Österreich

Einsatzkräfte nutzten zwischenzeitliche Wetterbesserung

Die Atempause aufgrund der Wetterbesserung haben die Einsatzkräften am Freitag genutzt, um unter anderem Eingeschneite aus ihrer misslichen Situation zu befreien, Lawinen zu sprengen, Straßen freizumachen, die Stromversorgung wieder herzustellen sowie Dächer und Bäume von der Schneelast zu räumen. Doch bereits für das Wochenende waren die nächsten ergiebigen Schneefälle vorausgesagt.

Feuerwehrleute bei der Schneeräumung in Annaberg SN/APA (NÖ LFKDO/Fischer)/MATTHIAS
Feuerwehrleute bei der Schneeräumung in Annaberg

Während sich die Lage in Tirol mit der Wetterbesserung zunehmend entspannte, blieb die Situation auf der Innsbrucker Nordkette noch etwas angespannt. Es konnten zwar erste Erkundungsflüge und zwei Probelawinensprengungen durchgeführt werden. Da dabei aber mehr Schnee mitabgegangen war, als erwartet, nahm die Stadt vor weiteren Sprengungen vorerst Abstand.

Die Fernpassstraße (B179) wird wegen der aktuellen Wetterprognosen vorsichtshalber gesperrt. Die Sperre, die den Abschnitt zwischen Bichlbach und Lermoos betreffe, werde Freitag um Mitternacht in Kraft treten und laut derzeitigem Stand bis Dienstag 19.00 Uhr aufrecht bleiben, sagte ein Sprecher des ÖAMTC der APA. Grund dafür sei die derzeitige Wetterprognose mit den vorhergesagten, massiven Schneefällen.

In Galtür im Tiroler Paznauntal, Schauplatz des verheerenden Lawinenunglücks von 1999, ist man unterdessen weit von einer Alarmstimmung entfernt. "Bei uns liegt die jahreszeitübliche Schneemenge. Das gilt nicht nur für den Ort selber, sondern auch für höhere Lagen", sagte Bürgermeister Anton Mattle im Gespräch mit der APA.

In Niederösterreich standen am Freitag drei Katastrophenzüge der Feuerwehr im Einsatz. Sie waren nach Mitterbach am Erlaufsee, Annaberg und St. Aegyd am Neuwalde im Bezirk Lilienfeld entsandt worden, teilte Franz Resperger vom Landeskommando mit. Insbesondere Hausdächer mussten von teils immenser Schneelast befreit werden. In St. Aegyd etwa sei es um 27 Objekte gegangen.

Am Hochkar wurden am Freitag mehrere Lawinen von einem Bundesheer-Hubschrauber aus gesprengt. Weiters habe ein Sachverständiger nach einem Erkundungsflug in einem Helikopter des Innenministeriums die Freigabe erteilt, dass die Straße ins Skigebiet freigeräumt werden kann, sagte der Bürgermeister von Göstling. Die Arbeiten sollten spätestens am Samstag starten. Wann der Skibetrieb am Hochkar wieder aufgenommen werden kann, war vorerst nicht genau absehbar. Um die Pisten zu präparieren, brauche es mindestens zwei bis drei Tage, hieß es.

Die Skigebiete Lackenhof am Ötscher (Bezirk Scheibbs) und Gemeindealpe Mitterbach (Bezirk Lilienfeld) werden unterdessen am Samstag wieder aufsperren. Ein Teil der Anlagen werde geöffnet, hieß es. Auch die Maiszinken-Lifte in Lunz/See (Bezirk Scheibbs) werden am Wochenende in Betrieb sein. Die Skigebiete blieben zuletzt wegen Bäumen, die unter der Schneelast umgestürzt waren, und Lawinengefahr geschlossen.

Bei der Suche nach zwei seit dem Wochenende vermissten Tourengehern brachte ein Hubschrauber-Einsatz am Freitag in Hohenberg (Bezirk Lilienfeld) nicht den erhofften Erfolg. Die beiden Männer konnten nicht geortet werden, berichtete Michael Hochgerner von der Alpinpolizei. "Die Suche wurde auf unbestimmte Zeit unterbrochen, bis sich die Wetterverhältnisse bessern und die Lawinengefahr sinkt."

Die Lawinengefahr in den Ybbstaler Alpen wurde am Freitag auf 4 zurückgestuft. Als groß galt sie auch im Rax-Schneeberggebiet über 1.500 Metern Seehöhe.

In Thalgau im Salzburger Flachgau stürzte am Freitagvormittag ein Teil des Blechdaches einer Transportfirma unter der Schneelast ein. Der Schaden hielt sich nach Angaben der Feuerwehr in Grenzen. Verletzt wurde niemand. Rund 350 Gäste des Berghotels Rudolfshütte im Gemeindegebiet von Uttendorf (Pinzgau) wurden am Freitag vorzeitig ins Tal gebracht.

Aktuelle Warnstufen (Stand: Freitag, 11. Jänner 2019, 9 Uhr). SN/APA
Aktuelle Warnstufen (Stand: Freitag, 11. Jänner 2019, 9 Uhr).

Das lang ersehnte Wetterfenster wurde am Freitag in Salzburg für Erkundungsflüge, "Downwash-Einsätze" und Lawinensprengungen genutzt. Bis zu zwölf Hubschrauber stiegen in die Luft. Die Lawinensituation war noch angespannt, es herrschte verbreitet Warnstufe vier der fünfstufigen Skala. Am Sonntag und Montag sollte die Lawinengefahr wegen starker Schneefälle markant ansteigen.

