Österreich

Ein Wolf streifte in Kärnten gemächlich über die Skipiste

Wolfsbeauftragter will Situation genau beobachten. Wildtierexperte: "Völlig normales Verhalten."

Ohne Scheu, ohne Stress: Ein Wolf wandert über eine Skipiste im Kärntner Dreiländereck. SN/facebook
Ohne Scheu, ohne Stress: Ein Wolf wandert über eine Skipiste im Kärntner Dreiländereck.

Es ist die erste Wolfssichtung des Jahres 2020 in Österreich: Am Montag trabte Meister Isegrim gemächlich über eine Skipiste am Dreiländereck bei Arnoldstein in Kärnten. Menschen waren - bis auf den Fotografen - keine anwesend, Skilift und -piste außer Betrieb. Der Wolfsbeauftragte des Landes Kärnten, Roman Kirnbauer, meinte nach der Sichtung der Aufnahmen, es sei noch nicht hundertprozentig fix sei, dass es sich um einen Wolf handle. Aufgrund der äußerlichen Merkmale wie Statur und Fellfärbung sei es aber möglich. "Aktiv Losung suchen, um zu einer DNA zu kommen, tun wir aber nicht, das wäre wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagte Kirnbauer im SN-Gespräch.

Das Land Kärnten nimmt die Sache ernst. Man werde die Situation nun sehr genau beobachtet. Weil es vom Verhalten her untypisch sei, wenn sich ein Wolf so nahe an Menschen heranwagt. Sollte sich das Tier weiter zeigen, werde man versuchen, es zu vergrämen. "Dann werde ich sofort per Bescheid eine Ausnahme von den Schonvorschriften veranlassen", betonte Landesrat Martin Gruber (ÖVP).

Max Rossberg von der European Wilderness Society in Tamsweg versteht die Aufregung nicht. "Wölfe bevorzugen Skipisten oder Loipen, weil sie dort nicht einsinken und einen guten Überblick haben. Im Wald haben sie keinen. Sie suchen ja kein Futter. Sie wollen nur von A nach B. Wenn man etwa in Allentsteig, wo Österreichs einziges Rudel lebt, nach Wölfen sucht, wird man sie am ehesten in den Fahrspuren der Panzer finden."

Rossberg verweist auf den Fall eines aus Slowenien eingewanderten Wolfes, der am Silvesterabend 2011 durch Klagenfurt spaziert ist. "Was nun in Arnoldstein passiert ist, hat es alles schon mal gegeben." Dieser Wolf sei dann weitergezogen, bis er im Trentino, wo es wesentlich mehr Wölfe gibt, eine Partnerin gefunden und mit ihr ein Rudel gegründet hat. Dass es sich um untypisches Verhalten eines Wolfes handelt, wenn er sich in der Nähe des Menschen aufhält, kann der Wildtierexperte nicht nachvollziehen. "Das ist sogar völlig normal. In Deutschland tun das Tausende Wölfe jeden Tag." Allein im Bundesland Brandenburg gebe es 300 Wölfe. Viele von ihnen leben in der Nähe von Ansiedlungen. "Dennoch ist dort im Vorjahr die Zahl der Risse auf 300 zurückgegangen. Und die gab es ausschließlich bei ungeschützten Herden.

Für jene, die um ein friedliches Miteinander von Mensch und Wolf bemüht sind, hat das Jahr 2020 allerdings mit einer Schreckensmeldung begonnen. In Norwegen hatten am 1. Jänner, kurz nach Mitternacht, 180 Jäger vier Leitwölfe erschossen. Ein Gericht hatte noch am 31. Dezember die Genehmigung erteilt. "Erschütternd war jedoch, mit welcher Blutrünstigkeit sie an den Job herangegangen sind. Es war ein Erschießungskommando. Die Tiere hatten keine Chance und wurden anschließend wie Müll entsorgt. Abscheulich ist da gar kein Ausdruck", klagt Rossberg an. Norwegen toleriert nur zwei Rudel im Land, die sich in einer Zone aufhalten dürfen. Verlässt ein Tier dieses Gebiet, darf es geschossen werden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 22.01.2020 um 08:14 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/ein-wolf-streifte-in-kaernten-gemaechlich-ueber-die-skipiste-81978880

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