Österreich

Gefährlicher Vogelgrippe-Typ auch in Österreich entdeckt

Die gefährliche Variante der Vogelgrippe vom Typ H5N8 ist auch am österreichischen Bodenseeufer angelangt. Als Konsequenz daraus wird eine Schutzzone um das Bodenseeufer eingerichtet und eine Stallpflicht für den Hausgeflügelbestand erlassen. Rund um den Bodensee sind in der jüngsten Vergangenheit 70 bis 80 tote Tiere entdeckt worden.

Gefährlicher Vogelgrippe-Typ auch in Österreich entdeckt SN/dpa
Eine an der Vogelgrippe verendete Ente.

Im Vorarlberger Bodensee-Gebiet war Anfang November totes Wassergeflügel wie Reiher- und Tafelenten gefunden worden. Ging man zuerst von einem Vergiftungsverdacht aus, ergaben die Untersuchungen von fünf toten Wildvögeln (vier Reiherenten und eine Tafelente) am Nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza am Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen der AGES in Mödling den Nachweis des Aviären Influenzavirus (AI) des Subtyps H5N8 in der hochpathogenen Variante. Bisher gibt es keine Anhaltspunkte, dass Hausgeflügel betroffen wäre.

Als erste Maßnahme war am Mittwoch laut Gesundheitsministerium gemäß der vorgesehenen Vorkehrungen beim Auftreten von Geflügelpest bei Wildtieren eine Verordnung in Vorbereitung, die am Donnerstagvormittag nach Abstimmung mit den Nachbarländern Deutschland und Schweiz kundgemacht werden soll: Zum Schutz des heimischen Hausgeflügels wird in einer Zone rund um das betroffene Bodensee-Gebiet eine Stallpflicht für Geflügel erlassen werden.

Das Land Vorarlberg beschloss ein Sieben-Punkte-Programm. Darauf haben sich am Mittwochnachmittag das Land und die betroffenen Gemeinden geeinigt, teilte der zuständige Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) nach Ende der Besprechung der APA mit. Kern des Programms ist es, die weitere Ausbreitung des Virus' zu verhindern. "Es muss alles unternommen werden, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet", stellte Schwärzler fest.

Das Hauptaugenmerk gelte nun dem Schutz des Hausgeflügels und der Geflügel-Betriebe. Nach Angaben des Landesrats wird die Verordnung des Bundesministeriums zur Stallpflicht für Geflügel morgen, Donnerstag, schlagend werden. Wie groß die Schutzzone sein wird, wusste Schwärzler vorerst nicht, er rechnete aber mit einem zwei bis drei Kilometer breiten Gürtel entlang des Bodenseeufers. Wichtig sei überdies - auch außerhalb der Schutzzone - im Nahbereich von Gewässern den Kontakt von Geflügel mit Wasservögeln zu vermeiden.

Um das Einsammeln und die Entsorgung der toten Wasservögel werden sich die Kommunen kümmern, sagte Schwärzler. Das sei mit den Gemeinden so abgesprochen. Entsprechende Vorkehrungen würden bei den Bauhöfen und der Feuerwehr getroffen. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP) wies darauf hin, dass der H5N8-Virus für den Menschen zwar keine Gefahr darstelle, trotzdem seien nach dem Kontakt mit toten Vögeln Schutzmaßnahmen - Kleidungswechsel, etc. - zu ergreifen. Deshalb gelte für Hund Leinenzwang.

Laut AGES ist mit den nun bekannten Fällen erstmals seit 2006 wieder ein hochpathogener AI-Virustyp in Österreich aufgetreten. Bei einem Ausbruch im Jahr 2006 handelte es sich um den Typ H5N1, dem schon mehr als 400 Menschen erlagen. H5N8 gehört nach dem bisherigen Kenntnisstand nicht zu den Stämmen, die auch bei Menschen schwere Erkrankungen auslösen. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung "theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich".

Die Unterscheidung in hochpathogene und niedrigpathogene AI-Typen bezieht sich laut AGES auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vögeln: Während niedrigpathogene AI-Typen keine oder nur milde Symptome verursachen, kommt es bei hochpathogenen AI-Typen zu schweren Krankheitsverläufen und hohen Sterberaten. Die gefährliche Variante der Vogelgrippe war zuvor bereits aus dem deutschen Bundesland Schleswig-Holstein gemeldet worden. Auch in Polen und Ungarn wurden Fälle entdeckt, bei denen es sich wohl ebenfalls um die hochansteckende Erreger-Variante handelt.

"Wir sehen eine Epidemie in der Wildvogelpopulation", warnte der Thomas C. Mettenleiter vom deutschen Nationalen Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, laut der deutschen Nachrichtenagentur dpa. Vermutlich handle es sich um den identischen Erreger. "Vor einigen Tagen ist in einem Zoo in Indien das Virus offenbar in seiner jetzigen Form nachgewiesen worden, dann in Ungarn bei einem Schwan sowie in einem Putenbestand und jetzt in Polen, am Bodensee und in Schleswig-Holstein bei Wildvögeln. Wir haben verschiedene Puzzleteile, die wir zusammensetzen müssen." Das Risiko einer Ansteckung von Nutzgeflügel mit dem H5N8-Virus sei hoch.

Quelle: APA

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