Österreich

Ex-Bankangestellter wegen Veruntreuung in Graz vor Gericht

Ein ehemaliger Bankangestellter soll als Kundenbetreuer der Hypo Steiermark rund 2,7 Millionen Euro von Kundenkonten abgezweigt und in die eigene Tasche gesteckt haben. Am Montag musste er sich wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue in Graz vor Gericht verantworten. Er war bisher nur teilweise geständig und sprach von "Überlastung".

"Dieser Fall ist kein alltäglicher. Hier geht es um finanziellen Ruin, zerstörte Existenzen, zerstörte Träume und hohe kriminelle Energie", begann Staatsanwalt Christian Kroschl. Er schilderte, dass der 42-jährige Angeklagte als Kundenbetreuer seiner Bank "nur seine eigenen Träume verwirklicht hat." Dazu soll er auf die Namen seiner Kunden Konten eröffnet und Kredite beantragt haben, von denen diese gar nichts wussten. Dazu verwickelte er sie in ein Gespräch, lenkte sie dadurch ab und legte ihnen dabei ganz nebenbei mehrere Schriftstücke vor, die diese unterzeichneten.

"Er hat das Vertrauen seiner Kunden schamlos ausgenützt", formulierte der Ankläger. Falls das nicht klappte, fälschte er sogar die nötigen Unterschriften. Das ist der einzige Punkt, in dem der Ex-Banker geständig ist. Allerdings will er das nur aus "Arbeitsüberlastung" - und weil die Kunden oft Kreditanträge nicht schnell genug zurückgeschickt hätten - getan haben.

Von 2006 bis Ende 2010 soll er auf diese Weise rund 2,7 Millione Euro auf die Seite geschafft haben. Er kaufte sich ein Haus und Autos, für die nun andere bezahlen. Die Bank bestand auf Rückzahlung der Kredite, obwohl manche Kunden angaben, nichts von dem Kredit oder nichts über die wahre Höhe gewusst zu haben. "Die Kunden mussten Schulden, die sie nicht verursacht haben, zurückzahlen, und verloren oft alles," beschrieb Staatsanwalt Kroschl die Auswirkungen.

Die Verteidigerin erklärte, es seien "massive Widersprüche in den Aussagen der Zeugen" zu finden. Ihren Ausführungen zufolge hätten sich viele der "Interessensgemeinschaft Geschädigte" angeschlossen, obwohl sie in Wirklichkeit gar nicht betroffen gewesen seien. Der 42-Jährige hatte zu Spitzenzeiten rund 1.500 Kunden betreut: "Er war überfordert, aber er ist nicht kriminell geworden", betonte die Anwältin.

Der Angeklagte selbst bekannte sich nur zum Fälschen der Unterschriften schuldig. 2008 wechselte er von Graz nach Leibnitz "und dort war der Druck viel größer", erzählte er. "Deswegen ist es auch zu Fehlern gekommen wie mit den Unterschriften", meinte der Befragte. "Das kann man nicht als Fehler bezeichnen", warf Richterin Susanne Haas ein. "Im Nachhinein war es ein Fehler", präzisierte der Beschuldigte. Er betreibt jetzt mit seiner Frau eine Tankstelle.

Der Prozess wurde zunächst für drei Tage anberaumt. Da aber alle Fälle genau überprüft werden sollen, dürfte ein Urteil noch dauern.

Quelle: APA

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