Österreich

Gediegene Stimmung und ein wenig Protest beim 62. Opernball

Gediegene Stimmung mit ein wenig Protest: Der 62. Opernball ging am Donnerstagabend unaufgeregt über die Bühne. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) debütierte auf dem Ball, für Wiens Bürgermeister Michael Häupl war es der letzte als Bürgermeister. Für einen Eklat sorgte eine Femen-Aktivistin, die am Red Carpet halbnackt gegen den Besuch des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko protestierte.

Viele Prominente beim 62. Opernball anwesend SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Viele Prominente beim 62. Opernball anwesend

Poroschenko war von Bundespräsident Alexander Van der Bellen eingeladen worden, der den Ball "so vielfältig" erlebte, wie er im Gespräch mit der APA sagte. Nach einem "relativ formalen Beginn" mit der Eröffnung durch die Debütanten und den Auftritten der Sänger und Tänzer habe sich der Ball zu späterer Stunde zu einem "opernhaften Volksfest" gewandelt, meinte Van der Bellen. Zum Tanzen kam der Präsident nicht, der Abend bedeutete für ihn vor allem Arbeit. Seinem Gast, Poroschenko, habe der Ball sehr gut gefallen und sie hätten gute Gespräche geführt. "Wir haben gewissermaßen Zuneigung zueinander gefasst", sagte Van der Bellen.

Für einen Eklat sorgte eine Femen-Aktivistin, die am Roten Teppich mit nacktem Oberkörper gegen den Besuch Poroschenkos protestierte. Die kreischende Aktivistin wurde von der Polizei abgeführt. In die Oper gelangte sie nicht. Die 25-jährige Frau wurde wegen Ordnungsstörung und Anstandsverletzung angezeigt, bestätigte Polizeisprecher Harald Sörös.

In der Oper merkte man davon allerdings nichts. Hier gab es viel Applaus für die Sänger Valentina Nafornita ("O mio babbino caro"), die für die erkrankte Daniela Fally eingesprungen war, und Pavol Breslik ("Ah! Leve-toi, soleil!" aus "Romeo et Juliette"). Gemeinsam sangen sie dann "Lippen schweigen" aus Lehars "Die lustige Witwe". Das Staatsopernballett, das zuletzt aufgrund von Verletzungen und Babykarenzen stark ausgedünnt war, kehrte am Ball mit voller Stärke zurück. Mit den Solotänzern Olga Esina, Maria Yakovleva, Robert Gabdullin und Roman Lazik an der Spitze tanzte es die vom Solotänzer Eno Peci eigens für den Ball kreierten Choreografien zu Josef Strauß' "Mein Lebenslauf ist Lieb' und Lust" und der Polka "Feuerfest".

Danach zogen die 144 Debütantenpaare in den Ballsaal ein - darunter wieder das offiziell schönste Paar Österreichs, Miss Austria Celine Schrenk und Mister Austria Alberto Nodale. Erstmals eröffnete auch ein Paar mit Downsyndrom den Ball - der Wilhelmsburger Felix Röper und seine Partnerin Swatina Wutha, die ursprünglich aus Hamburg stammt.

Die Gestaltung der Eröffnungs-Choreografie - "Stürmisch in Lieb und Tanz", eine Polka von Johann Strauß Sohn - lagt erneut bei Routinier Roman Svabek, der auch wieder die beliebten Publikumsquadrillen leitet. "Dieses Jahr war es wirklich extrem auf Linien aufgebaut, eine Altwiener Choreografie mit vielen schwarz-weiß Effekten", erklärte der Tanzprofi. Beendet wurde die Choreographie mit einer Einlage der Jungherren: Nachdem sie vergangenes Jahr ihren Partnerinnen eine versilberte Rose übergeben hatten, wurden die Damen heuer gleich mit einem Blütenblätterregen bedacht. Dafür wurden in die Stecktücher der Jungherren Blätter eingearbeitet, die sie dann am Ende ihres Auftrittes in die Luft warfen. Mit den Worten "Alles Walzer" war der Ball eröffnet.

Richard Lugner ist am Opernball zwar ein wenig angeschlagen gewesen, dennoch war er rundum zufrieden: Sein Gast, die US-Schauspielerin Melanie Griffith, war "super toll. Pünktlich, freundlich. Super", freute sich der Baumeister. Ob sein Gast den Ball auch so super gefunden hat, war - zumindest was die Mimik anging - ein wenig fraglich.

Der Weg zum WC und zum Mittellogeninterview glich dank des enormen Medieninteresses für Griffith wieder dem gewohnten Spießrutenlauf. "Danke, Danke - es ist sehr schön", presste sie noch hervor, bevor sie schnell wieder in die sichere Loge entschwand. Einen Fotografen, den Lugner in die Loge schummelte, warf sie kurzerhand wieder hinaus.

Vor der Lugner-Loge lieferte Ex-Frau Cathy einen etwas sonderbaren Auftritt. Sie wollte als "Reporterin" zum Baumeister vordringen, was dieser aber abschmetterte. "Ich habe drei Securitys am Ball, das weiß sie", war sein knapper Kommentar.

Andere bunte Gäste tummelten sich indes auf der Tanzfläche. "Ich habe gerade getanzt, jetzt muss ich ein wenig Pause machen", sagte die ehemalige Erotikikone Sibylle Rauch an der Seite von Dschungelcamper und Sänger Florian Wess. "Es ist aber wirklich ein wunderschöner Ball."

Auf den Ball kamen generell eine Menge Promis. Neben Melanie Griffith, die in einem schwarzen Kleid des Designers Alia angetanzt war, wurde der Wiener Unternehmer Klemens Hallmann von "Cinderella"-Star Lily James begleitet, die ein Kleid von Designerin Eva Poleschinski trug. Neben der 28-Jährigen nahmen auch Starfotograf Michel Comte, Künstler Erwin Wurm, Schauspieler Heiner Lauterbach und Topmodel Barbara Meier, die Freundin des Unternehmers, in der Loge Platz. Aus Deutschland kam erneut Designer Harald Glööckler.

Für DJ Ötzi war der rote Teppich "nur Arbeit". "Aber wenn ich drinnen bin, lass ich mich entertainen", so Ötzi. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Sonja kam er in einer Kutsche an, den Frack hatte er sich für den Ball ausgeborgt. Schauspieler Heiner Lauterbach traf mit seiner Ehefrau Viktoria ein: "Ich habe mir sagen lassen, es ist so ähnlich wie das Oktoberfest, nur ohne Lederhose, sondern mit Frack." "Diese ganze Tradition eines Opernballs, die haben wir in Deutschland nicht", sagte Lauterbach, der auf eine elegante Erscheinung wert legt: "Es ist mir lieber, es läuft so, als wenn Leute in Jeans zum Beethovenkonzert gehen."

(APA)

Aufgerufen am 18.02.2018 um 09:39 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/gediegene-stimmung-und-ein-wenig-protest-beim-62-opernball-24009187

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