Österreich

Ein Klo verwirrt die Salzburger

Die ÖBB haben ein sanitäres Pilotprojekt am Salzburger Hauptbahnhof gestartet. Im Mittelpunkt: Ein stiller Ort, der für Verwirrung sorgt.

Ein Klo verwirrt die Salzburger SN/sn
Dieses Schild kennt in Salzburg kaum jemand.

Das Piktogramm auf der Toilettentür wirft Fragen auf. Das Männchen erinnert an einen Skifahrer in der Abfahrtshocke. Eine Toilette für Sportliche also?

Die österreichischen Zugreisenden könnten mit dem Schild meistens nichts anfangen, sagt Zoran Tekiz, der für die Reinigung der WC-Anlage im neuen Salzburger Hauptbahnhof zuständig ist. "Aber wo ich herkomme, kennt das jeder", ergänzt der Serbe und öffnet die Tür zur Toilette.

Jetzt ist klar, worauf der vermeintliche Skifahrer hindeutet. Die Kabine ist mit einer Stehtoilette, auch Hocktoilette genannt, ausgestattet. Italien-Urlauber kennen diese Toiletten mit einer Art Becken auf dem Boden samt Klomuschel in der Mitte. Auch in Frankreich sind sie gang und gäbe. Die Notdurft wird im Stehen, oder eben in der Hocke verrichtet - was wie Skifahren kräftige Oberschenkelmuskeln erfordert.

Muslime wüssten die Anlage sehr zu schätzen, erklärt Tekiz. "In ihren Ländern sind Stehtoiletten üblich." Wer kein Klopapier benutzen wolle, könne zur Reinigung die seitlich angebrachte Dusche verwenden.

Einheimischen ist diese Art von Klo offenbar suspekt. "Viele schauen kurz hinein, machen die Tür aber gleich wieder zu und benützen eine der Nachbarkabinen", sagt Tekiz. Sie seien allesamt mit europäischen Sitzklos ausgestattet. Multikulturelles Örtchen
Die Entscheidung der ÖBB, auf dem Salzburger Hauptbahnhof für Damen und Herren je eine Flachtoilette zu installieren, habe einen multikulturellen Hintergrund, erklärt Christoph Posch von der ÖBB-Pressestelle Süd. "Wir möchten unseren muslimischen Fahrgästen eine für sie adäquate Toilette bieten." Man habe in Salzburg diesen Pilotversuch gestartet, weil gerade dort viele Gäste aus islamischen Ländern anzutreffen seien. In der Vergangenheit sei es immer wieder vorgekommen, dass muslimische Gäste ihre Notdurft auf der Klobrille stehend verrichtet hätten. Dadurch seien die Toiletten mitunter beschädigt worden.

In der Stadt Salzburg sind die Hocktoiletten einzigartig. Ein Stehklo? "Nein, so etwas gibt es in keiner der 24 öffentlichen Toilettenanlagen", sagt der zuständige Beamte Johann Geisler. Unbequem und deshalb schneller wieder frei
Wer sich im Internet auf die Suche nach den Vor- und Nachteilen einer Hocktoilette macht, stößt auf Erhellendes: Positiv sei, dass es keinen Kontakt zwischen der Haut des Benutzers und potenziell schmutzigen Oberflächen, etwa der Klobrille, gebe. Eine Hocktoilette sei außerdem billiger und biete gesundheitliche Vorteile "durch die anatomisch sinnvolle Streckung des letzten Dickdarmabschnitts beim Stuhlgang". Allerdings könne man bei Problemen mit dem Gleichgewicht ausrutschen. Ungeeignet sei diese Art von Toilette für Menschen mit Kniearthrose. Und: "Sie lädt durch die unbequeme Haltung weniger zum Verweilen ein."

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