Österreich

Dritte Piste am Flughafen in London gekippt: Aktivisten fordern Umlenken auch für Wien

Während in London der Ausbau des Flughafens aus Klimaschutzgründen scheiterte, kämpfen die Umweltaktivisten in Österreich nach wie vor gegen die bereits genehmigte dritte Piste in Wien-Schwechat. WWF kritisiert: "Das Projekt muss auch in Österreich überdacht werden."

Die geplante dritte Piste am Flughafen London-Heathrow darf nicht kommen. Das vermeldeten am Donnerstag die britischen Medien. Laut Berufungsgericht dürfe das 18 Milliarden Dollar teure Projekt nicht gebaut werden, weil es weder mit den Klimaschutzverpflichtungen der Regierung noch mit dem Pariser Klimaschutzabkommen vereinbar sei.

Die dritte Piste in Wien-Schwechat ist genehmigt, jedoch nach wie vor umstritten. Die endgültige Entscheidung über den Bau der Piste werde in zwei bis drei Jahren nach betriebswirtschaftlichen Kriterien fallen, teilten die Sprecher des Flughafens, Julian Jäger und Günther Ofner, Ende Jänner mit. Die Politik könne da aber nicht mehr hineinreden, da das Großprojekt "unanfechtbar und endgültig genehmigt" sei und für den Bau keine Steuermittel nötig seien. Die Gemeinde Parndorf war vergangene Woche mit dem vermutlich letzten Gerichtsverfahren gegen die dritte Piste gescheitert.

WWF-Klimasprecher: "Das muss ein Weckruf für Österreich sein!"

Die Umweltschutzorganisation WWF fordert anlässlich dieses bahnbrechenden Urteils ein Umlenken in Österreich ein: "Das muss auch für ein Österreich ein lauter Weckruf sein", sagt Klimasprecher Karl Schellmann. "Der Bau der in Österreich bereits durchgeboxten dritten Piste muss von Politik und Flughafen nochmals überdacht werden." Neue Flughafenerweiterungen, Autobahnen und Schnellstraßen schadeten dem Klima. "Daher braucht es dringend einen unabhängigen und verpflichtenden Klimacheck, der klimaschädliche Fehlinvestitionen in Zukunft verhindert", sagt Schellmann. Angesichts der von der Bundesregierung angekündigten Klimaneutralität bis 2040 brauche es in allen Bereichen eine Trendwende.

XR zu Politik: "Sagt die Wahrheit!"

Auch die Klimabewegung Extinction Rebellion (XR) kritisiert den Ausbau des Wiener Flughafens. Am Donnerstag empfingen friedliche Protestler die Nationalratsabgeordneten mit klaren Botschaften vor der Parlamentssitzung: "Es ist kurz vor 12!" "Keine dritte Piste am Flughafen in Wien." Das Parlament sei in ihrer Funktion als Vertretung des Volks dazu verpflichtet, die Bevölkerung ehrlich und ungeschönt über den Stand der Forschung und den damit verbundenen Ernst der Lage zu informieren, schreiben die Rebellen in ihrer Aussendung am Donnerstag. Gesetzesänderungen, die dazu beitragen würden, Österreichs Nettoemissionen bis 2025 auf ein klimaneutrales Level zu verringern, seien durchzuführen. Schließlich fordert XR noch die Einrichtung von Bürgerinnen- und Bürgerversammlungen. Diese sollen für mehr Mitbestimmung am politischen Kurs des Landes sorgen.

Klimarebellen wollen Politiker wachrütteln

Auf Facebook schrieb der Nutzer Marcus Mod Donnerstagmittag auf der Seite von Extinction Rebellion Austria, die SPÖ-Politikerin Gabriele Heinisch-Hosek habe ihm mitgeteilt, dass mehr Flugverkehr unausweichlich sei und man da nichts dagegen tun könne. Dazu postete er die Meldung des britischen Mediums "The Guardian", dass der Flughafen in London Heathrow keine zusätzliche Piste bekomme.

XR wolle mit friedlichen Aktionen wie dieser dafür sorgen, dass die Klimapolitik die politische Agenda beherrsche. Severin Bachmayer, der Sprecher von XR Austria, schrieb: "Die innerstaatlichen Ziele der türkis-grünen Regierung, vor allem der Emissionsausgleich bis 2040, liegen weit hinter dem zurück, was laut dem aktuellsten IPCC-Bericht für jeden einzelnen Staat notwendig wäre, um die Erderwärmung auf 1.5°C im Vergleich zur vorindustriellen Temperatur zu begrenzen."

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.09.2020 um 12:16 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/dritte-piste-am-flughafen-in-london-gekippt-aktivisten-fordern-umlenken-auch-fuer-wien-84086848

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