"Lawinen können ganz leicht ausgelöst werden", warnte Michael Butschek vom Lawinenwarndienst Salzburg. Wegen eines Abgangs nahe der Tauernautobahn beim Ofenauertunnel wurde zu Mittag die A10 im Bereich Pass Lueg in beiden Fahrtrichtungen vorübergehend gesperrt. Verletzt wurde ersten Informationen zufolge niemand. Im Laufe des Nachmittags musste immer wieder mit kurzfristigen Sperren gerechnet werden.

Einige Gebirgsstraßen sowie die Bahnstrecke am Pass Lueg und zwischen Saalfelden und Hochfilzen waren ebenfalls weiterhin unpassierbar. Aus Sicherheitsgründen blieben auch 33 Schulen geschlossen. Entspannt hat sich die Lage bei der Stromversorgung, sie war am Freitagfrüh wieder weitgehend hergestellt - laut Salzburg AG waren rund 200 Kunden ohne Strom.

Die Bahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Golling-Abtenau (Tennengau) und Werfen (Pongau) bleibt aufgrund der hohen Lawinengefahr bis aus weiteres komplett gesperrt. Die ÖBB-Lawinenkommission hat am Freitag einen Erkundungsflug am Pass Lueg durchgeführt und festgestellt, dass in den Hängen über den Gleisen sehr große Schneemengen liegen. Wie lange die Sperre aufrecht bleibt, lasse sich momentan nicht abschätzen. Die ÖBB haben einen Schienenersatzverkehr eingerichtet

Die B99 von Untertauern ins Skigebiet Obertauern, wo gestern rund 6.000 Personen festsaßen, wurde am Freitag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben. Rund 350 Gäste des Berghotels Rudolfshütte im Gemeindegebiet von Uttendorf (Pinzgau) wurden am Freitag vorzeitig ins Tal gebracht.

In Oberösterreich standen die Zeichen zumindest vorübergehend auf Entspannung: Die Lawinenwarnstufe in den alpinen Bereichen wurde auf vier zurückgesetzt. Da sich auch das Wetter besserte und Flüge zuließ, tat sich ein Fenster auf, um die Lawinensituation aus der Luft zu begutachten, Lawinen abzusprengen und Personen zu evakuieren - so barg das Bundesheer eine 66-köpfige deutsche Schülergruppe, die am Hochberghaus festgesessen war.

Allein im Pyhrngebiet waren am Freitag rund 300 Soldaten, Feuerwehrleute und Polizeischüler im Einsatz, um Dächer abzuschaufeln - eine gefährliche Arbeit, denn nachdem am Donnerstag ein Teil eines Firmengebäudes in Rosenau eingestürzt war, brach am Freitag ein Stadeldach unter den Schneemassen zusammen. Die Straßenmeistereien waren unterwegs, um die zuletzt 35 witterungsbedingten Sperren auf den insgesamt 6.000 Kilometern Landesstraßen in Oberösterreich wieder zu beseitigen. So waren ab Nachmittag Obertraun und Hallstatt wieder auf der Straße zu erreichen, nach Gosau konnte man aber weiterhin nur von Salzburg aus gelangen. Bereits seit Donnerstagabend kann man wieder in das Ortszentrum der Mühlviertler Gemeinde St. Leonhard gelangen. Die Gutauer Landesstraße war für den Verkehr wieder freigegeben.

In der Obersteiermark wurden am Freitag immer mehr gesperrt gewesene Straßen - zumindest kurzzeitig - für den Verkehr freigegeben. Eine Aufhebung der Sperre für das seit dem Wochenende abgeschnittene Sölktal war zwischen 15.00 und 17.00 Uhr geplant, hieß es laut Büro von Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ). LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP) besuchte am Freitag betroffene Bürgermeister. Polizei und Bundesheer begannen am Freitag in der Obersteiermark bei besserem Wetter mit Erkundungs- und Evakuierungsflügen.

Mittlerweile haben die Behörden auch entschieden, die Sperre in Schladming ins Ober- und Untertal wieder freizugeben. Freitagvormittag war indessen bei Hieflau eine größere Lawine abgegangen, deren Kegel über die gesperrte Gesäusestraße (B146) bis in die Enns reichte. Häuser und Menschen waren nach ersten Informationen nicht betroffen. Die Sperre aus Sicherheitsgründen hatte damit absolute Berechtigung, hieß es seitens der Behörden.

Hohentauern war unterdessen ab Freitagnachmittag wieder erreichbar. Im Bereich "Brodjäger-Sunk" wurde eine Lawine abgesprengt. Der Grimming konnte nicht beflogen werden. Bisher standen knapp 1.500 Feuerwehrleute in der Steiermark im "Schnee-Einsatz".

In Vorarlberg entspannte sich die Lawinengefahrensituation aufgrund der Wetterberuhigung am Freitag etwas. In höheren Lagen im Kleinwalsertal, im hinteren Bregenzerwald und im Arlberggebiet bestand aber weiter große Lawinengefahr der Stufe 4. Die Lage blieb weiter heikel, vor allem in neuschneereichen Gebieten, so die Landeswarnzentrale. Für Freitagabend wurde wieder Schneefall prognostiziert. Nach einer Wetterbesserung am Samstag waren ab der Nacht auf Sonntag neuerlich ergiebige Schneefälle zu erwarten. Die Lawinengefahr steige damit ab Sonntag wieder an, mahnte die Landeswarnzentrale.

In Kärnten herrschte am Freitag entlang der Landesgrenze zu Salzburg weiterhin Lawinenwarnstufe vier. Stürmischer Wind hatte hier am Donnerstag erneut für abgeblasene Geländeteile und störanfällige Triebschneeablagerungen gesorgt. Für Samstag wurden wieder ausgedehnte Wolken prognostiziert, später könnte es erneut Schneeschauer geben. Was die Lawinengefahr angeht, so wurde ein leichter Rückgang vorhergesagt.

Quelle: APA

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