Österreich

Für Blutspenden darf man das Haus verlassen

In Deutschland und Italien gibt es bereits Engpässe bei Blutkonserven. Viele Menschen sind verunsichert: Dabei ist eine Ansteckung beim Blutspenden praktisch ausgeschlossen.

Blut zu spenden ist auch weiterhin möglich. SN/robert ratzer
Blut zu spenden ist auch weiterhin möglich.

"Derzeit sind unsere Lagerstände ausreichend gefüllt", heißt es aus der Zentrale des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK). Nachsatz: "Die Menschen sollten bei ihren notwendigen Wegen - das beinhaltet ja auch, anderen zu helfen - das Blutspenden miteinplanen. Bitte aber allein kommen - nicht in Gruppen oder mit Kindern." Gefragt sind vor allem gesunde Personen. "Die Sicherheit beim Blutspenden ist bei einer gewissenhaften Beantwortung des zugehörigen Fragebogens gewährleistet - darin werden Krankheitssymptome vier Wochen rückwirkend abgefragt. Personen, die in den vergangenen Tagen in einem Coronarisikogebiet im In- oder Ausland waren, werden derzeit nicht zum Spenden zugelassen", sagt Ursula Kreil, Transfusionsmedizinerin und Leiterin der Blutabnahme beim Roten Kreuz.

SARS-CoV-2 nicht über Bluttransfusion übertragbar

Nach dem Spenden folgt der Hinweis, sich zwei Wochen lang zu melden, sollte in diesem Zeitraum ein Hinweis auf einen Infekt auftreten. Je nach Situation werden in diesem Fall weitere Sicherheitsmaßnahmen und spezielle Testungen überlegt. Ein Test des Bluts auf Coronaviren ergibt der ÖRK-Expertin zufolge keinen Sinn und wird auch nicht durchgeführt. "Nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind Coronaviren nur bei sehr wenigen Infizierten und in diesen Fällen oft auch in kaum nachweisbarer Menge überhaupt im Blut vorhanden. Eine Testung des Bluts ist deshalb nicht sinnvoll", betont Ursula Kreil. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass SARS-CoV-2 über Bluttransfusionen verbreitet werden könnte.

Engpässe bei Blutkonserven in Italien und Deutschland

Während in Österreich die Rückgänge bei Blutspendern noch kaum spürbar seien, verzeichneten die Nachbarländer Italien und Deutschland bereits dramatische Engpässe bei Blutkonserven. In Italiens Krisengebieten bringt die Heimisolierung der Menschen das Versorgungssystem an seine Grenzen. In Deutschland sind Blutspenden komplett anders organisiert als hierzulande. Hortet und verteilt in Österreich das Rote Kreuz alle Blutkonserven, so gibt es in Deutschland verschiedene private Anbieter. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist nur für die Versorgung der Patienten in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zuständig. Der tägliche Bedarf beträgt 3500 Blutspenden. "Sollten über eine Woche lang nicht genügend Blutspenden eingehen, wäre die Patientenversorgung innerhalb kurzer Zeit nicht mehr abzusichern. Der Grund ist die kurze Haltbarkeit einiger Blutpräparate", warnt der DRK-Blutspendedienst West.

Warnung vor Fake News im Internet

Blutplasma sei zwar länger lagerfähig, die Thrombozyten (Blutplättchen) hingegen nur vier bis fünf Tage einsetzbar. Eine denkbare Folge bei fehlenden Konserven wäre die Verschiebung geplanter Operationen für einen längeren Zeitraum - vor allem Krebspatienten während einer Chemo- bzw. Strahlentherapie wären besonders in Gefahr.
Das Rote Kreuz warnt davor, dass sich die Fälle häuften, in denen in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder auch über WhatsApp gezielt Falschmeldungen in die Welt gesetzt würden. Dadurch entstünden Ängste und Unruhe und in der Folge Engpässe.

Aufgerufen am 29.11.2021 um 12:00 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/fuer-blutspenden-darf-man-das-haus-verlassen-85038553

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