Österreich

Gasexplosion in einem Wohnhaus in Wien war kein Unfall

Zwei Tote und 15 zum Teil schwer verletzte Bewohner hatte die Gasexplosion eines Wohnhauses in Wien am 26. Juni gefordert. Vermutungen über die Unglücksursache gab es von Beginn an.

Mann riss Nachbarin mit in den Tod SN/APA/KEVIN HOFMANN
Mann riss Nachbarin mit in den Tod

Die Erschütterung war noch in einigen hundert Metern Entfernung wahrgenommen worden, als eine Gasexplosion am 26. Juni in Wien-Wieden ein mehrstöckiges Haus teilweise zum Einsturz brachte. Tags darauf wurde die Leiche einer 29-jährigen Frau, Mutter von zwei Kindern, entdeckt. Wenige Stunden später auch jene eines Mannes. Zudem wurden 15 Bewohner teilweise schwer verletzt.

Zweieinhalb Monate später steht nun fest: Bei dem männlichen Toten handelt es sich um einen 22-Jährigen, der das Anschlussrohr in der Küche seiner Wohnung in der Preßgasse manipuliert hatte. Dadurch konnte ungehindert Erdgas in die Räumlichkeiten strömen. "Die Zündung erfolgte womöglich durch einen Schaltfunken oder durch offenes Feuer. Der mutmaßliche Verursacher kam dabei ums Leben", ließ die Wiener Polizei am Mittwoch verlauten. Sprich: Es handelte sich um einen Suizid. Der junge Mann habe sich in einer verzweifelten Lebenssituation befunden. Hinzu kamen massive Geldprobleme.

Bereits unmittelbar nach der Explosion begann die Ursachenermittlung. Ein Defekt der Gaszufuhr wurde von den Verantwortlichen kategorisch ausgeschlossen. Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) betonte, die letzte Überprüfung der Gasleitungen des Hauses habe von 2017 bis 2018 durch einen Installateur stattgefunden. Bis zur Explosion habe es keine Hinweise auf Gasgeruch oder Probleme mit Gas gegeben. Gerhard Fida, Geschäftsführer der Wiener Netze, schloss eine Undichtheit in der Hausleitung aus. Das hätten Messungen der Gaskonzentration im Keller ergeben.

Ein Experte eines großen Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnikunternehmens erklärte im SN-Gespräch: "Gasthermen sind vollzündgesichert, selbst bei Defekten gibt es Sicherungen. Alte Geräte haben eine Zündflamme. Wenn die nicht brennt, kann kein Gas ausströmen." Neuere Produkte würden elektronisch gezündet. "Wenn da irgendwas nicht passt, wird die Gaszufuhr innerhalb von Sekunden gesperrt." Die Sicherheitstechnik sei bei allen Anlagen gleich, Mindeststandards würden laufend überprüft. "Es ist unwahrscheinlich, dass das Gerät die Verpuffung ausgelöst hat. Wenn jemand etwas aufschraubt und damit hantiert, kann natürlich Gas ausströmen", sagte der Heizungsfachmann.

Dort, wo noch vor kurzem ein Wohnhaus mit zwei Stiegen stand, klafft nun eine riesige Lücke. Denn schon drei Tage nach der Explosion stellten Statiker fest, dass das gesamte Gebäude stark einsturzgefährdet sei und abgerissen werden müsse.

In suizidaler Absicht herbeigeführte Gasexplosionen gab es in den vergangenen Jahren in Wien immer wieder. Am 26. April 2014 löste ein 19-Jähriger in der Mariahilfer Straße in Rudolfsheim-Fünfhaus eine Explosion aus. Der Mann kam ums Leben. Stunden später konnte eine Frau lebend aus den Schuttmassen geborgen werden. Das Haus wurde schwer beschädigt.

Am 26. Jänner 2017 starb ein Hausverwalter im Zuge eines Delogierungsversuches. Ein Baby wurde schwer verletzt. Der Täter musste lebenslänglich in Haft.

Am 6. April 2018 kam bei einem Brand und einer Explosion in einer Erdgeschoßwohnung in Meidling eine Person ums Leben. Das Feuer dürfte von dieser in der Absicht gelegt worden sein, Suizid zu begehen.

Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.

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