Österreich

Fünf Tote bei Freizeitunfällen am Tag: Handy oft Auslöser

Während die Unfallzahlen auf Österreichs Straßen sinken, steigen jene im Haushalt und in der Freizeit massiv an. Was moderne Technik damit zu tun hat.

Ob im Auto oder außerhalb – das Handy lenkt ab und Unfälle können passieren. SN/APA (Symbolbild/dpa)/Monika Skol
Ob im Auto oder außerhalb – das Handy lenkt ab und Unfälle können passieren.

Dank Gurt- und Helmpflicht sind Österreichs Straßen in den vergangenen Jahren sicherer geworden. Unfallzahlen sinken. Indes sterben durchschnittlich fünf Menschen an jedem Tag bei Unfällen, die sich zu Hause, in der Freizeit oder beim Sport ereignen.

2504 Unfallopfer gab es 2017 insgesamt zu beklagen, drei Viertel (1978) starben bei Vorfällen daheim oder in der Freizeit. Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, ist das ein Plus von 16 Prozent. 784.300 Personen wurden 2017 bei Unfällen verletzt, davon 589.800 in den Bereichen Haushalt oder Freizeit. Den geringsten Anteil hatte der Verkehr mit zehn Prozent, gefolgt von Arbeit und Schule mit 15 Prozent. Freizeitunfälle summierten sich auf 36, Haushaltsunfälle gar auf 39 Prozent. Das erklärte die Vorstandsvorsitzende der Vienna Insurance Group und Vizepräsidentin des Roten Kreuzes, Elisabeth Stadler, am Dienstag in Wien.

Vor einem Phänomen kann der beste Helm nicht schützen: Ablenkung - oft durch das Smartphone. Dieses bezeichnete Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), als besondere Gefahrenquelle. "Nicht nur im Auto ist es unglaublich gefährlich, das Handy zu nutzen. Viele Kinder der ,Generation Smartphone' sitzen und liegen lieber auf Sesseln und Sofas herum, statt beim Spielen draußen Körper und Muskeln zu kräftigen." Das habe zur Folge, dass Mädchen und Buben immer seltener balancieren können, was wiederum Probleme beim Radfahren verursache, kritisierte er.

Dass die Unfälle in der Freizeit steigen, liegt laut KFV-Direktor auch an moderner Technik. Neben dem Handy nennt er E-Bikes, mit denen Senioren gerne fahren. Frauen und Männer jenseits der 65 Jahre werden so zur Risikogruppe. Sie sind sportlich aktiver als noch vor zehn Jahren. Sie wandern - oder fahren mit Elektrofahrrädern. Thann fügte hinzu: "Menschen werden immer älter, Volkskrankheiten wie Osteoporose nehmen zu. Dazu kommen Bewegungsmangel und Übergewicht." Diese Kombination sei daran Schuld, dass leichte Stürze zu großen Beeinträchtigungen im Alter führen können.

Auf Basis einer neuen Studie geht das KFV davon aus, dass die Zahl der Freizeit- und Sportunfälle in Zukunft markant ansteigen - wenn nicht durch Präventionsmaßnahmen gegengesteuert wird. "Für das Jahr 2035 könnte das schon 100.000 Unfälle pro Jahr mehr bedeuten", sagte Thann. Von der Politik forderte er eine aufschlussreiche Statistik. Freizeit- und Sportunfälle werden derzeit noch gemeinsam erfasst. Exakte Daten seien für die Unfallforschung notwendig.

Tödliche Unfälle in Österreich, Prognos bis 2035. SN/apa
Tödliche Unfälle in Österreich, Prognos bis 2035.

Schauplatzwechsel nach Niederösterreich: Dort ist Matthias Amon Ausbildungsleiter beim Roten Kreuz. Er berichtet, dass der Verbandskasten im Auto bei Unfällen daheim gute Dienste leisten kann. "Kühlen Sie Verbrennungen mit handwarmem Wasser. Legen Sie eine sterile Wundauflage auf und wickeln Sie einen lockeren Verband herum", rät der Experte. Bei starken Blutungen sei viel Druck auf die Wunde wichtig, mit Fingern, Handballen oder Faust. "Vergessen Sie zum Eigenschutz nicht auf Handschuhe. Verwenden Sie notfalls ein Plastiksackerl und rufen Sie immer die 144", sagt er.

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