Österreich

Frost im April: Klirrende Kälte in der Nacht hält weiter an

Meteorologen sprechen von überaus seltenem Wetterphänomen. Bei den Obstbauern wächst die Angst vor schweren Ernteausfällen.

Neue Kälterekorde für April SN/APA (AFP)/THOMAS KIENZLE
Neue Kälterekorde für April

Hohenau an der March ist eigentlich für seine Hitzerekorde bekannt. Im August 2017 wurden in der Gemeinde im östlichen Weinviertel 38,6 Grad gemessen. Doch in der Nacht auf Mittwoch fielen dort die Temperaturen auf minus 7,4 Grad - der tiefste Aprilwert seit 1947. Damals begann die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Hohenau zu messen. An sieben weiteren Orten war es im April noch nie so kalt wie in der ersten Aprilnacht 2020. Spitzenreiter waren die minus 10,3 Grad von Bad Bleiberg in Kärnten, wo bereits seit 1938 gemessen wird.

Verwundert zeigte sich ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik: "Temperaturen knapp unter null Grad sind Anfang April selbst in den tiefen Lagen nicht ungewöhnlich und kommen unterhalb von 800 Meter Seehöhe statistisch gesehen alle zwei bis drei Jahre vor". Dass es jedoch derart stark abkühlt, sei überaus selten. Bestes Beispiel: Gars am Kamp im Waldviertel, lediglich 273 Meter hoch gelegen - trotzdem minus zehn Grad.

Für einige Obstkulturen sind Nächte wie jene auf Mittwoch sehr gefährlich. "Das Steinobst hat schon geblüht oder blüht gerade", sorgt sich Josef Siffert von der Landwirtschaftskammer. Darunter fallen 822 Hektar Marillen (576 Hektar allein in NÖ), 277 Hektar Kirschen (126 davon in der Steiermark), 180 Hektar Pfirsiche und Nektarinen (140 in der Steiermark) sowie 202 Hektar Zwetschgen (114 in der Steiermark).

"Eine Frostnacht kann eine Blüte schon aushalten. Aber zwei, drei oder mehr womöglich nicht", sagt Siffert im Hinblick auf die Prognose: Denn die Nacht auf Donnerstag dürfte ähnlich eisig verlaufen. Erst danach hält laut ZAMG langsam Erwärmung Einzug.

Klimatologe Orlik erklärt, warum es derzeit so kalt ist: "Es spielen mehrere Faktoren zusammen. In den vergangenen Tagen strömte polare Kaltluft nach Österreich. Außerdem war es großteils windstill und wolkenlos. Ohne Wolken kühlt die Wärme des Erdbodens ungehindert ins Weltall aus. Und ohne Wind können sich mildere und kältere Luftmassen nicht mischen."

Wie hoch die durch Frost entstandenen Schäden seien, könne man noch nicht beziffern, erklärt Josef Siffert von der Landwirtschaftskammer: "Es ist noch zu kalt. Wir brauchen ein paar warme Tage. Dann sieht man, was überlebt hat und was nicht." Dass es Schäden gibt, stehe definitiv fest. Und das Zittern ist noch nicht vorbei: "Frostnächte kann es bis zu den Eisheilgen geben." Den Obstbauern steht also bis zum 15. Mai wohl noch so manch bange Nacht bevor.

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