Österreich

Eine Million 1-Cent-Münzen am Stephansplatz: "Raising Hands"

Mitunter liegt das Geld auf der Straße - aber selten so kunstvoll angeordnet und fest miteinander verbunden wie bei der aus einer Million 1-Cent-Münzen zusammengeklebten "Raising Hands"-Skulptur, die am Dienstagmittag auf dem Wiener Stephansplatz vorgestellt wurde. Es handelt sich dabei um ein seit mehreren Jahren vorbereitetes partizipatives Kunstprojekt, das nun bis zumindest Mitte Juni seine Abschlusspräsentation in einem Eck der rechten Fassadenseite des Stephansdoms hat.

"Raising Hands": Toni Faber, Bgm. Michael Ludwig, Julia Bugram, Bez.Vst. Markus Figl (v.l.) SN/APA/Wolfgang Huber-Lang
"Raising Hands": Toni Faber, Bgm. Michael Ludwig, Julia Bugram, Bez.Vst. Markus Figl (v.l.)

Er selbst bücke sich ja auch für eine 1-Cent-Münze, versicherte Dompfarrer Toni Faber, der unter künstlerischer Assistenz persönlich beim Zusammenkleben von ein paar Dutzend Münzen Hand angelegt hatte und sich erleichtert zeigte, "dass meine Finger nicht kleben geblieben sind". Der Universalklebstoff Loctite 4070 von Henkel ist also offensichtlich zu empfehlen - und sorgt dafür, dass die 10.000 Euro Münzwert darstellenden künstlerisch verklebten Zahlungsmittel auch am Platz bleiben. Zum einfach Wegtragen ist die eineinhalb Meter hohe, drei Meter breite und zwei Meter Tiefe Skulptur, die zwei einander helfend verbundene Hände zeigt, auch ein wenig zu schwer: 2,3 Tonnen wiegen alleine die Münzen, inklusive Trägerkonstruktion und Podest dürfte sie sich auf zwischen drei und vier Tonnen summieren.

Die Gemeinschafts-Skulptur solle "solidarisches Handeln sichtbar machen" und ein "Hoffnungszeichen für Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung" setzen, sagte Künstlerin und Initiatorin Julia Bugram. Der Auftakt dazu wurde 2019 mit einer Crowdfunding-Kampagne gemacht, die 27.001 Euro einbrachte. Der Industrielle Hans Peter Haselsteiner legte in der Folge 70.000 Euro drauf. Um die Münzen in der notwendigen Menge aufzubringen, halfen die Raiffeisenbanken Baden. Die Realisierung, sprich das Bekleben von Plattenteilen nach angefertigten Plänen, erfolgte dann kollaborativ und während der Corona-Lockdowns teilweise auch in Heimarbeit. Über 3.800 Menschen beteiligten sich laut Presseunterlagen daran.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) erinnerte bei der Pressekonferenz an die lange Tradition von Kunst im öffentlichen Raum Wiens und sah in der Skulptur gerade in Zeiten des Ukraine-Kriegs "ein wichtiges Signal für Mitmenschlichkeit, Barmherzigkeit und Solidarität. Gerade jetzt kann Kunst uns Optimismus und Hoffnung vermitteln." Wenn es zu Diskussionen aufgrund des prominenten Aufstellungsplatzes kommen sollte, sei das nur gut: "Wenn es keine kontroversiellen Diskussionen über Kunst gibt, besteht die Gefahr, dass Kunst flach wird." "Raising Hands" dagegen "hat das Potenzial, ein zusätzliches Wahrzeichen unserer Stadt zu werden", zeigte sich Ludwig überzeugt.

Dompfarrer Toni Faber freute sich, dass die einander gegebenen Hände "ohne viel Erklärung" ihre Wirkung täten: "Sie ziehen uns sofort in ihren Bann - wie es große Kunst vermag." Er berichtete auch über den großen Zuspruch für die "Himmelsleiter"-Lichtskulptur am Dom, die deshalb noch einmal bis 13. Juni verlängert werde. Auch eine abermalige Verlängerung bis Weihnachten sei denkbar. Ob sich dann die "Raising Hands" noch immer am Stephansplatz erheben, ist allerdings nicht sicher. Sollte der Standort schließlich geräumt werden müssen, sei der Wiener Bezirk Alsergrund an einer Aufstellung höchst interessiert, sagte die Künstlerin.

(S E R V I C E - www.raisinghands.net)

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