Österreich

Ein starkes Zeichen der Solidarität

Zehntausende Menschen besuchten das Benefizkonzert am Wiener Heldenplatz für die Kriegsopfer der Ukraine. In Österreich sind seit dem Wochenende mehr als 35.000 Vertriebene registriert. Für 79 Waisenkinder war die Flucht höchste Zeit.

Unter dem Motto "YesWeCare" besuchten am Sonntag Zehntausende Menschen am Wiener Heldenplatz das bisher größte Ukraine-Benefizkonzert in Österreich. Der Eintritt war frei, jedoch wurden Spenden für die Kriegsopfer gesammelt. Der gesamte Betrag wird den Organisationen SOS-Kinderdorf und Nachbar in Not übergeben. Welche Geldsumme zusammengekommen ist, stand zunächst noch nicht fest. Für Sonntagabend waren noch ein großes Lichtermeer und eine Gedenkminute geplant.

Zu den Hauptdarstellern zählten Folkshilfe, Conchita Wurst, Wanda und Ina Regen, wie schon zuletzt im Happel-Stadion gab es auch eine Rede des Bundespräsidenten. Kurt Ostbahn musste wegen seiner Coronaerkrankung erneut absagen, er ist immer noch infektiös.

Am frühen Abend wurde eine Videobotschaft des ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlicht. Er wiederholte bekannte Forderungen an die internationale Staatengemeinschaft. "Nachdem Russland den Krieg begonnen hat, hatten wir nur eine Wahl: Zu kämpfen, und als freie Menschen am Leben zu bleiben", sagte ein im Halbdunkel stehender Selenskyj in seiner etwa dreiminütigen Ansprache.

Es sei schön, dass man es nach zwei Jahren Pandemie schaffe, sich gemeinsam solidarisch zu zeigen, sagte der für das Musikprogramm verantwortliche Clemens Freude. Als sich der russische Präsident Wladimir Putin dazu entschieden habe, in die Ukraine einzumarschieren, sei er zunächst geschockt gewesen und habe nicht gewusst, was er tun solle, schilderte Freude. Anschließend habe er an Musikprojekte gedacht und zahlreiche Gruppen und Interpreten aus der Pop- und Alternative-Szene für den guten Zweck gewonnen.

Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer wurden bereits aus ihrer Heimat vertrieben. Für viele von ihnen ist der Hauptbahnhof Wien Zwischenstation für eine Weiterreise in andere europäische Länder. In Österreich wurden bis Samstagabend bereits rund 35.000 Flüchtlinge registriert.

Da es immer wieder Kritik gab, dass die Erfassung nur schleppend voranschreite, versucht das Innenministerium die Registrierung ukrainischer Flüchtlinge weiter zu beschleunigen. Am Wochenende seien 95 zusätzliche Erfassungsmodule eingetroffen, die sofort an die Landespolizeidirektionen ausgeliefert worden seien. Insgesamt stünden nunmehr 225 mobile Registriergeräte österreichweit zur Verfügung. Am Montag sollen die ersten 1000 Ausweise an Flüchtlinge aus der Ukraine verschickt werden. Die ersten Karten werden seit Freitag von der Staatsdruckerei angefertigt. Diese sogenannte Blaue Karte gewährt neben dem Aufenthalt auch Zugang zum Arbeitsmarkt.

79 Waisenkinder und 28 Betreuerinnen aus der Ukraine sind in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf der Flucht nach fast 40 Stunden Fahrt über Polen und Tschechien in Österreich angekommen. Behörden hatten die NGO "kleine herzen", die sich für Kinder in der Ukraine und Russland engagiert, bei der Evakuierung unterstützt.

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