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Fußballer nach Attacke von Fan schwer verletzt

Massenschlägerei in der Wiener Unterliga: Ein Zuschauer trat einem Spieler auf den Kopf. Dieser brach bewusstlos zusammen.

In der Wiener Unterliga wurde aus einem Fußballspiel eine Massenschlägerei.  SN/GEPA pictures
In der Wiener Unterliga wurde aus einem Fußballspiel eine Massenschlägerei.

Es waren noch wenige Minuten bis zur Pause zu spielen, der Penzinger SV lag im Auswärtsspiel der 1. Klasse A gegen GS United 2:0 voran. Was dann geschah, hatte - wie es in solchen Fällen im Sportjargon heißt - mit Fußball nichts mehr zu tun.

"Es war abseits vom Spielgeschehen, ein Spieler vom Gegner ist auf einen von uns losgegangen. Daraufhin entstand ein Tumult", beschreibt Helmut Cesnek, Trainer des Penzinger SV, den Moment, in dem das Spiel eskalierte. Laut Polizeibericht hat dann ein "derzeit noch unbekannter Zuschauer" einem am Boden knienden Spieler ins Gesicht getreten. Der 28-jährige Kicker brach daraufhin bewusstlos zusammen und kam erst wieder zu sich, als der Rettungshubschrauber vom Sportplatz in der Heuberggstättenstraße in Favoriten abhob.

Der 28-Jährige wurde in künstlichen Tiefschlaf versetzt und erst wieder in der Nacht auf Montag aufgeweckt. "Er ist ansprechbar, mehr weiß ich noch nicht", ist Trainer Cesnek ebenso geschockt wie der restliche Verein. "Es herrschte eine sehr gedrückte Stimmung in der Kabine. Wir haben Spieler in der Mannschaft, die sind 17 Jahre alt, die nimmt das natürlich besonders mit." Er, Cesnek, sei seit mehr als 30 Jahren im Fußball, "aber in der Art und Weise habe ich so etwas noch nicht erlebt". Rund 30 Personen sollen beteiligt gewesen sein, was einem Gutteil der Anwesenden entspricht, denn laut der Internetseite des Wiener Fußballverbands (WFV) wohnten dem Spiel 25 Zuschauer bei. Von einer Schubserei könne nicht die Rede sein, sagt Cesnek, es seien die Fäuste geflogen.

Mahmut Tektürk, Obmann des GS United, widerspricht den Wahrnehmungen seines Gegners: "Niemand von den Zuschauern hat hingeschlagen, das ist Schwachsinn. Wir haben das auf Video."

Video wird von Polizei ausgewertet

Dieses Video wurde von Beamten des Stadtpolizeikommandos Favoriten sichergestellt. Nun laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der absichtlich schweren Körperverletzung und des Raufhandels gegen mehrere Beteiligte. Das Bildmaterial, mittels dessen man den Tathergang konstruieren könnte, sei noch nicht ausgewertet, hieß es seitens der Polizei am Montag.

Bestürzung herrscht auch beim WFV. Vizepräsident Johannes Dobretsberger sprach von einem Vorfall, der "auf einem Sportplatz nichts zu suchen hat". Nun gelte es den Sachverhalt genau zu prüfen. "Es gibt Ordnerdienste bei einem Spiel, dafür hat der Heimverein zu sorgen. Aber von denen wird ja nicht verlangt, dass sie ihr Leben riskieren", erklärte Dobretsberger.

Was am Sonntagnachmittag auf der Franz-Hölbl-Anlage passierte, wird neben strafrechtlichen wohl auch sportliche Konsequenzen nach sich ziehen. "Wir haben am Mittwoch unsere wöchentliche Sitzung, an der auch der Strafausschuss teilnimmt", sagt der WFV-Vize, der von einem "außerordentlichen Fall" spricht.

Für den Penzinger SV gehe es nun darum, das Geschehene zu verarbeiten. "Wir treffen uns am Montag am Platz, um die Sache gemeinsam zu verarbeiten und aus den Köpfen rauszukriegen", sagt Trainer Helmut Cesnek. "Man soll ja schnell wieder aufs Pferd, nachdem man abgeworfen wurde." Über den Gegner GS United will er nicht schlecht reden. "Nur so viel: Den besten Ruf haben sie nicht."

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