahnen, der von links kam. "Vielleicht war ich verwirrt. Vor mir sind noch zwei andere Autos gefahren, da war auch schon Rot, habe ich später auf einem Video gesehen", meinte er. Schon Hunderte Male habe der 30-Jährige die Stelle direkt bei der Werksausfahrt passiert, manchmal sei ein Zug nach der Nachtschicht gefahren, manchmal nicht.

Neun Jahre war er mit seiner Frau, die im selben Werk wie er arbeitete, verheiratet. Zusammen haben sie ein fünfjähriges Kind. Seit ihrem Tod gehe es ihm schlecht: "Ich versuche mein Kind aufzuziehen und weiterzuarbeiten", meinte er mit belegter Stimme vor Gericht. Er selbst hatte an der Unfallstelle reanimiert werden müssen. Seine Frau starb zwei Tage später an einem Hirntod. Ihr Schädel war zertrümmert, schilderte der Sachverständige.

Die überlebende Beifahrerin, eine Freundin der Familie und ebenfalls Kollegin, kann sich vor Gericht nicht mehr an den Unfall selbst erinnern: "Wir sind eingestiegen und es wurde noch etwas gesprochen, aber ich weiß nicht was." Danach fehle ihr die Erinnerung. Sie hatte unter anderem einen Schlüsselbeinbruch, eine Gehirnerschütterung und eine Lungenprellung erlitten. Noch heute hat sie manchmal Schmerzen, eine eingesetzte Metallplatte muss ihr erst wieder herausoperiert werden. Der Lokführer sowie der Zugbegleiter und zwölf Fahrgäste blieben unverletzt.

Der Richter bot dem bisher unbescholtenen Angeklagten eine diversionelle Einigung an: "Durch den Tod Ihrer Frau sind Sie selbst schwer betroffen. Es braucht aus meiner Sicht auch keine präventive Verurteilung. Sie waren übermüdet und haben den Zug einfach übersehen." Der 30-Jährige nahm das Angebot an und zahlt nun 1.800 Euro sowie 100 Euro für die Verfahrenskosten.

Quelle: APA

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