Österreich

Erhöhte Migration führt zu Anstieg beim Menschenhandel

Die österreichische Task Force zur Bekämpfung des Menschenhandels hat bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit der OSZE neue Entwicklungen diskutiert.

Erhöhte Migration führt zu Anstieg beim Menschenhandel SN/APA/ERWIN SCHERIAU
Christoph Pinter sprach sich für die Schaffung legaler Fluchtwege aus.

Durch die steigenden Migrationsbewegungen steige auch der Menschenhandel, warnte Christoph Pinter, Leiter des UNHCR Österreich, am Freitag in der Wiener Hofburg und sprach sich für die Schaffung legaler Fluchtwege aus.

"Menschenhandel ist oft verbunden mit Vertreibung und Flucht", sagte Pinter. "Solange es mehr Maßnahmen zur Grenzsicherung als legale Fluchtwege gibt, wird das zu mehr Schlepperei und damit mehr Menschenhandel beitragen", so Pinter. "Schlepperei ist ein Delikt gegen den Staat, Menschenhandel ist eine Menschenrechtsverletzung. In der Praxis ist oft nur ein schmaler Grad zwischen den beiden", sagte auch Elisabeth Tichy-Fisslberger, nationale Koordinatorin zur Bekämpfung des Menschenhandels. Sie betonte, dass es sich dabei "keineswegs um ein Problem in weit entfernten Ländern handelt, sondern auch in OSZE-Ländern wie Österreich" passiere. Der Kampf gegen den Menschenhandel werde auch ein besonderes Anliegen Österreichs sein, wenn es 2017 den Vorsitz der Organisation übernimmt, kündigte sie an.

"Menschenhandel ist die moderne Form der Sklaverei und eine ernsthafte und transnationale Bedrohung für Sicherheit und Wohlstand", sagte OSZE-Sonderbeauftragte Madina Jarbussynova. Obwohl die nationalen Behörden inzwischen besser über die kriminellen Netzwerke informiert seien, entwickelten sich diese weiter und würden immer größer.

"Ich denke, dass die neuen Dimensionen gerade seit letztem Jahr auch uns in Europa und in Österreich betreffen", sagte Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP). Die erhöhte Migration habe zu einer "Beschleunigung des Menschenhandels" beigetragen. Derzeit gebe es in Österreich keinen Verdachtsfall, dass Frauen und Kinder, die aus Ländern der aktuellen Flüchtlingsbewegungen stammen, Opfer von Menschenhandel seien, sagte jedoch Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung von Schlepperkriminalität und Menschenhandel im Bundeskriminalamt. Er sei allerdings davon überzeugt, dass sich das in Zukunft ändern werde, meinte er.

Tazgern betonte, dass auch jene Menschen Verantwortung tragen, die beispielsweise keine Bedenken hätten, eine besonders günstige Putzfrau zu beschäftigen oder diese weiterzuvermitteln. "Es soll sich niemand sicher fühlen, der eine billige Putzfrau weitervermittelt", meinte Tatzgern. Damit mache man sich zumindest abgabenrechtlich strafbar, und man könne sogar strafrechtlich verfolgt werden, wenn man Teil des Ausbeutungsprozesses wird.

Die Task Force zur Bekämpfung des Menschenhandels wurde 2004 gegründet und steht unter der Leitung des Außen- und Integrationsministeriums. In ihr arbeiten Vertreter aller sachlich zuständigen Ministerien, der Bundesländer, der Sozialpartner und von Nichtregierungsorganisationen zusammen.

Quelle: APA

Aufgerufen am 26.09.2018 um 04:34 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/erhoehte-migration-fuehrt-zu-anstieg-beim-menschenhandel-950770

Schlagzeilen